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Reden ist Silber, Handeln ist Gold – Erziehungsratgeber für Kinder mit Verhaltensstörungen

Piero Rossi (2010)

Es ist schon erstaunlich: Währenddem einige Kinder sich prima entwickeln, ohne dass die Eltern bewusst erzieherisch auf das Kind einwirken müssen, stellen andere Kinder (manchmal sogar deren Geschwister) die Eltern vor grösste erzieherische Herausforderungen.

Ein Grossteil aller Kinder übernimmt die Regeln des Zusammenlebens und der Schule mehr oder weniger automatisch: Ein anerkennendes Lächeln der Mutter oder der Lehrkraft verstärkt und belohnt das Verhalten des Kindes, worauf die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöht wird. Andererseits reichen kritische nonverbale Gesten oftmals aus, um einem Kind zu zegen, dass sein Verhalten nicht o.k. ist, worauf es das unerwünschte Verhalten normalerweise unterlässt.

Leider ist es so, dass nicht alle Kinder ihr Verhalten mehr oder weniger automatisch danach ausrichten können, was Eltern und Lehrkräften lieb und recht ist. Das gilt insbesondere für Kinder mit einer ADHS. Im Extremfall sprechen diese Kinder weder auf Belohnungen noch auf Bestrafungen an. Wir sprechen dann vom Wasserpistolen-Effekt. Gemeint ist damit, dass fast alle erzieherischen Massnahmen beim Kind wie Wasser abperlen. Eltern und Lehrer/-innen fühlen sich dann dementsprechend hilflos und reagieren aus Gefühlen der Ohnmacht heraus nicht selten ungeduldig und manchmal auch aggressiv. Was tun?

Handlungs- statt einsichtsorientierter Erziehungsstil
Der einsichtsorientierte Erziehungsstil ist definitiv passé. Ewige Diskussionen und einfach nur reden, reden und nochmals reden und an die Einsicht eines Kindes appellieren sind out. Ein oder zwei Mal die Dinge klarstellen und zu Handlungen auffordern sind o.k. Dann aber sollte nicht mehr geredet, sondern gehandelt werden (handlungsorientierter Erziehungsstil). Dazu sind folgende Voraussetzungen erforderlich:

Voraussetzung Nr. 1
Grundsätzlich muss sichergestellt sein, dass beim ADHS-Kind die Voraussetzungen dafür gegeben sind, dass es aus Belohnungen und/oder Bestrafungen und den damit verbundenen positiven und negativen Erfahrungen überhaupt lernen kann. Bei Kindern mit einer ADHS ist das alles andere als selbstverständlich. Bei jenen Kindern, welche aus ihren Erfahrungen nicht lernen können, verpuffen auch die allerbesten Erziehungsmassnahmen im Nu. Wichtig ist es daher, dass beim betreffenden Kind die grundlegenden Aufmerksamkeits- und Selbststeuerungsfunktionen therapeutisch genügend stabilisiert werden konnten. Dazu sind in vielen Fällen Medikamente erforderlich. Falls es trotz Therapie mit Medikamenten immer noch nicht stimmt, muss durch eine Fachperson überprüft werden, ob die Diagnose vollständig ist (bestehen neben einer ADHS andere Probleme wie Wahrnehmungsstörungen oder beispielsweise Angstprobleme?) und ob die mit den Medikamenten gegebenen therapeutischen Möglichkeiten wirklich ausgeschöpft werden konnten. Immerhin: Eine optimal eingestellte medikamentöse Therapie ist für den familiären und schulischen Lernerfolg eines Kindes das A und O. Oder liegen andere Belastungsfaktoren vor, welche das Kind ausbremsen und erziehungsresistent erscheinen lassen?

Voraussetzungen Nr. 2 bis 9

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