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Zerstreut, gereizt, leicht ablenkbar – ADHS im Erwachsenenalter

Piero Rossi. Erschienen in Psychoscope 01/2001.

Vom Träumerchen zur Chaosprinzessin – vom Hans Guck-in-die-Luft zum zerstreuten Professor: Die Annahme, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – das frühere “POS” – betreffe nur Kinder, nicht aber Erwachsene, gilt als überholt.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gilt als häufigste psychische Störung des Kinder- und Jugendalters. Zentrale Merkmale sind Störungen der Aufmerksamkeit sowie fakultativ Impulsivität und Hyperaktivität. Betroffen sind sechs bis zehn Prozent aller Kinder. Seit der Einführung der medikamentösen Therapie mit Amphetaminpräparaten bei verhaltens- und lerngestörten Kindern durch das Forscher- und Erzieherehepaar Bradley im Jahre 1937, sind die mit der ADHS verknüpften Symptome und Verhaltensstörungen sowie deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bis heute Gegenstand reger wissenschaftlicher Forschungstätigkeit.

POS, HKS, ADD, AHDS …?
In der Schweiz wurde für diese Störung lange der Begriff “frühkindliches psychoorganisches Syndrom” (POS), in Deutschland der Terminus “hyperkinetisches Syndrom” (HKS) verwendet. Gestützt auf die Definitionen der statistischen und diagnostischen Klassifikationssysteme psychischer Störungen (DSM-IV und ICD-10) etabliert sich in den letzten Jahren auch in deutschsprachigen wissenschaftlichen Publikationen der in den USA seit zwanzig Jahren verwendete Begriff der ADHD (Attention Deficit Hyperacitivity Disorder) oder zu deutsch: ADHS.

ADHS auch bei Erwachsenen
In Europa gilt die ADHS als eine auf das Kindes- und Jugendalter beschränkte psychische Erkrankung. Auch in der Schweiz dominierte lange die Ansicht, wonach das “POS” – konzipiert als Folgen einer minimalen Cerebralparese und eines kortikalen Reifungsmangelsyndroms – sich mit der Pubertät auswachse. Anders ist die Situation in den USA, wo sich Wissenschaftler/-innen seit 30 Jahren mit der ins Erwachsenenalter persistierenden ADHS befassen. Anfang der 70er Jahre wandte sich Paul H. Wender, einer der führenden ADHS-Spezialisten der USA, intensiv der Erforschung der ADHS bei Erwachsenen zu. Prospektive Studien an hyperaktiven und aufmerksamkeitsgestörten Kindern zeigten, dass bei rund 50 Prozent der betroffenen Kinder klinisch relevante Symptome der ADHS auch im Erwachsenenalter fortbestanden.

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