Wie bei mir ADHS festgestellt wurde (Teil 2)

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Hier nun der zweite Teil meiner Untersuchung:

Frau Lareda erklärte mir als erstes den Sinn der Tests. Sie könne mir aus Zeitgründen aber nicht bei jedem Test erklären, wozu er gut sei. Ich solle fragen, wenn mich einer der Tests besonders interessiere. Das war für mich okay.

Als erstes wurde ich getestet, ob ich in die Nähe und die Ferne normal sehe und ob ich Farben auseinander halten kann. Ich durfte dann eine 3D-Brille anziehen und Frau Lareda zeigte mir ein Bild einer Fliege, welche voll räumlich wirkte.

Dann gab es einige Tests am Computer. Einer war extrem langweilig. Frau Lareda erklärte, sie möchte herausfinden, wie gut ich mich konzentrieren kann, wenn es uninteressant und eintönig sei. Bei einem anderen Test musste ich versuchen, auf zwei Sachen gleichzeitig zu achten. Nämlich auf Töne und Kreuze. Das war vielleicht schwierig! Und dann gab es eine Aufgabe, die ich gar nicht gut konnte: Auf dem Monitor leuchtete entweder ein „X“ oder ein „+“ auf. Immer wenn das „X“ erschien, musste ich so schnell drücken, wie ich nur konnte. Beim „+“ musste ich nichts machen. Klingt einfach. Ist es aber nicht! Lacht mich nicht aus, aber mein Finger knallte auch beim „+“ immer wieder auf den Knopf. So, als würde meine innere Bremse nicht richtig funktionieren.

Na ja, verwunderlich ist es ja nicht. Denn genau das war ja lange mein grosses Problem: Ich war immer zu schnell und redete drauf los, bevor der Lehrer seine Frage zu Ende gestellt hat. Oder ich sagte „Nein“, ohne in Ruhe zuhören zu können, was mein Vater von mir wollte. Oder bei Prüfungen: Ich war oftmals zu schnell fertig. Und die Geduld, dann alles nochmals in Ruhe durchzuschauen, fehlte mir natürlich.

Dann gab es Lernaufgaben, bei denen ich Wortreihen nachplappern durfte. War etwas langweilig, aber auch okay. Und dann musste ich mir Bildchen einprägen und dann mit Holzstäbchen nachbauen. Das war lustig, weil Frau Lareda mich vor Beginn dieses Tests fragte, ob ich beide Kameras eingeschaltet habe (sie meine natürlich meine Augen) und ob mein Akku noch voll genug sei. Überhaupt war es lustig. Wir haben viel gelacht.

An den Rest kann ich mich nicht mehr gut erinnern. Ich musste eine komische Figur abzeichen, etwas mit Würfeln nachbauen und dann noch Fragen beantworten. Zum Beispiel: „Was ist eine Bettdecke?“ oder „Sage mir mehrere Gründe, wieso Kinder rechtzeitig ins Bett gehen sollen?“ …

Lesetipp für Eltern:
Reicht nicht einfach der “Ritalin-Test”? Zur Diagnostik der ADHS bei Kindern und Jugendlichen

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Dieser Text wurde letztmals 09/2016 aktualisiert.
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