ADHS – Krankheit der negativen Gefühle?

 


ADHS: Für viele Betroffene eine Via dolorosa.
Schmerzende Gefühle sind die Regel, nicht die Ausnahme.
Wieso? Lesen Sie weiter!


Piero Rossi mit Susanne Bürgi. Erschienen erstmals in: ELPOST 40/2010. Leicht überarbeitet.

Einleitung

Wer Kinder mit einer ADHS kennt, denkt spontan an ungenügende Schulleistungen, vergessene Schulunterlagen oder Tränen und Wut beim Hausaufgaben erledigen. Oder an Eifersuchtsszenen, Hyperempfindlichkeit, ein lautes „Nein!“ nach dem anderen, Dramen beim Zubettgehen, an schulische Versagensängste oder etwa an Streit beim gemeinsamen Essen.

Wer an Jugendliche mit einer ADHS denkt, dem kommen Stimmungsschwankungen, Selbstzweifel, depressiv anmutende Gemütszustände oder aggressive Ausbrüche in den Sinn.

Und wer schliesslich erwachsene Frauen und Männer mit einer ADHS vor Augen hat, denkt vor allem an Menschen, die demoralisiert und gezeichnet sind von ständigen Misserfolgen und Minderwertigkeitsgefühlen: Menschen voller Schuldgefühle, weil sie ständig vieles versprechen, immer Neues anreissen und syndrombedingt nur weniges einzuhalten und durchzuziehen vermögen. Allen negativen Erfahrungen stehen aber auch positive Emotionen gegenüber.

Dazu gehört unter anderem ein starkes Gerechtigkeitsempfinden – auch wenn dieses ob der so feinfühlig wahrgenommenen Ungerechtigkeiten meist allzu schnell wieder in Verbitterung umschlägt. Auch das Gefühl des Stolzes oder des Glücks, wenn einmal etwas gelingt, kann bei ADHS-Betroffenen überaus herzlich ausfallen.

 

Leben mit ADHS – eine Via dolorosa

ADHS-Betroffene werden seit Kindheit durch einen neurobiologisch bedingten chronischen Mangel an Selbstbeherrschung und Konzentrationsvermögen in ihrer Entwicklung und Lebensbewältigung beeinträchtigend stark ausgebremst. Infolge ihres Unvermögens, Impulse angemessen zu hemmen, reizarme Situationen auszuhalten und ihre Affekte angemessen zu regulieren, stehen sie – sofern die ADHS nicht behandelt wird – ein Leben lang im Dauerkonflikt mit sich selbst, mit den Menschen um sie herum und nicht selten auch mit dem Gesetz.

Hypersensibel und unfähig zur Entspannung entwickeln einige von ihnen psychosomatische Krankheiten oder Suchtprobleme. Chronischer Stimulationshunger und Überaktivität führen zu Erschöpfungsdepressionen und Burnout. Den meisten wegen ihrer Zerstreutheit sehr vergesslichen und lerngeschwächten ADHS-Patientinnen und -Patienten bleibt eine ihrem Potenzial entsprechende Schul- und Berufskarriere vorenthalten.

Viele nagen in der Folge ein Leben lang an Selbstzweifeln, Ängsten, Unzufriedenheits- und Minderwertigkeitsgefühlen. Auch Scham- und Schuldgefühle sind häufige Begleiter von Betroffenen mit ihrem ewigen Ruf der Unzuverlässigkeit.

Negative Erfahrungen führen zu negativen Gefühlen

Ob ihrer vielfältigen Scheiternserfahrungen sind ADHS-Betroffene oftmals demoralisiert und haben mit grossen Identitätsproblemen zu kämpfen. Viele halten sich von klein auf und meist ein Leben lang für dumm und unfähig. Diese und andere negative Grundannahmen, ständig genährt durch alltägliche Auswirkungen ihrer Handicaps, fördern eine unheilvolle Misserfolgserwartung und führen damit in einen Teufelskreis, aus welchem die meisten ADHS-Betroffenen ohne psychotherapeutische Hilfe nicht mehr herausfinden.





Tatsächlich erscheint die ADHS im Erleben der Betroffenen, aber auch aus der Perspektive der Eltern, Geschwister, Angehörigen oder Lehrer/-innen als die emotionale Störung schlechthin. Manchmal sind die emotionalen Auswirkungen der ADHS derart stark ausgeprägt, dass die zugrunde liegende neurologische Kernproblematik – also die ADHS – maskiert wird. Dies kann dazu führen, dass Psychiater/-innen und Psychologinnen und Psychologen die ADHS als eine emotionale Störung verkennen und wirkungslose Therapien durchführen.

Was sagt uns die Hirnforschung?

Trotz intensiver Forschungsbemühungen sind wir noch weit davon entfernt zu verstehen, was in unserem Gehirn wirklich vor sich geht. Verbindliche Aussagen darüber, durch welche zerebralen Prozesse die ADHS mit Emotionen verbunden ist und was wirklich passiert, wenn ein betroffenes Kind weint oder wütend wird, sind bisher nicht möglich.

Wir verfügen bestenfalls über Erklärungsmodelle. Eines hat sich aber in den vielen Jahren der Erforschung dieses Syndroms doch deutlich herauskristallisiert: Sehr viele für die Verarbeitung von Emotionen relevante neuroanatomische Strukturen sind auch bei der ADHS beteiligt – und umgekehrt.

Motivationsregulation

Wollen wir die Regulation der Emotionen bei ADHS-Betroffenen besser verstehen, müssen wir uns in erster Linie den Gefühlen des Motiviert- und Nicht-Motiviertseins zuwenden. Wie bereits in den 70er-Jahren vom bekannten ADHS-Forscher Paul Wender postuliert, stellen heute für viele Wissenschaftler neben den klassischen Kernsymptomen Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörung vor allem auch Störungen der Motivationsregulation einen zentralen Mechanismus der ADHS dar.



Schneller Lust- und Motivationsabfall – Kernproblem bei der ADHS

Wer ADHS-Betroffene kennt, weiss aus Erfahrung, dass ihnen im Normalfall die Geduld fehlt, lange genug an einer subjektiv uninteressanten Sache dran bleiben zu können. Die Motivationskraft bricht ein, sobald ihnen die aktuelle Tätigkeit nicht mehr passt oder keinen Spass mehr macht. Gemacht wird, was gerade interessant ist und nicht das, was angesagt ist. Eine altersentsprechende Belohnungsverzögerung liegt nicht drin.

„Delay-Aversion-Modell“

Professor Edmund Sonuga-Barke beschrieb diesen Motivationseinbruch bereits 1994 in seinem „Delay-Aversion-Modell“ (gemeint ist eine Abneigung gegenüber Zeitverzögerungen beziehungsweise Wartephasen).

Nicht-ADHS-Betroffene können – wenn sie wollen – an einer Sache altersentsprechend lange dran bleiben. Dies auch dann, wenn sie keine Lust dazu haben. Die Aussicht auf ein gutes Gefühl nach dem Beendigen einer Aufgabe lässt sie auch Unangenehmeres mehr oder weniger motiviert durchziehen (Beispiel Hausaufgaben: „Nachher bin ich endlich frei und kann spielen gehen“).

 

Ganz anders bei ADHS-Betroffenen: Selbst wenn sie wollen, können sie nicht am Ball bleiben. Sie werden unruhig, reagieren innerlich immer gereizter und brechen die Übung schliesslich ab. Die Geometrieaufgabe wird mit links zur Seite geschoben, während die andere Hand flink zum Handy greift, um schnell noch eine SMS zu verschicken.

Erstaunlich ist es nicht, dass Forscher in einem Experiment zeigen konnten, dass ADHS-Betroffene eine kleine, dafür schnell zu erreichende einer grösseren, später erst zu realisierenden Belohnung vorziehen. Auch ist es nicht verwunderlich, dass Professor Terje Sagvolden und sein Team 2005 in einer Untersuchung feststellten, dass bei ADHS-Betroffenen die Wirksamkeit einer Belohnung mit wachsender zeitlicher Distanz zwischen Verhalten und erfolgter Belohnung unverhältnismässig stark abnahm.

Merke: Belohnungen für positives Verhalten müssen also schnell erfolgen, wenn sie wirken sollen.

 

Hilflosigkeit und Aggressionen

Wenn weder eine in Aussicht gestellte Bestrafung („Wenn du jetzt nicht fertig machst, darfst du heute nicht fernsehen!“), noch eine in Aussicht gestellte Belohnung („Wenn du das in einer Stunde schaffst, gehen wir zu McDonalds‘!“) auf das Verhalten von ADHS-Betroffenen einen steuernden Einfluss haben, erleben sich Eltern und Lehrkräfte oftmals hilflos:

Ihre pädagogischen Bemühungen scheinen bei diesen Kindern wirkungslos abzuperlen. Leicht können dann aus Ohnmachtsgefühlen Aggressionen entstehen, so dass sich Erzieher/-innen und Kinder mit einer ADHS emotional gegenseitig aufschaukeln. Nicht selten endet das in Tränen, Verzweiflung und leider immer wieder auch in handfester Gewalt.

Schwachstelle Belohnungssystem

ADHS-Betroffene benötigen im Grunde genommen zuerst eine Belohnung, um das erwünschte Verhalten zu zeigen. Warum? Belohnungen (zum Beispiel ein Kompliment) wirken als positive Verstärker: Sie steuern unser Verhalten – oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind – und fördern durch selbst- oder fremd gesetzte Handlungsanreize unsere Motivation.





Eine angemessene Reaktion auf lohnende Anreize ist eine wichtige Voraussetzung für Entscheidungen und zielgerichtetes und vernünftiges Verhalten (zum Beispiel Nein sagen können bei ablenkenden Reizen). Genau das aber scheint bei ADHS-Betroffenen nicht zu funktionieren: Die Selbststeuerung via Motivation klappt nur bei viel Spass und/oder in hochgradig interessanten Situationen.

Grund dafür ist ein im Standby-Modus zu schwach stimuliertes Belohnungssystem, das ADHS-Betroffene mit einer Zuwendung auf subjektiv Interessantes, durch Stören, übermässigem Essen, einem Computergame oder mit Drogen zu kompensieren versuchen. Dies alles führt im Belohnungssystem zu einem kurzfristigen Anstieg der bei der ADHS zu niedrigen Dopamin-Konzentration und hilft den Betroffenen, eine Weile lang konzentriert bei der Sache zu bleiben (wenn auch leider oft bei der falschen).

Wirkung der Stimulanzien

An diesem Punkt entfalten Stimulanzien ihre Wirkung: Sie führen dazu, dass der zu niedrige Dopaminspiegel unter anderem auch in den Hirnregionen des Belohnungssystems auf ein ausreichendes Niveau steigt und der Transmitterstoffwechsel damit länger stabil gehalten werden kann. Spricht ein betroffenes Kind auf die Therapie an, hat es mehr Geduld, ist nicht mehr von jeder Fliege abgelenkt, kann am Wesentlichen besser dran bleiben und vermag auch Langweiligeres zu erledigen – und dies ohne eine Belohnung im Voraus zu erhalten.

Zuständig ist das Dopaminsystem

Die wichtigsten Hirnregionen, welche das Belohnungssystem steuern, sind das ventrale Striatum, der orbito-frontale Kortex sowie der Mandelkern (Amygdala). Für deren Zusammenspiel ist die chemische Signalübermittlung im Dopaminsystem verantwortlich. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Nucleus accumbens zu.

Diese Hirnstruktur ist für alles Positive, das Neugier-, aber auch für das Suchtverhalten zuständig. Sobald etwas Spannendes oder Interessantes vorliegt, wird der Nucleus accumbens aktiviert. Dies kommt bei ADHS-Betroffenen im Schul- und Familienalltag indes nur selten vor.

Umso aktiver scheint dafür der Mandelkern zu sein, welcher vor allem in die Verarbeitung negativer Gefühle eingebunden ist. Das im subjektiv langweiligen Alltag schnelle Absinken des Dopaminspiegels führt bisweilen zu regelrechten Entzugssymptomen wie Gereiztheit, Ärger und Wut.

Verständlich also, dass ADHS-Betroffene mit Langeweile nicht umgehen können, von schlechten Gefühlen und Stimmungen schnell gefangen werden und auf frustrierende Ereignisse oft besonders massiv reagieren. Das Problem bei der ADHS liegt also in der Art der Reaktion auf Belohnungen und damit auf die Art, wie wir entscheiden, was wir tun.




Mehr „sozio“ und weniger „neuro“ bitte

Um zu erklären, wieso ADHS-Betroffene oft in emotional so instabiler Verfassung sind, wird in den letzten Jahren immer häufiger auf gestörte Hirnfunktionen und Ungleichgewichte in Neurotransmittersystemen verwiesen. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind für die Erforschung neuer Therapien zweifellos wichtig und interessant.

Dennoch: Der in jüngster Zeit immer einseitigere Fokus auf die neurowissenschaftlichen Erklärungsansätze verdeckt den Blick auf das Naheliegende und Wesentliche immer mehr. Um zu verstehen, warum sich Kinder mit einer ADHS oft unverstanden, alleine und schuldig fühlen und um zu begreifen, wieso diese Kinder so empfindsam sind und so gereizt reagieren können, müssen wir nämlich weder neuronale Regelkreise noch frontostriatale Dysfunktionen bemühen.

Zwei, drei Blicke in das konkrete Leben dieser Kinder und der von ADHS betroffenen Jugendlichen und Erwachsenen reichen aus, um ihre seelischen Nöte, ihre Sorgen, Ängste, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle zu verstehen. Es ist nicht der gestörte Dopamin-Stoffwechsel, welcher Schmerzen und Leid verursacht.

Es sind vielmehr Reaktionen anderer Menschen, gesellschaftliche Normvorstellungen und institutionelle Rahmenbedingungen (besonders auch der Schule), welche zu den seelischen Verletzungen und deren emotionalen Auswirkungen führen.



Nicht die Konzentrationsprobleme schmerzen

Nie haben wir von einem langsamen und verträumten Mädchen gehört, dass ihm sein schwaches Aufmerksamkeitssystem weh macht. Es ist vielmehr das hämische Gelächter anderer, wenn es durch einen Aufruf des Lehrers aus seinen Träumereien herausgerissen wird, nicht weiss, was gerade besprochen wird und aus der Not heraus irgendetwas vor sich hin stottert.

Und noch nie berichtete uns ein hyperaktiver Knabe, dass ihn seine Impulsivität schmerzt. Weil Hyperaktive ihre Kraft schlecht dosieren können und dreinschiessen, ecken sie an. Es ist das darauffolgende Gemiedenwerden, welches dem Kind weh tut. Auch ist es in all den Jahren, in denen wir mit ADHS-Betroffenen arbeiten, noch nie vorgekommen, dass uns ein Kind berichtete, es leide an seiner Vergesslichkeit.

Es sind fast immer die Erwartungen und Reaktionen anderer, welche beim Kind Scham- und Schuldgefühle erzeugen: Dinge wie Vergessens-Striche im Elternheft oder Vorwürfe, man würde sich nicht genügend anstrengen oder es gar extra machen, sind es, welche die sensiblen Seelen der betroffenen Kinder verletzen und zu heftigen, nach innen oder aussen gerichteten emotionalen Reaktionen führen.

Nicht können oder nicht nicht wollen?

Was wohl in solchen Momenten in der Seele eines Kindes mit einer ADHS passiert? Wie zurückgesetzt muss sich ein Kind fühlen, welches nicht nicht will, sondern nicht kann, welches für das alles selbst keine Erklärung hat und sich dann vielleicht noch schuldig fühlt? Wie muss sich ein solches Kind fühlen, wenn ihm wiederholt vorgehalten oder mit Blicken und Gesten zu verstehen gegeben wird, dass es wieder einmal viel länger als andere hat, um den gleichen Stoff zu lernen?





Und dass es das Gelernte nicht wieder so schnell vergessen und deshalb heute wirklich einmal besser aufpassen soll? Was passiert in der Seele eines zappeligen, unruhigen und impulsiven Kindes, wenn ihm von den Eltern oder Grosseltern wiederholt mehr oder weniger direkt zu verstehen gegeben wird, man erwarte jetzt schon langsam, dass es lerne, sich wie andere zu beherrschen und zu benehmen? Und was geschieht mit einem Kind, wenn es die leise Enttäuschung der Eltern spürt, dass es in Mathematik das Sortenumwandeln immer noch nicht begriffen hat?

Danke für diese Infos!

Traumatisierende Erfahrungen

Klinische Erfahrungen zeigen, dass ADHS-Betroffene, bedingt durch ihre Reizoffenheit, Abwertungen („Du Schnecke“), Vorwürfen („Du bist einfach nur faul!“) und anderen negativen Erlebnissen viel schutzloser ausgeliefert sind als andere. Erlebnisse dieser Art können die psychische Belastungsgrenze der Betroffenen übersteigen.

Eine adäquate Verarbeitung des Erlebten bleibt oftmals aus. Folge ist, dass diese Erfahrungen traumatisierend wirken, was zu chronischem Stress, psychosomatischen Symptomen und anderen Belastungsreaktionen führen kann.

Verbitterung durch mangelndes Verständnis und fehlende Akzeptanz

Bis heute wird allzu häufig nicht akzeptiert, dass Kinder mit einer ADHS ganz andere Voraussetzungen mitbringen als nicht-betroffene Kinder.

Beispiel Schule

Wochenpläne, Prüfungen unter Zeitdruck, der Zwang zum Schönschreiben, still Sitzen und geduldig Zuhören sowie Strafen infolge Vergessens oder Verlierens von Schulmaterialien sind einige der unzähligen Hürden, an welchen die meisten ADHS-Betroffenen im Schulalltag scheitern. Wenn wir einen Lehrer bitten, einem Kind unter Berücksichtigung seiner Konzentrationsschwächen und seiner graphomotorischen Probleme bei Prüfungen mehr Zeit einzuräumen und dieser Lehrer uns dann mitteilt, dies sei nicht möglich, schliesslich müsse er alle Kinder gleich behandeln, stockt selbst uns manchmal der Atem.

Als ob alle Kinder die gleichen Voraussetzungen hätten!

Beispiel Väter

Viele Väter verstehen nicht (oder wollen nicht verstehen), was es heisst, an einer ADHS zu leiden. Sie erwarten von ihren betroffenen Kindern vor allem in Sachen Schule dasselbe wie von deren gesunden Geschwistern. Und dies erst recht, wenn das Kind Medikamente bekommt. Dann sollte es ja wieder normal funktionieren können.

Sie belohnen ihre Kinder pro Prüfungsnote über einer 5 (bzw. 2 in Deutschland) mit einem Geldbatzen, machen also ihre Anerkennung von einer für alle gleiche Note abhängig. Ungerecht und verletzend sind selbst gut gemeinte und tröstende Bemerkungen wie: „Schau dir Julia an, auch sie hatte früher schlechte Noten. Nun hat sie sich angestrengt und konsequent jeden Tag eine halbe Stunde gelernt. Das kannst du auch erreichen, wenn du nur willst. Wenn man wirklich will, schafft man alles.“



Beispiel Gesellschaft

Auf eine Anerkennung, wie sie Hör-, Sprach- oder Körperbehinderte erfahren haben, warten ADHS-Betroffene und ihre Eltern noch immer. Die nicht gerechtfertigten Erwartungen an ein normales Funktionieren erzeugen bei Betroffenen und ihren Angehörigen Ohnmacht und Hilflosigkeit, aber auch Aggressionen.

Wenn Eltern in Drogeriemagazinen und Familienzeitschriften schliesslich einmal mehr lesen, dass die ADHS in Wirklichkeit gar nicht existiert, sondern Ausdruck von Verwöhnung oder anderem erzieherischen Fehlverhalten ist, gesellen sich vor allem bei den Müttern zu der ganzen Verzweiflung noch Scham- und Schuldgefühle hinzu.

Konsequenzen für den Alltag

Wenn der Alltag von betroffenen Kindern trotz Therapien durch zu starke nach innen oder aussen gerichtete Emotionen geprägt ist, ist dies meistens ein Anzeichen dafür, dass die ADHS noch nicht befriedigend behandelt wird oder dass neben der ADHS andere, ebenfalls behandlungsbedürftige Teilleistungsstörungen, psychische oder psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen.

Die für die Behandlung zuständige Fachperson kann die nötigen Abklärungen durchführen und die erforderlichen Korrekturen im Therapieplan einleiten. Auch kann ein Roundtable-Gespräch, an welchem auch die Lehrkraft des Kindes teilnehmen soll, einberufen werden. Entscheidend ist, dass etwas passiert. Und zwar nicht nur auf der therapeutischen, sondern auch auf der schulischen Ebene.

ADHS-Probleme lösen sich nicht von alleine. Es liegt an uns Erwachsenen, Verantwortung zu übernehmen, diese Kinder zu schützen und ihnen Entwicklungsbedingungen zu gewähren, welche es ihnen ermöglichen, trotz der ADHS ihr Potenzial umzusetzen, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Lesen Sie hier weiter, wenn diese Informationen für Sie hilfreich waren.


Danke für diese Infos!

 

 

Diese Seite wurde letztmals am 22.04.2017 aktualisiert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
© 1999 – 2017 Piero Rossi