ADHS-SpezialistInnen in Österreich?

Sehr geehrter Herr Rossi, kennen Sie zufällig SpezialistInnen in Österreich, die sich ebenfalls so vertieft wie Sie mit dem „Krankheitsbild“ ADHS bei Erwachsenen auseinandersetzen und auskennen? Ich danke Ihnen sehr für Ihre zahlreichen auf dieser Webseite verfassten Artikel. Ich bin 31 Jahre alt (kürzlich die Diagnose ADHS erhalten) und habe mich vor einigen Monaten nach anfänglicher Recherche über die ADHS Diagnose meines Bruders erstmals mit dem Thema befasst.

Nachdem ich vor kurzem zufällig in einem Frauenmagazin auf einen Artikel über AD(H)S bei Frauen gestossen war und mich anfangs geschockt in den Beschreibungen der Symptome wiedergefunden habe, dann selbständig weiter recherchierte, begann sich für in mir immer mehr das Gefühl von Klarheit und sogar Erleichterung auszubreiten. Klarheit über das immerwährende Gefühl, das Leben sei ein Chaos, der innere  stets präsente Antrieb alles Mögliche gleichzeitig machen zu wollen und im Endeffekt jedoch hunderte offene gestartete Projekte unvollständig stehen zu lassen und allgemein die Schwierigkeit eine Organisation in einen ganz normalen Alltag zu bekommen. Rückblickend auf die qualvolle Schulzeit, meine Studienzeit und auch mein derzeitiges Masterstudium (das bereits sehr in die Länge zieht) fügt sich jetzt einfach alles für mich.






Ich will nichts auf das AD(H)S schieben, jedoch ist es irgendwie eine Erleichterung zu wissen, dass es vielleicht doch nicht mit einer befürchteten Dummheit, Faulheit oder Unfähgigkeit zutun hat. Im Grunde weiß ich, dass es das gar nicht sein kann, weil ich doch bereits einiges – zwar immer sehr viel Nerven, Energie und Schlaf kostend – geschafft habe, da ich zu meinem Wort stehe und Dinge die ich verspreche für andere zu tun, bei Dringlichkeit auch durchführe.
Am Schlimmsten ist es jedoch für mich, dass ich das Gefühl habe, meine Talente nicht richtig einzusetzen und jetzt mit bald 30 das Gefühl zu haben, meine Zeit verschwendet zu haben. Malen, Zeichnen, Fotografieren, digitale Bearbeitung von Fotos, Design, Kleidung entwerfen, Schminken und jede Art von visueller Kunst als auch singen und Musik sind schon immer meine Leidenschaften gewesen und eigentlich war es schon immer mein Traum Kunst beruflich auszuüben.  Ich habe alle Arten von Medien zuhause, verschiedenste Farben, hunderte Pinsel, Papiere, vor 2 Jahren mir endlich eine gute Kamera geleistet, jedoch schaffe ich es irgendwie nicht begonnene Projekte durchzuziehen. Manchmal schon- dann sitze ich den ganzen Tag und die ganze Nacht daran, fast ohne Pause, bis ich fertig bin. Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen! E.H.


http://www.adhs.ch/ueber-mich/Persönlich kenne ich keine ADHS-Fachpersonen in Österreich. Sie könnten es aber bei der ADHS-Arbeitsgruppe www.adapt.at versuchen. Soviel ich weiss, werden dort auch Erwachsene beraten.

Ihre Schilderungen legen es in der Tat nahe, sich genauer mit diesem Störungsbild zu befassen. ADHS ist bei Akademikern zwar eher selten. Wenn es aber in der Familie ADHS-Betroffene gibt, könnten sich eine erweitere Untersuchung und eine Therapie wahrscheinlich erst recht lohnen. Wie Sie vielleicht schon wissen, tritt die ADHS fast immer familiär gehäuft auf.

Sie schreiben, dass bei Ihnen bereits eine ADHS-Diagnose gestellt wurde. Üblich ist, dass die Untersuchungsstelle auch über ein Behandlungsangebot verfügt. Falls nicht, überweist die untersuchende Fachperson in der Regel die Patienten an eine Kollegin oder einen Kollegen, wo dann die Behandlung erfolgen kann.

Die meisten Psychologinnen oder Psychiater, welche erwachsene ADHS-Patienten behandeln, werden zur Bestätigung der Diagnose allerdings auch selbst noch einmal einige diagnostische Massnahmen durchführen. Der Umfang hängt ganz davon ab, wie gründlich die Erstuntersuchung durchgeführt wurde.

Falls es Sie interessiert, wie bei Verdacht auf ADHS eine Untersuchung ablaufen kann, siehe hier:






Oft schon habe ich von ADHS-Betroffenen gehört, dass sie ihr kreatives Potential nicht ausleben können. Sicher, das gilt wahrscheinlich für 95 % aller Menschen. Bei Vorliegen einer (unbehandelten) ADHS indes erscheinen mir diese kreativen Umsetzungsprobleme besonders fatal. Und das nicht nur bei Erwachsenen. Grund ist, dass eine zentrale Quelle für Seelennahrung nicht angezapft werden kann.

In diesem Artikel habe ich das genauer ausgeführt: Warum Menschen mit ADHS sehr kreativ sein könnten, es aber meistens nicht sind.

Siehe zum Thema ADHS & Kreativität auch hier: Flipperkugeln und Störgeräusche.

Falls Sie wissen möchte, wie ich im Bereich Kreativitätsförderung tätig bin, siehe hier: „Fotografieren verleiht Flügel


Lesen Sie hier weiter, wenn diese Informationen für Sie hilfreich waren.


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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Er wurde erstellt am 08.12.2017.
© Piero Rossi




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