Informationen zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

 

FAQ - Fragen und Antworten zur Diagnostik der ADHS

Dr. med. M. Winkler + Dipl.-Psych. P. Rossi

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.12.2008

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Herr F., Lehrer aus Vaduz (Liechtenstein):

Meiner Meinung nach wird bei Verhaltensauffälligkeiten viel zu schnell eine POS- oder ADS-Diagnose gestellt. Wenn ich Ihre Checklisten lese, dann könnte fast die Hälfte meiner Schüler ADS haben!

Antwort: Es ist richtig, dass viele Kinder sich ungenügend zu konzentrieren vermögen und es trifft zu, dass sehr viele Kinder nicht über eine altersentsprechend entwickelte Selbststeuerung verfügen. Berücksichtigen Sie aber, dass zur Diagnose einer ADHS sehr viel mehr gehört: Erst wenn im Rahmen einer umfassenden Untersuchung nachgewiesen werden kann, dass primär Aufmerksamkeitsstörungen und eine krankhaft schwache Selbstbeherrschung die Entwicklung eines Kindes nachhaltig behindern, sprechen Fachleute von einer ADHS.


Tatsache ist, dass heute nicht zu oft, sondern noch zu selten daran gedacht wird, dass die Lern- und Verhaltensprobleme eines Kindes durch eine ADHS bedingt sein könnten.

Grund ist der Umstand, dass dieses Syndrom (immerhin die häufigste kinderpsychiatrische Erkrankung), immer noch sehr vielen Lehrern und Schulpsychologen nicht bekannt ist. Viel zu oft werden emotionale Probleme oder familiäre Konflikte als Ursachen genannt. Auch wenn möglicherweise Psychologen und Ärzte, die noch wenig Erfahrung mit diesem Krankheitsbild haben, anfangs dazu neigen, die ADHS-Diagnose gelegentlich ungerechtfertigt zu vergeben, gilt ganz generell, dass viel zu wenig ADHS-Kinder korrekt erkannt und behandelt werden.

 

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Frau Z. aus Berlin: Mein Sohn hat ADS. Er spricht auf die von der Ärztin eingeleiteten Therapien (Verhaltenstherapie, Medikamente) ausgezeichnet an. Schon lange vermute ich, dass auch ich an einer ADS leide. Vor einer Woche nahm ich eine der Ritalin-Tabletten meines Sohnes und stellte fest, dass ich den Haushalt in aller Ruhe und vor allem - wohl zum ersten Mal in meinem Leben! - der Reihe nach erledigen konnte. Ich hatte kein Gehetze und fühlte mich durch den Lärm der Kinder viel weniger gestört. Meine Ärztin will mir aber keine Stimulanzien verschreiben. Sie sagt, dass zuerst eine Untersuchung durchgeführt werden muss. Meine Frage: Ist es denn nicht klar, dass ich ADS habe, wenn mir die Tabletten so gut tun?

 

Antwort: Nein, aus einer positiven Wirkung von Stimulanzien kann nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, jemand leide unter einer ADHS. Viele Menschen reagieren positiv auf Stimulanzien: Sie sind eine Weile lang konzentrierter und wacher. Diese Wirkung hält bei Menschen, deren Probleme durch eine andere Grundproblematik als die einer ADHS definiert sind, aber nicht lange an. Es besteht das Risiko, dass sich diese Menschen an die stimulierende und anregende Wirkung gewöhnen und evt. eine Abhängigkeit entwickeln.
Ärzte verlangen auch deswegen zu Recht, dass vor Einleitung einer medikamentösen Therapie eine sorgfältige Abklärung erfolgt, da ein Nichtansprechen auf ein Stimulans nicht bedeutet, dass keine ADHS vorliegt. Und: Medikamente sollten prinzipiell nur von denjenigen Patienten eingenommen werden, für die sie rezeptiert wurden.


 

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Frau L. aus Holziken (CH):
Mein Sohn Benjamin hat wahrscheinlich ADS. Es ist extrem unruhig. Bei seinem Bruder Joel hat man ADS diagnostiziert, als er neun Jahre alt war. Ich wäre sehr froh gewesen,  hätte man Joel schon früher behandeln können. Meine Frage:  Kann man auch Dreijährige auf ADHS abklären?

Antwort: Früherkennung von ADHS ist ein Thema, welches zunehmend mehr Beachtung findet. Allerdings ist es schwierig, einen Kinderarzt oder einen Psychologen zu finden, der über genügend Erfahrung verfügt, um Kinder in diesem Alter hinsichtlich ADHS beurteilen zu können. Fragen Sie Ihren Kinderarzt oder erkundigen Sie sich bei den ADHS-Selbsthilfegruppen. Vielleicht finden Sie da Adressen von ADHS-kompetenten Kinderärzten, denen Sie Benjamin vorstellen können. 

 

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Frau S. aus Bern (CH):
Ich bin Psychologin. Mit welchen Tests kann man eine ADHS diagnostizieren.

Antwort: Es ist bis heute nicht möglich, mit psychometrischen Testverfahren zuverlässig eine ADHS zu bestimmen. Es gibt keinen ADHS-Test. Auch aus den Resultaten von neuropsychologischen Testreihen kann nicht abgeleitet werden, ob die Beschwerden eines Patienten auf eine ADHS zurückgehen oder nicht. Wohl zeigen die meisten ADHS-Betroffenen recht charakteristische kognitive Profile. Es existieren aber bis heute keine ausreichend bewährte und an grossen europäischen Stichproben überprüfte standardisierte Checklisten oder neuropsychologische Testreihen, welche es im klinischen Alltag erlauben würden, aufgrund eines oder mehrerer positiver Testbefunde mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit eine ADHS zu identifizieren und genügend sicher von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Das würde nämlich u.a. voraussetzen, dass bei einem unauffälligen Testbefund zuverlässig gilt, dass keine ADHS vorliegt. Ein Test in nur alltagstauglich, wenn auch der negative Voraussagewert hoch ist.

 

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Herr L., Kinderarzt aus Celle (D)
In einem der Texte auf ADD-Online schreiben Sie, dass zur Diagnose der ADHS keine Tests notwendig sind. Ist das richtig?

Antwort: Testpsychologische Untersuchungen können bei Verdacht auf ADHS dazu beitragen, dass ausgeschlossen werden kann, dass die Aufmerksamkeits- und Selbstkontrollstörungen eines Patienten auf anderen Ursachen beruhen. Ein Test, welcher eine  ADHS so zuverlässig wie ein Schwangerschaftstest feststellt, existiert noch nicht.
Auch bei Kindern können Gedächtnis- und Merkschwächen im Alltag zu Problemen führen, die denen einer ADHS sehr ähnlich sein können. Erst eine umfassende Untersuchung der Merk-, Lern- und Gedächtnisfunktionen erlaubt es, dass ausgeschlossen werden kann, dass beispielsweise eine (diskrete) Gedächtnisstörung Ursache des Problemverhaltens darstellt. Auch Kinder können an "echten" Merkschwächen leiden.

 

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Herr B. aus Schwäbisch Gmünd (D):  Bei meiner Tochter wurde ADS festgestellt. Ich habe seit meiner Kindheit sehr ähnliche Probleme wie Melanie. Ich bin vergesslich und ein "zerstreuter Professor". In der 3. oder 4. Klasse hat ein Arzt bei mit eine MCD (minimale cerebrale Dysfunktion) festgestellt. Heute würde man wohl ADHS sagen. Für meine Therapeutin ist es daher klar, dass auch ich ADHS habe. Testuntersuchungen, wie sie bei Melanie durchgeführt wurden, seien bei mir nicht erforderlich. Und ADHS würde sich sowieso auswachsen.
 


Antwort: Auch Erwachsene können an einer ADHS leiden. Etwa die Hälfte derjenigen, die als Kind unter diesem Syndrom litten und nicht behandelt wurden, haben als Erwachsene Beschwerden, welche auf die direkte Folge der ADHS-Grundprobleme (schwache Verhaltens- und Aufmerksamkeitskontrolle) zurückgehen.
Die Tatsache, dass in der Kindheit Beschwerden vorlagen, die man damals als MCD diagnostiziert hat, oder die man rückblickend als ADHS einstufen würde, heisst indes nicht automatisch, dass kognitive Beschwerden im Erwachsenenalter ebenfalls Folgen dieser Störung in der Kindheit darstellen. Erwachsene, die als Kind und Jugendliche an Aufmerksamkeits-, Lern- und Verhaltensstörungen litten, sind generell erhöht anfällig für die Entwicklung psychischer Störungen. Und Depressionen und andere psychische Störungen gehen regelmässig mit Störungen der Konzentrations- und der Merkfähigkeit einher.

Also: Selbst Aufmerksamkeitsstörungen bei Erwachsenen, die in der Kindheit nachweislich an einer ADHS litten, sind nicht in jedem Fall Zeichen einer ADHS. Erst, wenn in einer Untersuchung nachgewiesen wurde, dass die ADHS-typischen Beschwerden sich wie ein roter Faden und bis in die Gegenwart durch das ganze bisherige Leben ziehen und Beschwerden und psychisches Leiden verursach(t)en, kann eine ADHS in Betracht gezogen werden.


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Frau N. aus Regensdorf (CH):
Mein Sohn wird demnächst abgeklärt, weil sein Lehrer vermutet, er leide an einer ADHS. Unter anderem muss Dominik zu einem Neurologen, der die Hirnströme ausmessen wird. Ist das
wirklich nötig?

Antwort: Der Arzt von Dominik trifft diese Entscheidung aufgrund der ihm vorliegenden Krankengeschichte. Fragen Sie ihn, wieso er ein EEG für notwendig erachtet. Normalerweise ist ein EEG bei ADHS-Verdacht nicht erforderlich. Wenn, dann können mit dieser Untersuchung gegebenenfalls gewisse Epilepsieformen, welche u.a. Aufmerksamkeitsstörungen hervorrufen, erkannt werden. Diese Zusatzuntersuchung dient dann der sog. Differentialdiagnose. Auch wenn viele ADHS-Betroffene sehr charakteristische Hirnströme aufweisen, ist es bis heute nicht möglich, aufgrund eines EEG auf die Diagnose ADHS zu schliessen.

 

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Frau B. aus Aalen (D):
Der Schulpsychologe meiner Tochter, die die 5. Klasse besucht, teilte uns mit, dass ihre Probleme auf gar keinen Fall auf eine ADS zurückzuführen sei. Das Mädchen mache "den Knopf dann schon auf". Ihr Bruder hat ADHS und sie ist so verträumt, vergesslich und umständlich, dass ich wirklich denke, es könnte sich um eine ADS handeln. Was soll ich tun?

Antwort: Schulpsychologen sind häufig noch nicht dazu ausgebildet, eine "ADHS-Diagnostik" durchzuführen. Diese Untersuchungen, welche ein spezialisiertes Wissen und klinische Erfahrungen im Bereich der Kinderpsychopathologie und der Kinderneuropsychologie erfordern, bleiben vor allem klinischen Psychologen, Neuropsychologen, speziell ausgebildeten Pädiatern oder Kinderpsychiatern vorbehalten. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt an eine der o.g. Fachpersonen überweisen. Falls Ihr Verdacht nicht bestätigt werden kann, bitten Sie um einen schriftlichen Bericht, so dass Sie die Möglichkeit haben, den Begründungen des Untersuchers in Ruhe nachzugehen. Falls Sie nicht überzeugt sind, sollten Sie das Gespräch mit dem Diagnostiker suchen. Gegebenfalls steht es Ihnen frei, eine Zweitmeinung einzuholen. 

 

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Frau S. aus Stettbach (CH): Mein Sohn (9) wurde kürzlich von einem Kinderarzt abgeklärt, weil eine Kollegin mir sagte, dass Philipp sich verhalte, wie ihr POS-Bube. Der Arzt sagte, dass kein POS vorliegt. Philipp ist daheim und in der Schule aber so zappelig und unkonzentriert, dass ich schon annehmen muss, dass er ein POS hat. Was tun?

Antwort: Mit POS-Abklärungen, so wie sie in der Schweiz üblich sind, können viele, aber leider nicht alle Kinder mit ADHS richtig erkannt werden. Problematisch ist u.a., dass sich die Verhaltensbesonderheiten ja nicht unbedingt beim Arzt zeigen müssen. Problematisch ist auch, dass einige ADHS-Kinder keine neuromotorischen, sondern fast ausschliesslich kognitive Entwicklungsdefizite aufweisen. Reden Sie auf jeden Fall mit Ihrem Kinderarzt und schildern sie ihm noch einmal in aller Ruhe, was in der Schule und daheim "abgeht". Weitere Infos über das POS siehe hier.

 

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Frau A. aus Bad Kissingen (D): Ich vermute, ADHS zu haben. Im Internet habe ich verschiedene Checklisten und Fragebögen gesehen. Wenn ich alle Informationen über die ADS lese, bin ich fast zu 100% sicher, dass ich an diesem Syndrom leide. 

Antwort: Die Merkmale einer ADHS sind - so zutreffend sie für Sie auch sein mögen - alleine gesehen noch kein Beweis, dass eine ADHS vorliegt. Zerstreutheit, Vergesslichkeit, Ablenkbarkeit, Reizüberflutungen, Probleme bei der Selbstorganisation, Impulsivität, innere Unruhe usw. sind Symptome, die bei sehr vielen psychischen Erkrankungen auftreten können. Suchen Sie einen Psychologen oder einen Psychiater auf, der mit dem Störungsbild der ADHS gut vertraut ist. Selbst Ärzte und Psychologen diagnostizieren sich bei Verdacht auf eine Krankheit nicht selbst, sondern lassen sich von einem Kollegen oder einer Kollegin untersuchen.

 

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Herr Dr. med. V. (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) aus Goslar (D): Mir wurde empfohlen, bei Verdacht auf Vorliegen einer ADHS den WURS-Fragebogen von Paul Wender einzusetzen. Wo kann ich diesen Test beziehen? Wie zuverlässig ist er?

Antwort: Sie meinen offenbar die Wender Utha Rating Scale (WURS). Es handelt sich um einen auch in Europa verbreiteten auf amerikanischen Normen beruhenden anamnestischen Selbstbeurteilungsbogen. Bei 61 ADHS-relevanten Verhaltensmerkmalen wird gefragt, wie stark sich diese im Alter zwischen 6 und 10 gezeigt haben. In Validierungsuntersuchungen erwies sich die WURS als sensitiv. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit ADHS in der WURS einen positiven Befund ausweist, ist gross. Leider ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nicht-ADHS-Patient in der WURS dann auch einen negativen Befund erhält, viel zu klein. Eine vor drei Jahren veröffentlichte Studie zur diskriminativen Validität der WURS zeigte, dass mit diesem Testverfahren zu viele Patienten falsch ADHS-positiv klassifiziert werden. Dieser Fragebogen ist enthalten in folgendem Buch: "Attention-Deficit Hyperactivity Disorder in Adults" von Paul H. Wender (Direkt bei Amazon bestellen).

 

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Frau D., Psychotherapeutin aus Veachta (D): Ich habe in der letzten Zeit viele Anfragen Eltern, die ihre Kinder auf ADHS abklären wollen. Mir wurde der TOVA-Computertest oder die TAP empfohlen. Zu welchen computergestützten Konzentrationstests raten Sie mir?

 
Antwort: Zu keinem. Der TOVA-Test ist wie jeder andere Test nicht geeignet, eine ADHS-Diagnose zustellen. Es existiert nämlich gar kein Test, der zuverlässig ADHS-Betroffene von Nicht-ADHS-Betroffenen unterscheidet. Der TOVA-Test beruht ausserdem auf (veralteten) amerikanischen Normierungen, die wegen der fehlenden Vergleichbarkeit nicht 1:1 auf europäische Kinder übertragen werden können. Auch einen alleinigen Einsatz der TAP im Rahmen einer ADHS-Abklärung macht absolut keinen Sinn. Wieso?

Im Rahmen einer umfassenden neuropsychologischen Abklärung macht der Einsatz der TAP - im Gegensatz zum TOVA - sicher Sinn. Erwähnen möchte ich, dass Bezug und Durchführung von psychologischen Tests, also auch der TAP, qualifizierten Psychologen vorbehalten bleibt. Ohne Spezialwissen in Neuropsychologie und ohne Einbezug der Resultate der anderen Funktionsbereiche (siehe oben), ist es unmöglich, die Testresultate zu interpretieren. Ärzte und Psychologen überweisen ihre Patienten zur Testung normalerweise an Neuropsychologen.
 

 

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Frau D. aus Unterengstringen (CH):

Die Lehrerin meiner Tochter Rahel riet mir zu einer Abklärung. Rahel, welche die erste Klasse besucht, sei langsam, oft geistig abwesend und könne dem Unterricht in keiner Weise folgen. Der Schulpsychologe sagte mir letzte Woche, dass bei Rahel eine Minderintelligenz vorliege. Sie müsste die Kleinklasse oder sogar eine Sonderschule besuchen. Meine Schwester sagte mir, Rahel könnte doch wie ihr Sohn ein POS vom hyperaktiven Typus haben und ich solle dies doch abklären lassen. Beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst teilte man mir im Erstgespräch mit, ein POS könne bei einer so schwachen Intelligenz nicht vorliegen. Das sei nicht möglich. Wir sollten uns damit abfinden und dafür Sorge tragen, dass das Mädchen nicht überfordert und dadurch psychisch geschädigt werden könnte. Nach allem, was ich über POS gelesen habe, denke ich, es könnte doch POS sein. Dumm ist Rahel nämlich nicht. Selbst der Vater staune immer wieder, wenn Rahel zwischendurch so gescheite Kommentare abgebe.

Antwort: Ein stark unterdurchschnittlicher IQ ist in der Tat ein Befund, welcher ein POS bzw. eine ADHS ausschliesst. Nur muss immer daran gedacht werden, dass ein IQ-Test immer mit normal leistungsfähigen Kindern normiert wurde. Stark verträumte und unkonzentrierte Kinder (aber auch Kinder mit einem impulsiven Arbeitsstil) schneiden in IQ-Test immer schlechter ab, als sie es verdient hätten: Die Aufmerksamkeitsschwächen und das langsame Arbeitstempo beeinflussen die Testleistung und "verfälschen" das Testresultat. Oft zeugt das Ergebnis eines IQ-Tests daher mehr vom Ausmass der Aufmerksamkeitsstörungen, als vom wahren IQ. Bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten ist daher bei der Interpretation der Resultate eines IQ-Tests immer besondere Vorsicht angebracht. Aus unseren klinischen Erfahrungen wissen wir, dass dem schwachen Resultat eines IQ-Tests oftmals unhinterfragt "geglaubt" wird - mit oft fatalen Folgen für die Betroffenen.
 

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Herr B. aus Köln: Ich vermute, ADHS zu haben. Im Internet habe ich verschiedene Checklisten und Fragebögen gesehen. Wenn ich alle Informationen über die ADS lese, bin ich fast zu 100% sicher, dass ich an diesem Syndrom leide.
 

Antwort: Die Merkmale einer ADHS sind - so zutreffend sie für Sie auch sein mögen - alleine gesehen noch kein Beweis, dass eine ADHS vorliegt. Zerstreutheit, Vergesslichkeit, Ablenkbarkeit, Reizüberflutungen, Probleme bei der Selbstorganisation, Impulsivität, innere Unruhe usw. sind Symptome, die bei sehr vielen psychischen Erkrankungen auftreten können. Suchen Sie einen Psychologen oder einen Psychiater auf, der mit dem Störungsbild der ADHS gut vertraut ist. Selbst Ärzte und Psychologen diagnostizieren sich bei Verdacht auf eine Krankheit nicht selbst, sondern lassen sich von einem Kollegen oder einer Kollegin untersuchen.
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