Informationen zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Fragen & Antworten zur medikamentösen
Behandlung der ADHS

Dr. med. M. Winkler + Dipl.-Psych. P. Rossi

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.12.2008

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Fragen

Welche Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat gibt es für die Behandlung von ADHS?

Begünstigen Stimulanzien Herztodesfälle und Herzinfarkte?

Kann es sein, dass die Stimulanzien mit der Zeit an Wirkung verlieren?

Welches sind die Indikationen (Behandlungsanzeigen) für eine Stimulanzien-Behandlung mit Ritalin (Methylphenidat)?

Wie wirken Stimulanzien wie Ritalin?

Was konkret bewirken Stimulanzien bei ADHS?

Warum sollten Stimulanzien normalerweise auch an Wochenenden und während den Ferien eingenommen werden?

Wäre nicht ein Leben ohne oder mit möglichst wenig Medikamenten das Ziel?

Wie lange wirken Stimulanzien?

Was muss mein Arzt tun?

Welche Nebenwirkungen können Stimulanzien haben?

Was passiert, wenn man die Medikation sofort absetzt?

Wie unterscheiden sich Ritalin und Ritalin SR?

Wie lange muss man die Medikation einnehmen?

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Wirken Stimulanzien nach der Pubertät nicht mehr?

Warum ist Ritalin nur auf einem Betäubungsmittelrezept erhältlich?

Was mache ich, wenn ich die Medikation ständig vergesse?

Warum berichten die Medien ständig so negativ über Ritalin?

Wie genau sollte man eine Behandlung mit Ritalin beginnen?

Wie kann man den Behandlungserfolg überprüfen?

Was macht man, wenn Ritalin nicht wirkt?

Kann Ritalin auch in der Schwangerschaft/Stillzeit eingenommen werden?

Beeinträchtigt Ritalin die Fähigkeit, ein Fahrzeuge oder Maschinen zu benutzen?

Macht Ritalin süchtig?

Was ist ein Rebound?

Methylpräparate auch bei Kleinkindern?

 

Antworten:

Kann es sein, dass die Stimulanzien mit der Zeit an Wirkung verlieren?

Ja. Bei Langzeitpräparaten wie Ritalin LA oder Concerta kann es in einigen Fällen erforderlich sein, die Dosierung zu erhöhen. Das zeigen nicht nur klinische Erfahrungen, sondern konnte auch in Untersuchungen bestätigt werden. Gegebenenfalls ist die Umstellung auf ein weniger lang wirkendes Präparat erforderlich. Wichtig ist, dass bei Wiederaufflackern der ADHS-Syptome diese mögliche Ursache mitbedacht wird. 

 

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Welches sind die Indikationen (Behandlungsanzeigen) für Stimulanzien-Behandlung mit Ritalin (Methylphenidat)?

Stimulanzien finden in der Medizin bei verschiedenen Indikationen Verwendung. Am häufigsten werden sie zur Behandlung der ADHS (mit und ohne Hyperaktivität) bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Eine Therapie mit Stimulanzien ist aber nur Teil eines umfassenden Therapieprogramms, zu welchem auch noch andere (psychologische, erzieherische, soziale) Behandlungsmassnahmen gehören.

Zumindest in Deutschland (und dem restlichen Europa) ist die Behandlung von Erwachsenen mit Stimulanzien noch nicht allgemein etabliert und  auch bei Kindern und Jugendlichen teilweise noch mit Vorurteilen behaftet.

Kann die Diagnose einer ADHS im Rahmen einer Abklärung bestätigt werden, so ist gemäss allen den Verfassern bis jetzt bekannten wissenschaftlichen Publikationen eine Therapie mit Stimulanzien auch bei Erwachsenen Mittel der Wahl.

Auch werden für die Behandlung der Narkolepsie (plötzliche Schlafanfälle) seit sehr langer Zeit Stimulanzien eingesetzt. Früher - und neuerdings auch heute wieder -  wurden sie gelegentlich als Medikation bei Depressionen verwendet.

 

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Wie wirken Stimulanzien wie Ritalin?

Ritalin ist ein zentralnervöses Stimulans. Es enthält den Wirkstoff: Methylphenidat-HCl und ist in Europa erhältlich in Tabletten zu 10 mg und zu 20mg (Ritalin SR). Der Wirkungsmechanismus von Stimulanzien am Menschen ist noch nicht völlig aufgeklärt, doch es wird angenommen, dass Ritalin das Erregungssystem des Stammhirns und den Kortex aktiviert und dadurch stimulierend wirkt. 

ADHS wird - wie an anderer Stelle dargelegt -  wahrscheinlich von einer neurobiologischen Funktionsstörung verursacht. Man vermutet heute, dass es sich um eine "Fehlsteuerung" längs der Katecholamin-Serotonin-Achse handelt, welche sich in einem Schwinden der kortikalen Hemmung manifestiert. Diese Umstände vermögen möglicherweise zu erklären, wieso sich die Therapie mit Stimulanzien bei hyperaktiven und/oder aufmerksamkeitsgestörten Kindern und Erwachsenen mit ADHS in vielen Fällen als wirksam erweist: Stimulanzien wirken bekanntlich auf das Katecholamin- und das Serotoninsystem, erhöhen die Ausschüttung von Neurotransmittern (u.a. Dopamin) im Frontalhirn und aktivieren bzw. stimulieren das Zentralnervensystem. Sie stabilisieren so die cerebralen "Filter-Funktionen" (Inhibition) und optimieren dadurch die Regulations-, Reizselektions- und Aufmerksamkeitsmechanismen.

 

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Was konkret bewirken Stimulanzien bei ADHS?

Stimulanzien können (ggf. in Kombination mit anderen Medikamenten) die Aufmerksamkeitsspanne erhöhen,

Hierdurch wird auch die Fähigkeit, an Gesprächen teilzuhaben, deutlich optimiert. Bei Kindern verbessert sich häufig auch die Handschrift. Hausaufgaben bzw. häusliche Pflichten, wie auch die Arbeit an sich, werden häufig signifikant erleichtert. Aggression und unkontrollierte emotionale Reaktionen werden reduziert, Risikoverhalten wird abgemildert.

Immer wieder berichten ADHS-Patienten auch, dass sie dank der Ritalin-Therapie Schlafstörungen beheben konnten. Der verbesserte Reizschutz verhindert oder reduziert bei diesen Patienten in der "reizarmen" Einschlafzeit (Ruhe, Dunkelheit) ein Überflutetwerden von Erinnerungen und inneren Impulsen. Patienten vermögen sich dann besser "auf den Schlaf zu konzentrieren".

 

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Warum sollten Stimulanzien normalerweise auch an Wochenenden und während den Ferien eingenommen werden?

Damit auch Kinder mit einer ADHS die Chance haben, ein den Umständen entsprechendes Selbstbild aufbauen zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass diese Kinder positive Erfahrungen mit sich machen. Diese aufbauenden Erlebnisse sollen sie aufmerksam wahrnehmen, verarbeiten und im Langzeitgedächtnis abspeichern können. Sich an Positives erinnern zu können ist Seelennahrung, auch für ADHS-Kinder.

Im familiären Kontext werden zudem grundlegende soziale Kompetenzen erworben. Es ist völlig unlogisch, wenn man die Selbststeuerungsfähigkeiten und Aufmerksamkeitsfunktionen dieser Kinder in der Schulzeit medikamentös verbessert, ihnen in der Freizeit diese Stützen aber vorenthält. Es ist, als würde man einem Kind mit einer ausgeprägten Sehschwäche in der Freizeit die Brille vorenthalten.

Für die Persönlichkeitsentwicklung aller Kinder ist es evident, dass sie sich selbst möglichst kohärent erleben. Nur so sind sie in der Lage, ein mehr oder weniger einheitliches Selbstbild und eine stimmige Identität aufzubauen. Kinder, die nur in der Schulzeit medikamentös unterstützt werden, erleben sich einmal so und einmal anders. Dort haben sie Erfolge und im Familienleben "kracht" es.

Diese Problematik ist auch im Zusammenhang mit der kurzen Halbwertszeit vieler Stimulanzien zu berücksichtigen. Beispiel: Eine tägliche, einmalige und morgens verabreichte Gabe eines Ritalin SR bedeutet, dass ab Mittag die Konzentration des Wirkstoffes Methyphenidat so stark abnimmt, dass am Nachmittag die Selbstkontroll- und Aufmerksamkeitsfunktionen nicht mehr genügend unterstützt werden. Da die Zeit nach der Schule (Familienleben, Hausaufgaben, soziale Kontakte in der Freizeit usw.) für das Leben eines Kindes wesentlich sind, sollte vor allem bei Fortbestehen von Problemverhalten in der Freizeit immer darauf geachtet werden, dass auch in diesen Zeiten die Selbstkontroll- und Aufmerksamkeitsfunktionen ausreichend gut medikamentös unterstützt werden können.

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Verhaltensprobleme, welche trotz an sich erfolgreicher Therapie mit Stimulanzien fortbestehen, eben dadurch bedingt sind, dass in den Krisenzeiten keine oder keine ausreichend starke Wirkung der Medikamente vorhanden ist.

Wenn Sie vermuten, dass die Art und Höhe der Dosierung der Stimulanzien optimiert werden könnte, sollten Sie mit der zuständigen ärztlichen Fachperson Kontakt aufnehmen. In Eigenregie dürfen Art und Höhe der Dosierung nicht verändert werden.

 

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Wäre nicht ein Leben ohne oder mit möglichst wenig Medikamenten das Ziel?

Viele Menschen sind der Überzeugung, dass sie - wenn überhaupt - nur eine sehr kleine Dosierung einer Medikation einnehmen sollten, da sie Nebenwirkungen oder eine Manipulation durch das Medikament befürchten. Diese Einstellung führt jedoch leider häufig dazu, dass die Medikation letztlich ineffektiv ist. Man würde aber ja auch nicht zum Optiker gehen und dort nach "einem bisschen Brille" verlangen, sondern sicher eine Brille mit einer möglichst optimalen Sichtverbesserung!

Bei der ADHS ist eine sehr individuelle Entscheidung für eine Medikation und auch eine optimale Auswahl des Präparates und der Dosierung erforderlich, um den höchstmöglichen Effekt in Bezug auf die Lebensqualität zu erreichen. Die "Wirkungen" bzw. unerwünschten Begleiterscheinungen des unbehandelten ADHS sind sicherlich um ein Vielfaches gravierender als mögliche Nebenwirkungen der Medikation.

 

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Wie lange wirken Stimulanzien?

Ritalin, als meist verwendetes Psychostimulans, wirkt im Durchschnitt 3 Stunden. Die mittlere Halbwertszeit beträgt 2 Stunden. Einige Patienten berichten von einer Wirkungsdauer bis zu 6 Stunden. Bei der Retardversion von Ritalin (Ritalin SR), beträgt die Wirkdauer 4-5, bei dem neuen Ritalin LA ca. 8 Stunden.  

Es gibt offensichtlich keine strenge Abhängigkeit von Alter oder Körpergewicht. Bei Erwachsenen kann die notwendige Dosierung sogar geringer als bei Kindern sein, da etwas andere Stoffwechselvorgänge beteiligt sind. Die Dosierung muss individuell eingestellt werden. Häufig können bereits mit 2 1/2 bis 5mg Ritalin 2 mal täglich beeindruckende Verbesserungen erzielt werden. Andere Patienten hingegen benötigen 4-5 mal täglich eine Ritalin-Dosis von 10mg.
Bei anderen Patienten wiederum kann erst bei einer Dosierung von 15mg bis 20mg und teilweise auch bis 50mg 2-3 mal täglich eine Effektivität bestehen. Nicht selten ist auch eine Kombination mit anderen Medikamenten erforderlich.

 

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Was muss mein Arzt tun?

Bis zur Einstellung einer richtigen Medikation und Dosierung sollte ein regelmässiger Austausch (anfangs alle zwei Tage und am besten persönlich, per Telefon oder über E-Mail) erfolgen. Regelmässig sollten Gewicht, Blutdruck und Puls kontrolliert werden. Allenfalls ist auch ein Routinelabor angezeigt. Vor Beginn der Behandlung sollten andere Erkrankungen - insbesondere der Schilddrüse und Erkrankungen des Herzens - ausgeschlossen bzw. therapiert werden.

Es braucht von Seiten der Patienten wie auch des Arztes gelegentlich viel Geduld, um das richtige Medikament und die individuell passende Dosierung zu ermitteln. 

Ferner überweist ein kompetenter Arzt einen ADHS-Patienten zu einem mit der Behandlung dieses Störungsbildes erfahrenen Psychotherapeuten.

 

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Welche Nebenwirkungen können Stimulanzien haben?

In den USA gelten zwischenzeitlich Stimulanzien als die sichersten Medikamente überhaupt, welche von Psychiatern verschrieben werden. Nebenwirkungen, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen würden, oder aber nicht nach Absetzen der Medikation sofort verschwinden, treten nicht auf.

Jedes Medikament kann aber Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten -  von den Verfassern aber nie beobachtete - gehören allergische Reaktionen, wie z.B. ein Hautausschlag. Jede negative Veränderung des Allgemeinbefindens nach Beginn der Medikation sollte zu einer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt bzw. des verantwortlichen Psychologen führen.

Erwachsene Patienten/-innen mit ADHS und Angststörungen neigen dazu, Symptome von Überdosierungen (z.B.: leichter Schwindel, "Kopfdruck", erhöhte Vigilanz) fälschlicherweise als Angstsymptome zu interpretieren. Ähnlich ist dies bei der Unterzuckerung, deren Symptome von Angstpatienten/-innen ebenfalls oft falsch interpretiert werden. Dies kann dann wiederum Panikattacken auslösen. Aus diesen Gründen soll Ritalin bei Angstpatienten initial nur in kleinen Dosen (initial 3x1mg/d bis 2x2.5mg/d) verabreicht werden.    

Die im folgenden beschriebenen Symptome gehen oft nach einer Behandlung von 2-3 Wochen von selbst wieder weg oder reagieren positiv auf eine Dosisreduktion.

Seltene (und von den Verfassern bisher nie beobachtete) Nebenwirkungen:


Nebenwirkungen sollte man dokumentieren und in Abhängigkeit von der Zeit des Auftretens bzw. der Frequenz in Verbindung mit der Medikation bringen können. Bei allen ungewohnten Effekten sollte der Arzt konsultiert werden. 

Weitere Informationen über Ritalin sind - wie bei allen Medikamenten - dem Beipackzettel zu entnehmen.

 

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Was passiert, wenn man die Medikation sofort absetzt?

Dies verursacht nicht direkt schwere medizinische Probleme, dennoch sollte man dies selber so nicht ausprobieren. Einige Patienten berichten über eine verstärkte Irritabiliät, Gereiztheit, depressive Verstimmung oder verstärkte Hyperaktivität für einige Tage, wenn sie zuvor längere Zeit regelmässig an Ritalin gewöhnt waren (das ist keine Abhängigkeit!). Daher sollte man die Medikation eher schrittweise reduzieren (innerhalb einer Woche).

 

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Wie lange muss man die Medikation einnehmen?

Es gibt keinen Richtwert dafür, wann man auf die Medikation mit Stimulanzien wieder verzichten sollte. Der Patient, sein Arzt, der Psychologe, die  Eltern oder Angehörigen sollten dabei eng zusammenarbeiten und herausfinden, was richtig für den Betroffenen ist.

Medikation mit Stimulanzien gilt heute als ein ganz wesentlicher Bestandteil der Therapie. Solange keine besseren Alternativen existieren, sollte man sich nicht scheuen, selber die positiven Effekte der Medikation kennen zu lernen und zu bewerten. Die meisten Betroffenen wollen dann nicht wieder auf diese hilfreiche Medikation verzichten und nehmen Ritalin mit guten Erfolgen über mehrere Jahre.

Oftmals bringen die durch die Ritalin-Therapie ermöglichten Erfolgserlebnisse selbst einen derart bedeutsamen stimulierenden Effekt mit sich, dass sich nach einer gewissen Zeit die Therapie mit Stimulanzien erübrigt. Man beachte, dass die Mehrzahl der ADHS-Betroffenen überdurchschnittlich intelligent sowie oftmals sehr kreativ sind. Unseren Erfahrungen gemäss kann eine begleitende Psychotherapie den ADHS-Betroffenen helfen, diese Ressourcen für die eigene Entwicklung wieder nutzbar zu machen.

Ohne die Behandlung mit Stimulanzien kann ADHS eine wirklich schwere und oftmals therapieresistente psychische Erkrankung darstellen. Leider resultieren aus einer unterlassenen oder unzureichenden Behandlung später dann ganz gravierende sekundäre Probleme, wie z.B. die Entwicklung von Verhaltensstörungen, Suchterkrankungen, Essstörungen, Depressionen oder Angststörungen.

Hinweis: Die Angaben über die Sicherheit und die Wirksamkeit einer Langzeitbehandlung mit Ritalin sind nicht vollständig. Deshalb sollten alle Patienten, die längere Zeit behandelt werden müssen, ärztlich sorgfältig überwacht werden. Es wird empfohlen, bei längerer Behandlungsdauer von Zeit zu Zeit das vollständige Blutbild, Differentialblutbild und die Thrombozytenzahl zu bestimmen.

 

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Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Jeder Patient - insbesondere mit ADHS - reagiert sehr individuell auf Medikamente. Daher sollten die Ärzte und der Patient über alle eingenommenen Medikamente gut informiert sein (z.B. auch über Mittel vom Gynäkologen oder Heilpraktiker!)

Bei der Kombination mit tricyclischen Antidepressiva treten sehr selten eine verstärkte Unruhe, Verwirrung oder Emotionsausbrüche auf. Andererseits ist sehr häufig gerade die Kombination von Ritalin mit diesen Antidepressiva sehr effektiv und es treten überhaupt keine Probleme auf. Dies gilt auch für sogenannte MAO-Inhibitoren (irreversible). Das in Deutschland erhältliche Aurorix verursacht aber diese Probleme offenbar nicht. Dennoch sollte man vorsichtig in der Kombination dieser Medikation sein, da sonst Blutdruckkrisen auftreten könnten.
Einige Patienten mit ADHS werden unruhiger bzw. hyperaktiv bei einer Kombination mit Antihistaminika. Hier sollte man bei allergischen Symptomen lieber Mittel wählen, die nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren können.
Nasentropfen, die Noradrenalin enthalten, sollten besser nicht verwendet werden.

 

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Wirken Stimulanzien nach der Pubertät nicht mehr?

Es hält sich das Gerücht, dass Ritalin nur bis zur Pubertät eingesetzt werden sollte. Es verliert aber keineswegs nach der Pubertät an Effektivität. Allerdings kann - insbesondere bei Mädchen - eine veränderte hormonelle Situation eine Dosisanpassung (Erhöhung oder aber auch Absenken der Medikation) erforderlich machen.

 

Warum ist Ritalin nur auf einem Betäubungsmittelrezept erhältlich?

Ritalin und andere Medikamente fallen unter die Regelungen für Betäubungsmittelrezepte, weil einige Menschen Missbrauch damit betrieben haben. Dies gilt besonders für eine intravenöse oder aber sehr hohe Dosierung von Ritalin bzw. Amphetaminen. Bei ADHS-Patienten, die eine vielfach niedrigere Dosis brauchen, werden keine Suchtentwicklungen beschrieben, zumal der Hirnstoffwechsel anders ist. Hierzu gibt es eine sehr umfangreiche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen. Nach heutigem Wissen stellt bei sachgerechter Rezeption die Einnahme von Ritalin keinerlei Gefahr dar.

Durch eine frühzeitige und sachgerechte Medikation mit Ritalin kann bei jugendlichen ADHS-Patienten die Gefahr einer Entwicklung einer späteren Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen sogar reduziert werden. Die Einnahme von Ritalin selbst verursacht also keine Förderung einer späteren Abhängigkeitsentwicklung, sondern verhindert sie wahrscheinlich eher.

 

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Was mache ich, wenn ich die Medikation ständig vergesse?

Ständig daran zu denken, dreimal täglich Medikamente einzunehmen, ist auch ohne ADHS schwierig. Da Zerstreutheit, Schusseligkeit und "Vergesslichkeit" zu den typischen ADHS-Symptomen gehören, sollte man sich nicht auch noch selber Vorwürfe für eine vergessene Tablette machen. Eine Uhr mit Mehrfachsignalfunktion kann aber eine ganz gute Hilfestellung zur Erinnerung bieten.

Hinweis: Das Vergessen der Medikamenteneinnahme kann ein Hinweis darauf sein, dass eine Unterdosierung vorliegt. Ritalin wird - wie auch bei anderen Psychopharmaka - oftmals unterdosiert.

 

 

Warum berichten die Medien ständig so negativ über Ritalin?

Informationen über Medikamente sollte man über seinen Arzt bzw. seine Ärztin und besser nicht über die Tagespresse einholen. Auch via Internet ist es heute möglich, bei medizinischen Datenbanken Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Studien zu Medikamenten anzeigen zu lassen. Ergänzend kann versucht werden, sich in  Selbsthilfegruppen persönliche Erfahrungsberichte einholen. Hier wird man bezüglich der Behandlung mit Ritalin überwiegend auf positive Erfahrungsberichte stossen. Bei den in den USA lancierten juristischen Klagen gegen die  Pharmafirma, welche Ritalin herstellt, bleibt abzuwarten, ob die Kläger Belege und Beweise für Ihre Vorwürfe vorbringen können. 

 

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Wie sollte man eine Behandlung mit Ritalin beginnen?

  1. Die Patienten werden vom Arzt ausführlich über die erwünschten und unerwünschten Effekte aufgeklärt.
  2. In Abhängigkeit von den Ausgangsproblemen werden konkrete Behandlungsziele formuliert. 
  3. Dann müssen allfällig vorhandene Vorbehalte beim Patienten und seinen Angehörigen ausgeräumt werden, da sonst eine regelmässige Medikamenteneinnahme unwahrscheinlich erscheint und negative Placeboeffekte auftreten können.
  4. Um bestimmen zu können, ob ein Patient auf Ritalin (oder ein anderes Stimulans) respondiert und falls ja, wie lange die Wirkungsdauer ist, wird initial - also in der Einstellungsphase - nur zum Frühstück Ritalin verabreicht. 
  5. Bis zum Eintreten einer positiven (oder negativen) Wirkung wird die Dosierung schrittweise alle 2 bis 3 Tage um 5mg bis 10mg erhöht. Beginn mit 2.5mg bis 5mg. 
  6. Sollte ca. bei 50mg Ritalin keine (oder nur eine unerwünschte) Wirkung erzielt werden, wird ein anderes Stimulans, vorzugsweise Dexamin oder Ritalin SR (aufdosieren bis 60mg pro Einnahme), nach dem oben beschriebenen Verfahren eingesetzt. 
  7. Wenn eine erwünschte Wirkung eintritt, kann schliesslich beurteilt werden, wie lange diese anhält (1.5h bis ca. 3.5h). Es können dann in Abhängigkeit von der Wirkdauer zwei, drei oder mehr Dosen pro Tag verabreicht werden. 
  8. Um die gelegentlich beobachteten Einschlafstörungen zu vermeiden wird die Nachmittagsdosierung etwas niedriger gewählt oder es wird auf die Gabe von Ritalin SR verzichtet. Persistierende Einschlafstörungen können aber auch darauf hinweisen, dass auch gegen Abend Stimulanzien verabreicht werden sollten. 

Ritalin nimmt man besser nicht mit Zitrussäften (z.B. Orangensaft) ein, da die Resorption vermindert sein kann. Auch der Kaffeekonsum sollte reduziert werden, weil es bei der Kombination von Ritalin und Coffein zu einer Überstimulierung des Gehirns kommen kann, was klinisch dann wieder genauso wie das unbehandelte ADHS wirken kann. Ausserdem wird das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen deutlich erhöht.

Ritalin kann regelmässig (Normalfall) oder punktuell in speziellen Situationen eingenommen werden. Im Gegensatz zu vielen Antidepressiva ist es nicht zwingend erforderlich, Ritalin unbedingt regelmässig und zu fest vorgeschriebenen Zeiten einzunehmen.

Ritalin SR (mit verzögerter Wirkstofffreigabe und einer längeren Wirkdauer) sollte möglichst nur nach einer Mahlzeit mit hohem Fettgehalt eingenommen werden, wenn die systemische Verfügbarkeit voll ausgeschöpft werden soll. Also: Frühstück mit Müesli und Milch und/oder Brot mit Butter und anschliessend Einnahme des Ritalin SR. 

 

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Wie kann man den Behandlungserfolg überprüfen?

Die meisten Patienten merken - sofern die richtige Dosierung erreicht ist - sehr bald, ob Ritalin "wirkt" oder nicht. Sie fühlen sich ausgeglichener, können besser zuhören, sind weniger ablenkbar und können auch in monotonen Situationen "bei der Sache" bleiben. Allerdings merken einige ADHS-Betroffene (vor allem Kinder!) selber nicht unbedingt die positiven Veränderungen der Medikation sofort, diese fallen dafür besonders ihrem Umfeld auf! Daher sollte für die Wirkungsbeurteilung sowohl die Einschätzung des Patienten, wie auch Fremdbeurteilungen eingeholt werden.

Hierzu sollte bei den folgenden Bereichen jeweils überprüft werden, ob sich eine Verbesserung, Verschlechterung oder ein gleichbleibender Effekt unter der Medikation zeigt.

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Was macht man, wenn Ritalin nicht wirkt?

Bei bis zu 20 % der Patienten soll Ritalin nicht wirken. In diesen Fällen kann man entweder auf andere Stimulanzien (z.B. Dexamin, Ritalin SR) ausweichen oder aber tricyclische Antidepressiva (z.B. Tofranil) einsetzen. 

Achtung: Häufig werden Stimulanzien unterdosiert, so dass fälschlicherweise angenommen wird, das Medikament wirke nicht. Einzelne Patienten benötigen hohe Tagesdosen.

Natürlich sollte man bei sog. Nonrespondern auch noch einmal die Diagnose überprüfen, auch wenn ein Ansprechen oder Nichtansprechen kein diagnostischer "Beweis" darstellt.

Häufig ist auch erst eine Kombination mit anderen Medikamenten wirklich effektiv. Hierzu gehören zur Behandlung depressiver Symptome sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Fevarin, Fluctin, Cipramil, Zoloft u.a.). 

Bei Frauen sollte ein ausreichender bis hoher Östrogenspiegel vorhanden sein bzw. durch die "Pille" erzeugt werden. 

Auch Medikamente wie Carbamazepin bzw. Valproinsäure, die man sonst als Antiepileptika einsetzt, können dann erfolgreich allein oder in Kombination eingesetzt werden.

 

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Beeinträchtigt Ritalin die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu lenken oder Maschinen zu benutzen?

Nein. Voraussetzung: Das Medikament wird nach klarer Indikationsstellung sowie in einer korrekter Dosierung eingenommen. Im Gegenteil: Die Konzentrationsfähigkeit wird bei ADHS-Patienten unter Ritalin verbessert. Gerade Menschen mit ADHS weisen anamnestisch eine erhöhte Unfallneigung auf, die sich unter der Therapie mit Stimulanzien oft merklich reduziert.

Anders ist es mit der rechtlichen Situation bestellt: Lesen Sie hierzu die Ausführungen von RA Reinhard Wissing (Ritalin im Strassenverkehr).

 

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Kann Ritalin auch in der Schwangerschaft/Stillzeit eingenommen werden?

Nein. Generell sollte während der ersten drei Monate einer Schwangerschaft auf die Einnahme von Medikamenten verzichtet werden. Während der ganzen Zeit einer Schwangerschaft sollten Nutzen und Risiken einer medikamentösen Behandlung sorgfältig in Betracht gezogen werden.
Es liegen keine Erfahrungen vor, die es erlauben würden, die Sicherheit von Ritalin während der Schwangerschaft beim Menschen zu beurteilen. Auch aus Tierexperimenten gibt es keine Beweise dafür, dass Ritalin frei von teratogenem Potential oder anderen unerwünschten Effekten auf den Embryo und/oder Fötus ist, die für die Beurteilung der Sicherheit von Stimulanzien relevant sind.

Wenn es nach Auffassung des Arztes eine sicherere Alternative gibt, sollte während der Schwangerschaft auf die Anwendung von Ritalin verzichtet werden (Schwangerschaftskategorie C).

Es ist nicht bekannt, ob Methylphenidat und/oder seine Metaboliten in die Muttermilch übertreten. Aus Sicherheitsgründen sollten Mütter, die Ritalin einnehmen, davon absehen, ihre Kinder zu stillen.

 

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Macht Ritalin süchtig?

Nein. Bis heute liegen keine Hinweise vor, welche darauf schliessen lassen, dass Ritalin süchtig macht. Zwar nehmen vereinzelt auch Drogensüchtige Ritalin (in grossen Mengen) zu sich, aber eine Ritalin-Abhängigkeit ist daraus nicht herzuleiten. Wenn dem so wäre, hätte sich diese Substanz auf dem Drogenmarkt längst etabliert. Dies ist aber, ganz im Gegensatz zu vielen Benzodiazepinen wie Rohypnol, Dormicum u.a.) nie geschehen. 

Biedermann, einer der führenden ADHS-Forscher aus Boston, hat in einer prospektiven Studie zeigen können, dass mit Stimulanzien behandelte ADHS-Jugendliche ein um 85% weniger hohes Risiko für Drogenmissbrauch zeigen als solche, die nicht behandelt werden (Biedermann J. et al.: Pharmakothearpy of ADHD Reduces Risk for Substance Use Disorder, Pediatrics Vol 104,2, e20ff, 1999).

Ein gelegentlich beobachtetes Nachlassen der Wirkung darf nicht als Toleranzentwicklung missverstanden werden. Die verbesserte Reizselektion und die optimierte Wahrnehmung ermutigt die Betroffenen, ihren Handlungsspielraum zu erweitern und in (psychisches oder reales) "Neuland" einzutreten. Die höheren Anforderungen können dann allenfalls eine Dosissteigerung erforderlich machen.

Gerade in den USA, dem Land, in welchem das Medikament Ritalin bei Kindern sehr häufig eingesetzt wird, würde man sich hüten, den Kindern chemische Mittel zu verabreichen, die süchtig machen können.

 

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Wie unterscheiden sich Ritalin und Ritalin SR?

Ritalin SR hat gegenüber dem traditionellen Ritalin eine verlangsamte Resorption (SR= Sustained Release - also eine verzögerte Wirkstofffreigabe). Während die Wirkdauer von Ritalin etwa drei Stunden beträgt, erhöht sie sich bei Ritalin SR auf 5 Stunden. Es wird empfohlen, Ritalin SR möglichst nach einer fetthaltigen Mahlzeit einzunehmen. Dadurch wird die maximale Plasmakonzentration + die Wirkdauer deutlich erhöht (ca. +1h!).

Eingesetzt wird Ritalin SR in erster Linie dann, wenn Ritalin nicht oder viel zu kurz wirkt und/oder wenn der Rebound-Effekt zu stark ist. In einigen Fällen wird zusätzlich zum Ritalin SR auch Ritalin eingenommen.


 

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Was versteht man unter einem Rebound?

Was versteht man unter einem „Rebound“ bei der Therapie mit Psychostimulantien? 

Problem: Unser Sohn Mark erhält seit einer Woche einmal täglich 10 mg Methylphenidat. Wir haben zunächst mit einer halben Tablette (5 mg) angefangen und jetzt die Dosis erhöht. Gegen Mittag ist aber sein Hyperaktivitätssyndrom schlimmer als vorher! Er ist einfach nicht zu ertragen und sagt auch selber, dass er sich so unruhig fühlt. Er will deshalb die Medikation nicht weiter nehmen. Was sollen wir nur tun?

Antwort
Die Wirkdauer der bisher üblichen Stimulantien haben den Nachteil, dass sie nur relativ kurz (d.h. ungefähr 3 bis vielleicht 5 Stunden) anhalten.

Zwar gibt es durchaus auch viele ADHS-Kinder, die bereits mit einer einmal täglichen Medikation gut therapiert sind, häufiger treten jedoch auch Probleme auf: Viele Patienten spüren das Nachlassen der Wirkung sehr abrupt und sehr unangenehm. Sie schildern das dann so, als ob ein Schalter umgestellt wird (On-Off-Phänomen). Zusätzlich sind jetzt natürlich auch wieder alle Symptome des ursprünglichen ADHS-Syndroms spürbar. Dieses „Zurückschlagen“ der alten Symptomatik bei nachlassender Medikamentenwirkung wird als „Rebound“ bezeichnet.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten dies zu verhindern:
 

Zunächst kann man natürlich versuchen durch eine 2 bis 3 mal tägliche Gabe einen möglichst gleichmässigen Wirkstoffspiegel zu erzielen und damit zumindest die Schwankungen abzumildern. Dabei muss man die für jedes Kind (bzw. Erwachsenen Patienten) notwendige Einzeldosis und die individuelle Wirkdauer bestimmen und danach die Einnahme abstimmen.

Einige Eltern berichten auch, dass mit dem Wechsel auf ein Amphetaminpräparat (z.B. Amphetaminsaft) diese Probleme deutlich geringer wären.

Eine neuere Möglichkeit ein Rebound-Phänomen zu verhindern besteht im Einsatz von länger wirkenden Medikamenten mit dem gleichen Wirkstoff (z.B. Ritalin SR, Ritalin LA, Concerta XL, Metadate). Diese Medikamente haben eine längere Wirkung von 6-12 Stunden, so dass im Idealfall nur einmal täglich eine Medikamenteneinnahme erforderlich wird.

 

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Methylphenidat auch bei Kleinkindern?

Frage
Gibt es Untersuchungen zum Einsatz von Psychostimulanzien wie Methylphenidat bei Kleinkindern unter 6 Jahren?

Antwort
Bisher wird der Einsatz von Stimulanzien (Ritalin und andere Metyhlphenidatpräparaten) bei Kleinkindern zwischen 3 und 5 Jahren sehr kritisch gesehen. Es fehlten einfach verlässliche Untersuchungen, die den Nutzen und die Risiken im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (multimodale Therapie) bei Kindern mit ADHS / HKS im Kindergartenalter bzw. Vorschule untersuchten.

Eine erste Langzeituntersuchung (PATS = The Preschool ADHD Treatment Study) untersuchte nun in einem sehr sorgfältigen Studiendesign über 70 Wochen an 7 Kliniken diese Fragestellung.

Dabei zeigte sich, dass Vorschüler durchaus von der medikamentösen Behandlung profitierten, jedoch eine besondere Empfindlichkeit für die Pharmakotherapie besteht, so dass etwas niedrigere Dosierungen zum Erreichen eines guten Behandlungserfolges ausreichten. Verglichen mit älteren Kindern sollte man aber bedenken, dass sich auch die möglichen Nebenwirkungen etwas stärker zeigen könnten.

Für die Untersuchung wurden 303 Vorschüler im Alter von 3 bis 5 Jahren eingeschlossen. Alle Kinder und ihre Eltern nahmen zuvor an einer 10-wöchigen Verhaltenstherapie und Trainingskursen teil. Nur Kinder mit einer ausgeprägten ADHS-Problematik, die nach der Verhaltenstherapie keine guten Erfolge hatten und deren Eltern natürlich in die Medikation einwilligten, wurden dann in die eigentliche Studie aufgenommen.

Im ersten Teil der Medikationsstudie erhielten die Kinder eine sehr niedrige Dosis von 3,75 mg am Tag, die dreimal täglich gegeben wurden und dann bis auf eine Tagesgesamtmenge von bis zu 22,5 mg gesteigert wurden. Dies muss man mit der durchschnittlichen Tagesdosierung bei Schulkindern in Beziehung setzen, die 15 bis 50 mg Metyhlphenidat am Tag erhalten.

Die Studie verglich dann die Effektivität von Methylphenidat mit einem Placebo. Sie konnten einen signifikanten Unterschied nachweisen, der ebenfalls dosisabhängig war. Dabei ergaben sich (wie zu erwarten ist) erhebliche individuelle Unterschiede in der notwendigen Dosierung. Im Durchschnitt wurden nur 14 mg am Tag als beste Dosierung gefunden. Dies galt zumindest für die jungen Patienten, die dann in den folgenden Jahren die für Schulkinder übliche Dosierung benötigten.

In den Studien wurde die Gesundheit und mögliche Nebenwirkungen sehr gründlich untersucht. So zeigte sich zunächst eine scheinbare Verminderung des Wachstums der Kinder (etwa einen halben inch weniger als bei einer Vergleichsgruppe unbehandelter Kinder). Bisher gehen Experten jedoch auch davon aus, dass es sich dabei um einen Entwicklungsrückstand von ADHS-Kindern handeln könnte, der später rasch aufgeholt wird.

89 Prozent der Kinder vertrugen die Medikation gut. Allerdings musste bei 11% die Behandlung beendet werden, da Nebenwirkungen wie Appetitminderung und Gewichtsabnahme um mehr als 10 Prozent auftraten. Seltener waren Schlafstörungen, Stimmungsprobleme oder innere Unruhe oder Hautpulen als Grund für die Beendigung der Behandlung.

Quelle : http://web4health.info/de/answers/adhd-toddler-mph.htm

 

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