Chaos: Simones Zimmer gleicht einem Schlachtfeld!

Simone (16) ist trotz ADHS und unberechenbaren Launen in der Schule gut. Ihr Zimmer hingegen sieht schon zehn Minuten nach dem Aufräumen aus, wie ein Schlachtfeld. Chaos pur. Im Badezimmer lässt sie sogar die gebrauchten Binden umherliegen. Was können wir bloss tun?

 

Chaos

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene mit ADHS haben bekanntlich Schwierigkeiten mit der Selbstorganisation. Sie sind schlechte Planer (Ausnahme, sie sind von einem Vorhaben total fasziniert). Ihr Wahrnehmungsstil ist gekennzeichnet von (zu) grosser Reizoffenheit: Im Grunde genommen sehen sie viel zu viel auf einmal.

Das Chaos auf dem Schreibtisch (und oft auch unter dem Bett) entspricht der Optik und der ‚breiten‘ Wahrnehmung bei der ADHS: Da Kinder (und Erwachsene) mit einer ADHS meistens viele Gedanken gleichzeitig im Kopf herumtragen, sind sie zerstreut und ablenkbar.

Leider sind die Gedanken dieser Kinder auch im Badezimmer hyperaktiv. Mental sind sie mit dem Kopf meist ganz woanders. Durch die starke Stimulusgebundenheit ist dann einer dieser vielen neuen (und interessanten) Gedanken handlungsleitend:

Merke: ‚Kleinigkeiten‘, wie etwa gebrauchtes Geschirr, getragene Wäsche, leere Joghurtbecher und Cola-Dosen usw., werden schlichtweg vergessen und werden – im eigentlichen Sinn des Wortes – nicht mehr gesehen.

Unordnung – etwa auf dem Schreibtisch – ist aber auch ein Versuch, alles im Blick behalten zu können. Aufgeräumt und in Schubladen und Schränken verstaut, heisst oft, dass Kinder (und Erwachsene) mit ADHS ihre Sachen nicht mehr finden (ganz nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn“). Aufräumen muss also heissen, eine sichtbare bzw. einsehbare Ordnung zu erstellen, welchen es den Kindern ermöglicht, Ordnung und gleichzeitig Überblick zu behalten. Geschlossene Bücherregale oder Schränke sind also ungeeignet. Die verstaute Ware muss jederzeit gesehen werden können.



Die meisten Kinder mit ADHS können keine Ordnung halten (wobei einige wenige dieser Kinder zwanghaft ordentlich sein können). Das liegt aber nicht an ihrem „Chaotencharakter“, sondern ist Teil der neurobiologischen Störung, unter welcher sie leiden. Auch Erwachsene mit einer ADHS fühlen sich in Sachen Aufräumen oftmals komplett überfordert. Vielmals verlieren sie sich regelrecht beim Aufräumen. Es macht also keinen Sinn, diesen Kindern ihre Unordnung vorzuhalten oder sie gar für ihre Schlampigkeit zu bestrafen. Vielmehr brauchen ADHS-Betroffene Organisationshilfen:

  • Klares Regelwerk (wer räumt was wann und wo auf). So muss es unter anderem unmissverständlich klar sein, wer an welchen Wochentagen was aufzuräumen hat. Ferner muss – beispielsweise auf einer Checkliste – in Stichworten und/oder noch besser mit Fotos vermerkt sein, wie der Standard (was genau und wie muss es gemacht werden) beschaffen ist.
  • Praktische Hilfestellungen, indem die Kinder dazu angehalten werden, in lauten Selbstgesprächen (Selbstverbalisierungen) ihr Handeln und ihre Pläne zu verbalisieren (z.B. „Zuerst trage ich die Wäsche in den Keller und anschliessend bringe ich Vaters CDs zurück.“).
  • Konsequentes (und nicht nur gelegentliches) Einfordern dieser Abmachungen.
  • Kontrolle der Durchführung und unbedingtes und deutliches Lob, falls beispielsweise die täglichen zehn Aufräumminuten durchgehalten werden. Und auch, wenn es nur sieben Minuten sind.
  • Eltern müssen akzeptieren, dass diese Schwierigkeiten einen Teil der neurobiologischen Störung namens ADHS darstellen. Es macht überhaupt keinen Sinn, gegen die Schlampigkeit pauschal anzukämpfen zu wollen. Es gilt, diese Defizite zu akzeptieren und gemeinsam einen Weg zu finden, wie diese betroffenen Kinder es ansatzweise lernen können, sich selbst besser zu organisieren. In diesem Sinne macht es auch keinen Sinn, von diesen Kindern eine grosse Ordnung zu erwarten. Sie sind dazu oft einfach nicht in der Lage. Dafür zeigen diese Kinder viele andere Stärken. Und diese gilt es zu fördern.

Merke: Die wirksamste Massnahme heisst Belohnen: Jedes Mal, wenn das Kind sein Zimmer etwas besser aufräumt oder etwas aufgeräumter hinterlässt, soll dies von den Eltern positiv quittiert werden. Entscheidend ist es dabei, dass dem Kind ganz konkret gesagt wird, was genau es besser gemacht hat als letztes Mal.

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Danke für diese Infos!

 

 

Diese Seite wurde am 30.03.2017 letztmals aktualisiert.
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