Hervorgehobener Beitrag

Auch ich hätte da eine Frage zum Thema ADHS!

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Manipulierte Studien über Ritalin und andere ADHS Medikamente?

Könnten auch Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen von Ritalin manipuliert worden sein?

Antwort: Ich weiss es nicht. Ganz ausschliessen will ich es nicht. Man muss sich bei dieser nicht ganz unberechtigten Frage immer Folgendes vor Augen halten: Das Medikament Ritalin ist seit über 60 Jahren weltweit auf dem Markt. Es ist sehr verbreitet und zählt zu den am besten untersuchten Medikamenten für Kinder überhaupt. Würde der Wirkstoff Methylphenidat bei den Patienten zu ernsten Beeinträchtigungen oder zu Schäden führen, liesse sich das gar nicht verschweigen. Jede Woche werden weltweit mehrere Studien über ADHS, Therapieoptionen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und vieles mehr rund um die ADHS publiziert. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Forschergruppen auf der ganzen Welt die betreffenden Pharmafirmen decken und Unstimmigkeiten verheimlichen würden.



Hinzu kommt, dass ich und – soweit mir bekannt – alle mir bekannten Berufskollegen bis heute bei keinen Patienten, welche mit Stimulanzien wie Ritalin behandelt wurden, Schädigungen feststellen konnten, welche auf das Medikament zurückzuführen waren. Selbstverständlich können auch ADHS-Medikamente mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen einher gehen. Das ist bei allen Medikamenten der Fall. Auch diesbezüglich habe ich nie Patienten kennengelernt, welche mit Stimulanzien behandelt wurden und an gravierenden und bleibenden Nebenwirkungen litten.

Dieser Text wurde letztmals 09/2016 aktualisiert.
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© 2016 Piero Rossi

 

 

In der Kürze liegt die Würze

Hallo Herr Rossi! Ihre Texte sind gut, sehr gut sogar. Aber vieeeel zu lang. Als ADSler schaffe ich kaum, die eigentlich sehr interessanten Texte zu Ende zu lesen. Ich hoffe, es klingt nicht frech, wenn ich Sie hiermit anfrage, ob Sie sich nicht etwas kürzer fassen könnten. MIt freundlichen Grüssen! M. F.

Liebe Frau oder lieber Herr F.!

Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa … Ja, ich weiss. Zu meiner Rechtfertigung Folgendes: Nicht alle sind sich bewusst, dass das Wissen um die ADHS bei Erwachsenen selbst bei Psychiatern und Psychologinnen noch bis vor wenigen Jahren schlicht und einfach nicht vorhanden war. Ich und meine Berufskolleginnen und -kollegen, welche mit ADHS-betroffenen Menschen arbeiteten, wurden in Fachkeisen lange belächelt (einige lachen heute noch über uns). Die ADHS galt auch unter Professionals lange als Modeerscheinung und als Spleen, welcher aus Amerika nach Europa übergeschwappt ist.

Warum sage ich das? Einfach, weil es noch bis vor einigen Jahren ein Schreiben „gegen eine Wand“ war. Um gehört und verstanden zu werden, schrieb ich und schrieb ich …..

Abgesehen davon: Selbst die älteren und langen Texte wie zu Beispiel: Dumm, faul, unfähig? ADHS bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden gemäss Webstatistik allein im Jahr 2016 3’600 mal angesehen. Und das ADHS-eBook wurde rund 8’000 mal heruntergeladen. So wahnsinnig schlimm mit den zu langen Texten kann es also auch nicht sein. Das geht auch aus den vielen Rückmeldungen hervor, welche ich auch zu langen Texten erhalte.

Trotzdem: Ich arbeite daran und werde lernen, mich noch kürzer zu fassen und danke für den Input! Wer ADHS.ch unterstützen will und zu den zu langen Texten eine Zusammenfassung schreiben möchte, kann sich gerne hier melden.

Und wer einen ADHS-Roman schreiben möchte und nicht weiss wie: Hier der ultimative Ratgeber zum Schreiben eines Romans:

Und wer gerne Romane liest und grad nicht weiss, welchen, : hier mein Tipp:

Milena Moser: Montagsmenschen
Als Balletttänzerin und als Yoga-Lehrerin konnte sich die 36-jährige Nevada stets auf ihren Körper verlassen. Plötzlich aber lässt er sie im Stich. Drei Schüler halten ihr dennoch die Treue und kommen immer montags zum Kurs. Als ein Mord geschieht, gesteht eine Schülerin die Tat der Polizei – allerdings ohne sie begangen zu haben, wie Nevada mit Hilfe eines Yoga-Spruchs herausfindet. Mosers Roman knüpft an ihre grossen Erfolge an: Treffend beobachtet, spannend und witzig erzählt, verwickelt die bekannte Autorin aus der Schweiz vier Menschen in ein tragikomisch-furioses Lebens- und Liebesdrama.

 




Hypersensibilität bei ADHS / Empfindlichkeit


Laura (9, ADHS-Diagnose vom unaufmerksamen Typus) ist körperlich und seelisch extrem empfindlich. Sie ist die geborene Prinzessin auf der Erbse. Sie leidet selbst sehr darunter. Wie können wir ihr helfen?

Antwort: Hypersensibilität ist eines der wesentlichen Kennzeichen von Menschen mit ADHS, also nicht nur von Kindern. Die Reizoffenheit bzw. das Ausgeliefertsein gegenüber vielen inneren und äusseren Reizen (Störung der Inhibition = mangelhafte Hemmung von irrelevanten Reizen im Gehirn) bringt es mit sich, dass diese Menschen im wahrsten Sinne des Wortes oft „gereizt“ sind und darauf auch sehr „allergisch“ reagieren können. Einige Untersuchungen wollen gar tatsächlich einen ursächlichen Zusammenhang von ADHS und allergischen Reaktionen ausgemacht haben.

Kinder und Erwachsene mit ADHS meinen oft, sie selbst seien gemeint, auch wenn es um ganz andere Dinge oder Personen geht. Viel zu schnell beziehen sie alles Mögliche und Unmögliche auf sich selbst. Sie sind in diesem Sinne egozentrisch. Oft reagieren diese Kinder (und auch die Erwachsenen) dann auch dementsprechend aggressiv. In extremen Fällen kann dies sogar fast paranoide oder sozialphobische Züge (massive Angst vor negativer Bewertung Dritter, verbunden mit aktivem Vermeiden von sozialen Kontakten) annehmen.



Wie angetönt, kann auch körperliches Missempfinden sehr ausgeprägt vorhanden sein bei Vorliegen einer ADHS. Je nach Lebensverlauf, Erziehung und anderen sozialen Einflüssen kann sich auch eine grosse Ängstlichkeit und damit verbunden eine grosse Aufmerksamkeit zu bzw. gegenüber dem eigenen Körper entwickeln. Hypochondrische Störungen, aber auch Essstörungen (z.B. Magersucht) können in ADHS eine der Ursachen haben.

Bei stark ausgeprägter Hypersensibilität, sowie bei Vorliegen einer ärztlichen Diagnose ADHS und einer Indikation für eine Stimulanzien-Therapie, kann versucht werden, den Reizschutz medikamentös mit Ritalin zu verbessern. Für viele stark hypersensiblen Kinder und Erwachsene stellt diese Therapie eine grosse Erleichterung dar, denn das ständige Ausgeliefertsein an alle möglichen und unmöglichen inneren körperlichen und seelischen Impulse und äusseren Reize kostet sie ungeheuer viel Energie, kann Depressionen erzeugen und lenkt meist stark ab von der zielgerichteten Erfüllung der Lebensaufgaben.

 

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Wahrnehmungsstörung?

Wie kann ich die Wahrnehmungsstörung von meinem Sohn (10, ADHS diagnostiziert mit 6 Jahren) trainieren? Wie bekomme ich das Kind dazu, auf mich und die Umwelt zu reagieren? Was kann ich dazu beitragen? Welche Tricks gibt es für die Schule? Danke! M.G.

Antwort
Bevor Sie mit Ihrem Kind etwas trainieren oder es behandeln lassen, sollte eine Diagnostik erfolgen. Es müsste geklärt werden, ob tatsächlich Wahrnehmungsstörungen bestehen. Bei Kindern mit einer ADHS ist nämlich eher davon auszugehen, dass es sich um syndrombedingte Aufmerksamkeitsstörungen handelt. Es müsste zudem geprüft werden, ob die ADHS-Therapie ausreichend gut wirkt. Mit einer Anpassung der Therapie (Medikation, Verhaltenstherapie, Erziehungsberatung) kann das Aufmerksamkeitsverhalten in der Regel positiv beeinflusst werden.



Dieser Text wurde letztmals 02/2017 aktualisiert.
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Jährliche Gesundheits-Kontrollen?

Guten Tag! Ist es empfehlenswert als Erwachsene, nach langjähriger Methylphenidat-Einnahme, jährliche Gesundheits-Kontrollen durchführen zu lassen? Wenn ja: was genau soll der Arzt kontrollieren? Danke und freundlichen Gruss! C.K.

Antwort
Ja, jährliche Kontrollen sind empfehlenswert. Ein Routinelabor mit Blutbild und Leberwerten ist ausreichend. Wichtig ist auch, dass überprüft wird, ob es die Therapie mit Stimulanzien überhaupt noch braucht und – falls ja – ob die Dosierung noch passt.

 

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Faust in das Gesicht geschlagen

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben in der 3. Klasse Volksschule einen Schüler mit ADHS und Wahrnehmungsstörungen, leider wurden wir Eltern nicht darüber informiert. Meine Frage nun, es ist zu einem tragischen Unfall gekommen. Der Schüler mit ADHS hat völlig grundlos vor Unterrichtsbeginn meinem Sohn mit voller Wucht seine Faust in das Gesicht geschlagen, sodass mein Sohn einen Zahn verloren hat. Was nunmehr mit diesem Zahn, der Gott sei Dank ein Milchzahn war, passiert, dass heisst mit dem nachkommenden Zahn und den Nachbarzähnen, kann man noch nicht sagen. Sterben die Wurzeln ab oder bleiben sie erhalten? Es ist eine große Klasse mit 24 Kindern. Welches sind meine Möglichkeiten, ich kann und will das nicht einfach so hinnehmen. Der Schüler ist letztes Jahr zu uns in die Klasse gekommen, zuvor besuchte er eine Sonderschule.

Antwort
Es ist bedauerlich, dass Ihr Sohn verletzt wurde. Ob sich negative Folgen für den herausgeschlagenen Milchzahn ergeben werden, bleibt abzuwarten. Ich halte es eher für unwahrscheinlich. Ich gehe davon aus, dass die Eltern des Jungen bzw. deren Versicherung für die zahnärztliche Behandlung aufkommt.

Ich verstehe, dass Sie wütend sind. Bedenken Sie aber grundsätzlich Folgendes: Wo Kinder herumtoben oder sich auch einmal prügeln, kann es immer einmal zu Verletzungen kommen. Eltern sollten das grundsätzlich akzeptieren. Damit meine ich nicht, dass dieses Verhalten gutgeheissen werden soll. Aber unsere Welt ist nun einmal nicht perfekt.



Wenn Kinder mit einer ADHS aggressives Verhalten zeigen, weist das meistens darauf hin, dass keine oder eine unbefriedigend verlaufende spezifische Therapie erfolgt. Vielleicht könnte der Klassenlehrer die Eltern einmal darauf ansprechen.

Das Verhalten dieses Jungen ist zweifelsohne nicht korrekt. Es ist aber auch zu bedenken, dass der Knabe an einer psychischen Störung leidet. Eine Störung der Impulskontrolle ist ein Kernsymptom der ADHS. Das ist keine Entschuldigung für sein Fehlverhalten, aber möglicherweise eine Erklärung. Wenn Sie wirklich etwas unternehmen wollen, dann sollten Sie sich in einem ersten Schritt sachkundig machen, was ADHS bei einem Kind bedeutet. Und zwar weil ich immer wieder beobachten konnte, dass Kinder dann aggressiv werden, wenn sie sich nicht verstanden fühlen.

Lesen Sie hierzu vielleicht einmal diesen Text.

Oder dieses Buch:

 

 

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