Ich bin sehr verzweifelt! Selbsthilfe

Ich bin 19 Jahre alt und kurz vor der Lehrabschlussprüfung. Bei mir wurde schon sehr früh ADHS und Hochbegabung festgestellt und ich wurde auch mit Medikamenten behandelt. Jedoch habe ich diese abgesetzt, da ich unter schweren Depressionen litt und sehr schnell reizbar wurde,  was gar nicht zu meiner Person passte. Viel genützt hat es aus meiner Sicht nie, ausser die körperliche Hyperaktivität ging zurück.

Auch verbinde ich schwere Erinnerungen mit dem Medikament: In der Schule wurde ich von den Lehrpersonen kontrolliert, ob ich es einnehme. Sogar auf Schulreisen wurde ich gezwungen und mir wurde gedroht, dass ich in der Schule bleiben und Aufgaben lösen müsse, während die anderen auf der Schulreise waren. Ich habe von Psychotherapie bis Hypnose alles versucht, jedoch mit nur mässigem Erfolg. Ich habe mein Leben überhaupt nicht unter Kontrolle. Ich vergesse alle Termine, zahle meine Rechnungen nicht, komme immer zu spät oder vergesse Termine ganz und kann weder Hausaufgaben machen noch lernen, was am Schlimmsten ist. Ich liebe meinen Beruf und auch den Schulstoff habe ich sehr gerne und bin auch immer hoch motiviert zu lernen und zu Arbeiten, jedoch funktioniert das nie. Die Hausaufgaben habe ich immer kurzfristig abgeschrieben oder so wie in den letzten zwei Monaten gar nicht mehr gemacht. Ich bin sehr verzweifelt. Ich habe sogar Hilfe durch Lerncoaching genommen was auch nichts half. Es ist genau wie Sie beschrieben haben 1 zu 1. Egal welcher Text auf Ihrer Website. Vor allem das mit dem Lernen und Belohnungen usw. Ich weiss nicht was mich aus dieser Situation noch retten kann. Können Sie mir helfen? Mit freundlichen Grüssen T. W.


 

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Ich bin ziemlich sicher, dass die von Ihnen geschilderten Probleme gelöst werden können. Weil: Sie übernehmen Verantwortung für die Lösung Ihrer Probleme, verfügen über Erfahrungen in verschiedenen Therapieformen und haben einen Beruf, den Sie lieben. Das sind prima Voraussetzungen!

Was Ihnen ganz offensichtlich noch fehlt, ist eine Psychiaterin oder ein Psychologe, zu dem Sie volles Vertrauen haben. Ich weiss, dass ist leicht gesagt. Dennoch: Ohne längerfristige und persönliche Begleitung einer spezialisierten Fachperson können Probleme, wie Sie sie beschreiben, nicht gelöst werden. Mein Vorschlag ist, an genau diesem Punkt anzusetzen.

Wie aber findet man einen vertrauenswürdigen Psychiater oder eine kompetente Psychotherapeutin?

  1. Sprechen Sie als erstes mit Ihrem Hausarzt. Es kann gut sein, dass dieser Ihnen eine gute Empfehlung abgeben und auch gleich eine Überweisung veranlassen kann.
  2. Kontaktieren Sie ADHS-Selbsthilfegruppen oder ADHS-Stellen in Ihrer Region. Dort ist die Chance gross, dass Sie auf der persönlichen Erfahrung von anderen Depressions- und ADHS-Betroffenen beruhende Empfehlungen erhalten.
  3. ADHS-Selbsthilfe (+ Hinweise auf kompetente Psychiaterinnen und Psychologen) finden Sie auch im Internet. Zum Beispiel hier (Deutschland). Eine Liste mit ADHS-Fachpersonen aus der Schweiz finden Sie hier.
  4. Zudem gibt es eine Reihe von ADHS-Gruppen bei Facebook. Auch über diesen Kanal besteht die Möglichkeit, zu guten Empfehlungen zu kommen.
  5. Sie sind 19 Jahre alt. Vielleicht besteht auch für Sie die Möglichkeit, sich bei der Suche nach einer vertrauenswürdigen Fachperson von Ihren Eltern unterstützen zu lassen.
  6. Sollte die Verzweiflung riesengross werden und dazu führen, dass Ihr Lebenswille schwindet und Sie von Suizidgedanken geplagt werden, können Sie sich an die Telefonseelsorge werden (Deutschland, Schweiz, Österreich).

Es kann verflixt harzig sein, eine Fachperson zu finden. Trotzdem: Daran führt kein Weg vorbei. Auch wenn es für Sie nach dem dritten Anlauf immer noch nicht stimmt und sie verzweifelt sind, immer daran denken, dass doch eine ganze Reihe von qualifizierten und vertrauenswürdigen Fachpersonen existieren! Es gilt eigentlich nur noch, diese zu finden.

Dafür bestehen heute für alle Betroffenen gute Aussichten!

Lesen Sie hier weiter, wenn meine Antwort für Sie hilfreich war.


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Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi