Du Idiot! | Reduzierte Impulskontrolle bei ADHS und seine Folgen

Das Wichtigste in meiner Therapie | meine Impulskontrolle

Ich bin Lorena und melde mich zurück. Und zwar will ich Euch mitteilen, was für mich das Wichtigste in meiner Therapie war. Ich meine damit, was mir am besten geholfen hat.

Wie soll ich es sagen? Es geht um ein Gefühl. Um ein sehr gutes Gefühl sogar. Frau Lareda, meine Psychologin sagte mir, es sei die Impulskontrolle, die sich bei mir normalisiert habe.

Wisst Ihr, ich habe früher viel Mist gebaut. Habe anderen schlimme Worte an den Kopf geworfen, immer wieder das iPod meines Bruders geklaut, weil ich jetzt sofort Musik hören wollte, aber nicht konnte, weil ich nicht nur mein Handy, sondern früher auch schon meinen iPod verloren habe. Manchmal habe ich meiner Mutter Geld aus dem Portemonnaie geklaut, weil ich unbedingt und sofort Süsses kaufen wollte.  Und so weiter und so fort.

Klar, das war doof. Eine Weile lang habe ich so getan, als sei es mir so was von egal, dass ich klaue. Aber es stimmte natürlich nicht. Ich habe mich geschämt. Und ich verstand einfach nicht, wieso ich doofe Sachen mache. Klar, ich war es. Und gleichzeitig wollte ich das nicht. Das war verzwickt.




Keine Sorge, ich bin nicht schizophren. Und ich habe auch noch (fast) alle Tassen im Schrank. Und trotzdem passierten mir immer wieder Dinge, die ich echt nicht wollte. Wie zum Beispiel sofort rausplatzen mit dem, was ich gerade denke.

Du Idiot!

Wenn ich zum Beispiel dachte, „Du Idiot!“, sagte mein Mund automatisch und laut ebenfalls „Du Idiot!“. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wo ich dann überall reingerasselt bin. Meine Schulkolleginnen hielten mich für eine Mega-Zicke. Es war mir unmöglich, etwas zu denken und dieses dann abgeschwächt herauszulassen. Das ging alles extrem schnell. Mein Gehirn liess mir einfach keine Zeit, um nachzudenken*.

Nicht-wollen oder Nicht-können?

Meine Ma hat irgendwann den Unterschied von Nicht-wollen und Nicht-können begriffen. Und mir das auch zu verstehen gegeben. Das tat und tut mir extrem gut. Sie schimpfte und verurteilte nicht mich, sondern mein Verhalten. Auch Frau Hofmann, meine jetzige Lehrerin, hat es begriffen.

Übrigens: Seit ich Therapie mache, funktioniert meine innere Bremse zu 70% besser. Davon schreibe ich später einmal.

* Heute weiss ich, dass bei allen Menschen mit einer ADHS die innere Bremse nicht richtig tickt.

Siehe auch die anderen Lorena-Geschichten


Danke für diese Infos!


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Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi