Ich habe es satt, immer und immer wieder zu versagen, weil ich mich nicht unter Kontrolle habe!

Ich bin ein 35 Jahre alter zweifacher Familienvater. In meiner Kindheit wurde POS (= ADHS; Anm. Piero Rossi) diagnostiziert. Meine Eltern wollten dieses jedoch nicht medikamentös behandeln lassen. Irgendwie habe ich es auch so durchs Leben geschafft. So habe ich es gelernt, mich sehr gut zu organisieren und bin sehr (meist über-)pünktlich. „Ich habe es satt, immer und immer wieder zu versagen, weil ich mich nicht unter Kontrolle habe!“ weiterlesen

Doris Ryffel-Rawak: „Unser facettenreiches Leben“ | Eine Buchbesprechung von Dr. med. Andrea Daniels

Doris Ryffel-Rawak
Doris Ryffel-Rawak

Der Struwwelpeter für Erwachsene?
Ein ADHS Bilderbuch.

Autorin: Doris Ryffel-Rawak
Unser facettenreiches Leben: ADHS Collagen zum Schmunzeln

Eine Buchbesprechung von
Dr. med. Andrea Daniels (Prez-vers-Noreaz | CH) „Doris Ryffel-Rawak: „Unser facettenreiches Leben“ | Eine Buchbesprechung von Dr. med. Andrea Daniels“ weiterlesen

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ADHS bei Kindern und Jugendlichen

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ADHS – Das Wichtigste auf einen Blick

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Piero Rossi beantwortet Fragen von Ratsuchenden

Lorena: Meine ADHS

Lorena: Meine Geschichte mit ADHS von A – Z

Vertiefendes zum Verständnis von Kindern und Jugendlichen mit einer ADHS

ADHS – Krankheit der negativen Gefühle?
Dumm, faul, unfähig? ADHS bei Jugendlichen und Erwachsenen

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Reicht nicht einfach der “Ritalin-Test”? Zur Diagnostik der ADHS bei Kindern und Jugendlichen
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ADHS & Kreativität

Flipperkugeln und Störgeräusche
Bildschirmmedien und ADHS
Warum Menschen mit ADHS sehr kreativ sein könnten, es aber meistens nicht sind
Kreativitätskiller WhatsApp & Instagram


Corin Strimer, Psychotherapeutin, Cham (CH)

 

www.corin-strimer.chZu meiner Person: Ich heisse Corin Strimer, bin Psychologin und eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Cham (ZG).

Seit 2011 arbeite ich im ambulanten Bereich mit Erwachsenen und Jugendlichen im Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppensetting.

Zu meinem Angebot zählen Abklärung, psychologische Psychotherapie, Coaching sowie Gutachten. Meine Arbeit ist von der IV und den Krankenkassen im Rahmen der Zusatzversicherungen anerkannt.

Meine Arbeitsweise: Ich habe ein modernes Verständnis von Psychotherapie und verstehe darunter ein lösungsorientiertes Vorgehen, das aus dem Pool an wissenschaftlich anerkannten und wirksamen Verfahren einen individuellen Therapieplan entstehen lässt. Diese massgeschneiderte Therapie berücksichtigt die individuelle Lebens- und Lerngeschichte, wie auch die bestehenden Ressourcen und Fähigkeiten der Person. Sie beinhaltet verhaltenstherapeutische, kognitive, emotionsfokussierte, imaginative und ressourcenorientierte Therapietechniken.

Spezialgebiet AD(H)S: In meinem bisherigen beruflichen und privaten Leben durfte ich schon oft die Bekanntschaft mit AD(H)S-Betroffenen machen. Ich bin vertraut sowohl mit den schwierigen Auswirkungen im Alltag wie auch den tollen Eigenschaften, die mit dieser „Normvariante der Informationsverarbeitung“ einhergehen. In den letzten Jahren habe ich immer mehr gemerkt, dass ich in meinem Praxisalltag besonders gerne mit AD(H)S-Betroffenen arbeite und mich dementsprechend auf diesen Bereich spezialisiert.

Leider muss ich häufig miterleben, dass insbesondere bei älteren AD(H)S-Betroffenen über Jahre hinweg falsche Diagnosen gestellt werden, was eine wirksame, AD(H)S-spezifische Behandlung verhindert und zu eigentlich unnötigen, zusätzlichen psychischen Problemen (z.B. geringes Selbstwertgefühl, Depression, Sucht) führt. Mir ist eine umfassende diagnostische Abklärung und die Sensibilisierung für AD(H)S bei Fachpersonen daher ein grosses Anliegen. Neben der gemeinsamen Erarbeitung von hilfreichen Alltagsstrategien im Umgang mit AD(H)S, lege ich in der Behandlung grossen Wert auf die Integration der besonderen Eigenheiten zur Stärkung des Selbstwertgefühls. Ziel kann nicht sein, das AD(H)S ‚wegzumachen‘, sondern mit dem AD(H)S seinen persönlichen, glücklichen Lebensweg zu finden.

AD(H)S-Angebot:  

  • Diagnostische Abklärung auf AD(H)S bei Erwachsenen
  • Psychotherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen mit AD(H)S und ggf. weiteren psychischen Störungen
  • ADHS-Coaching bei Erwachsenen und Jugendlichen
  • Gruppen-ADHS-Training für Erwachsene
  • Zusammenarbeit mit regionalen Psychiatern zur ergänzenden Pharmakotherapie

Praxis für Psychotherapie & Coaching
lic. phil. Corin Strimer
eidg. anerkannte Psychotherapeutin
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
Psychologin NWP
Duggelistrasse 7
6330 Cham
+41 (0)76 307 03 06
corin.strimer@psychologie.ch
www.corin-strimer.ch

Persönliche Buchempfehlungen für Erwachsene mit ADHS

Erwachsene mit ADHS: Persönliche Buchempfehlungen

…sind bekanntlich immer so eine Sache für sich. So verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich ist auch unser Empfinden darüber, was ein gutes Buch ausmacht und was nicht.

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Für mich persönlich ist entscheidend, ob die Autorinnen und Autoren wirklich wissen, worüber sie schreiben. Leider ist das nicht immer der Fall. Meine Empfehlungen beruhen also nicht nur auf den Inhalten an sich, sondern vor allem auch auf der Glaubwürdigkeit der Autorinnen und Autoren. Einige kenne ich, andere nicht. Beim Lesen Letzterer merkte ich aufgrund meiner eigenen, jahrelangen Erfahrungen mit ADHS-Beroffenen schnell, ob echtes Wissen und Verständnis dahinterstecken oder nicht. Meine Beurteilung von Ratgeberbücher für Laien beruht aber auch auf unzähligen Rückmeldungen, die ich während vieler Jahre von meinen erwachsenen ADHS-Patenten erhielt. Los gehts!

Sari Solden

Das Buch „Die Chaosprinzessin: Frauen zwischen Talent und Misserfolg“ (3. Auflage 2001) der Autorin Sari Solden ist das ADHS-Buch für Frauen schlechthin. Es gibt kein Besseres! Das Buch ist ähnlich chaotisch, wie auch die Autorin selbst. ADHS pur. Auch Männer mit ADHS vom unaufmerksamen Typus lieben dieses Buch. Leider ist es vergriffen. Es ist aber Gebraucht hier immer noch erhältlich. Tatsache ist, dass viele Oldies auf dem ADHS-Buchmark bis heute eine Referenz darstellen. Dazu gehört auf jeden Fall auch dieses Buch. Es sprüht nur so vom echten Leben und Leiden von Frauen mit ADHS. Und wirkt trotzdem aufbauend und ermutigend. 


Cordula Neuhaus

Mit ihrem Buch „Lass mich, doch verlass mich nicht: ADHS und Partnerschaft“ legt uns die bekannte Autorin und ADHS-Spezialistin Cordula Neuhaus ein Buch über die ADHS bei Erwachsenen vor. Mehr über die Autorin kann man hier nachlesen. Dieses Buch ist gut geeignet sowohl für Laien, als auch für Professionals.


Doris Ryffel-Rawak

Das Buch „ADHS bei Frauen – den Gefühlen ausgeliefert“ der Psychiaterin Doris Ryffel, erschienen 2009, gilt unter betroffenen Frauen und vielen Fachpersonen ebenfalls als Referenz.  Die Autorin beschreibt die Geschichte von 16 Frauen. Einfühlsam und kompetent. Das Buch ist sehr gut lesbar. Und es hat Tiefgang. Kein Wunder: Doris Ryffel gehört zu den Pionierinnen der Therapie von erwachsenen ADHS-Betroffenen im deutschsprachigen Raum. Sie weiss, wovon sie schreibt. Das spürt man aus jeder Zeile. Ihr Buch richtet sich an Laien, wird aber auch von Fachpersonen sehr geschätzt.

ADHS bei Erwachsenen. Betroffene berichten aus ihrem Leben“ und „Wir fühlen uns anders! Wie betroffene Erwachsene mit ADS/ADHS sich selbst und ihre Partnerschaft erleben“ sind zwei weitere und empfehlenswerte Bücher über die ADHS bei Erwachsenen. Auch sie richten sich an Laien sind bestens lesbar. Und auch in diesen Büchern ist die Nähe der Autorin zu ihren Patientinnen und Patienten aus fast jeder Zeile heraus spürbar. 

 


Eduard Hallowell / John Ratey

Zwanghaft zerstreut: oder Die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein“ ist bereits 1999 in deutscher Übersetzung erschienen. Es ist das erste deutschsprachige populärwissenschaftliche Buch, welches benennt, dass auch bei Erwachsenen eine ADHS vorliegen kann. Hallowell ist Psychiater und schreibt, dass er selbst von ADHS betroffen ist. Sein Buch ist ein Mix aus Fallvignetten und theoretischen Exkursen. Es liest sich süffig. Viele erwachsene ADHS-Betroffene haben mir gesagt, dies sei das erste Buch in ihrem Leben, welches sie vollständig gelesen haben. Als ich dieses Buch 1999 zum ersten Mal las, dachte ich: „Typischer Ami-Kitsch-Ratgeber“ und „Der übertreibt doch!“ Bald aber realisierte ich, dass dieses Buch zum Besten gehört, was es über die ADHS bei Erwachsenen zu lesen gibt. Und das bis heute. Auch wenn ich nicht bei allen Fallvorstellungen zu den gleichen Schlussfolgerungen wie Hallowell gelangt bin, Es hat sich aus diagnostischen Gründen bewährt, Patienten mit Verdacht auf ADHS zu empfehlen, genau dieses Buch zu lesen. Menschen ohne ADHS empfinden dieses Buch nämlich eher als langweilig oder uninteressant. Die vielen Wiederholungen stören sie. Anders ADHS-Betroffene: Selbst jene, welche es bisher nie schafften, ein Buch zu Ende zu lesen, sind von den Fallvignetten und Hallowells Erläuterungen berührt. Sie schätzen seinen Schreibstil. Endlich, so hörte ich immer wieder, liefere ihnen dieses Buch Worte, welche beschreiben, was sie fühlen. Langer Rede kurzer Sinn: Um „Zwanghaft zerstreut“ führt kein Weg herum, wenn man verstehen will, was ADHS ist. Um es nicht zu vergessen: Coautor John Ratey ist der Verfasser des bekannten und sehr lesenswerten Buches „Das Schattensyndrom: Neurobiologie und leichte Formen psychischer Störungen„. Er geht dabei auf die milden Formen psychischer Störungen wie der ADHS oder autistischer Störungen ein. Das Buch richtet sich nicht nur an Fachpersonen. 

 


Thom Hartmann

Fact ist, dass Hartmanns Buch „Eine andere Art, die Welt zu sehen: Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ ebenfalls  den ADHS-Oldies gehört. 2009 erschien es bereits in der 12. Auflage. Es gibt Bücher (nicht nur über die ADHS), bei welchen es schwer in Worte zu fassen ist, wieso man sie als gut empfindet. Dazu gehört für mich auch Hartmanns ADHS-Beststeller. Es hat ein „gewisses Etwas“ und wirkt auch mich sehr authentisch und glaubhaft. Der Autor, wohl auch selbst von ADHS betroffen, gehört zu jenen, welche auch die positiven Seiten der ADHS aufzeigen. Es kann sich lohnen, auch bei diesem Buch in die Kundenbewertungen bei Amazon reinzuschauen. Ich empfehle dieses Buch, auch wenn ich nicht alle Positionen des Autors teile. 


Christine Beerwerth

Suche dir Menschen, die dir guttun: Coaching für Erwachsene mit ADS“ ist geschrieben von einer Frau, welche ADHS-Betroffene coacht. Gewiss, auch dieses Buch ist nicht perfekt. Trotzdem gehört es für viele Betroffene und auch für mich zu jenen ADHS-Büchern, welche ganz vorne im Bücherregal stehen. Es enthält zahlreiche praktische Tipps, welche auch von ADHS-Betroffenen umgesetzt werden können. Das hört sich selbstverständlich an, ist es aber nicht. Die Ratschläge vieler Ratgeber für erwachsene Menschen mit einer ADHS funktionieren nur bei Menschen ohne ADHS. Es fehlt ihnen an Spezifik oder sind aus anderen Gründen untauglich (Beispiel). Beerwerts Buch gehört sicher nicht zu dieser Kategorie.

Persönliche Buchempfehlungen für Eltern mit ADHS-betroffenen Kindern

Persönliche Buchempfehlungen

…. sind bekanntlich immer so eine Sache für sich. So verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich ist auch unser Empfinden darüber, was ein gutes Buch ausmacht und was nicht.

http://www.adhs.ch/ueber-mich/

Für mich persönlich ist entscheidend, ob die Autorinnen und Autoren wirklich wissen, worüber sie schreiben. Leider ist das nicht immer der Fall. Meine Empfehlungen beruhen also nicht nur auf den Inhalten an sich, sondern vor allem auch auf der Glaubwürdigkeit der Autorinnen und Autoren. Einige kenne ich, andere nicht. Beim Lesen Letzterer merke ich schnell, ob echtes Wissen und Verständnis dahinterstecken oder nicht.

Cordula Neuhaus (die Nummer 1)

Beginnen möchte ich mit der Vorstellung einiger Bücher von Cordula Neuhaus. Alle kann ich empfehlen. Und zwar, weil die Autorin die erfahrenste ADHS-Spezialistin im deutschsprachigen Raum ist. Zahlreiche ihrer Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Cordula Neuhaus ist Heilpädagogin und Psychotherapeutin. Als Vollblut-Praktikerin arbeitet sie seit Jahrzehnten mit ADHS-betroffenen Kindern und Eltern. Sie weiss definitiv, worüber sie schreibt. Ich spüre das aus (fast) jeder Zeile ihrer Bücher. Darüber hinaus ist Cordula Neuhaus eine Persönlichkeit, welche auch mich durch ihre direkte und unkomplizierte Art immer wieder beeindruckte. Ihre Vorträge sind so was von intensiv und authentisch, dass sich auch sehr lange Anfahrtswege lohnen. Cordula Neuhaus leitet eine ADHS-Spezialpraxis in Esslingen. Weitere Infos über die Autorin kann man bei ADHSpedia nachlesen. Hier die wichtigsten Bücher über die ADHS bei Kindern und Jugendlichen von Cordula Neuhaus:

Neuhaus, Cordula: ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung

 

Neuhaus, Cordula: ADS – So stärken Sie Ihr Kind: Was Eltern wissen müssen und wie sie helfen können

 

Neuhaus, Cordula: Neuropsychotherapie der ADHS: Das Elterntraining für Kinder und Jugendliche (ETKJ ADHS) unter Berücksichtigung des selbst betroffenen Elternteils

 

Neuhaus, Cordula: Hat unser Kleinkind AD(H)S?: Symptome und Wege für Kinder von 0-3 Jahren

 

Neuhaus, Cordula: Das hyperaktive Baby und Kleinkind: Symptome deuten – Lösungen finden






Anna Maria Sanders

In ihrem Buch Ich dreh gleich durch!: Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen beschreibt die Mutter und Autorin die Geschichte ihres jüngeren Sohnes Raphael, bei welchem einer ADHS vorliegt. Über dieses Buch darf man einfach nicht viele Worte verlieren. Man muss es lesen. Allein die zahllosen Kommentare auf Amazon sprechen diesem Buch eine hohe Authentizität und eine grosse Überzeugungskraft zu. Dieses Buch gehört auf den Nachttisch aller Eltern von Kindern, die von einer ADHS betroffen sind. Weitere Information über die Autorin und ihr Buch können hier eingesehen werden.


 

Britta Winter

Mit ihrem Buch: „Komm, das schaffst Du!“ Aufmerksamkeitsprobleme und ADHS: Ergotherapeutische Alltagshilfen für mehr / Konzentration / Selbstständigkeit / Selbstvertrauen hat die Autorin einen Bestseller gelandet. Wohl deswegen, weil ihrem Ratgeber jahrelange, praktische Erfahrungen in der Arbeit mit ADHS-betroffenen Kindern zugrunde liegen. Die zahlreichen Amazon-Kommentare zu diesem Buch sprechen für sich. Eine qualifizierte Ergotherapie kann die medikamentöse Behandlung der ADHS zwar nicht ersetzen, aber sehr wohl ergänzen. Britta Winter ist Ergotherapeutin in eigener Praxis und leitet das Fortbildungszentrum Therapie & Wissen. Mehr über die Autorin erfahren Sie hier.


 

Uta Reimann-Höhn

Mit Ihrem Buch „Langsam und verträumt: ADS bei nicht-hyperaktiven Kindern“ hat die Diplom-Pädagogin Uta Reimann-Höhn einen Dauerbrenner gelandet. Dieses Buch ist nämlich bereits 2002 und ist immer noch eines der weniger Ratgeberbücher über die ADHS ohne „H“, also die stille Form dieses Syndroms. Siehe dazu auch die Kundenrezensionen auf Amazon. Uta Reimann-Höhn leitet seit vielen Jahren eine lerntherapeutische Einrichtung in Niedernhausen (Institut für Pädagogik und Lernen) und fördert Kinder mit Lern- und Leistungsstörungen. Sie arbeitet als Lerntherapeutin, Autorin und Redakteurin. Sie ist Mutter von 2 erwachsenen Söhnen und lebt mit ihrem Mann in Wiesbaden. Als Chefredakteurin von www.lernen-und-foerdern.com berät sie seit 2006 monatlich Eltern von Schulkindern.






Stefanie Rietzler, Fabian Grolimund

Mit ihren Buch Erfolgreich lernen haben die Autoren einen praktischen und hilfreichen Ratgeber herausgegeben. Prima lesbar. Gute Tipps!

Über

Über mich

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Mein Name ist Piero Rossi (*1957). Ich bin der Betreiber von ADHS.ch und Autor vieler Artikel auf dieser Website. Von Beruf war ich Psychologe und Psychotherapeut. Und zwar von 1984 bis Ende 2015.

Ab 1995 rückte die ADHS immer mehr in den Fokus meiner Arbeit.

Damals war die ADHS bei Erwachsenen im deutschsprachigen Raum kein Thema. Weder Fachartikel noch Ratgeberliteratur existierten. Einfach nichts. Um mit meinen Beobachtungen und den ersten Behandlungsversuchen mit erwachsenen ADHS-Betroffenen nicht ganz alleine dazustehen und um Kontakt mit Berufskollegen, welche sich ebenfalls mit der ADHS befassten, herstellen zu können, baute ich die Internetseite ADD-online auf. Diese Website enthielt anfangs Praxisberichte und einige aus dem Englischen übersetzte Texte zur ADHS bei Erwachsenen.

Damit habe ich nicht gerechnet

  • Zu meinem Erstaunen meldeten sich damals aber nicht Professionals, sondern Menschen mit Problemen, die an eine ADHS denken liessen. Über Suchbegriffe wie „Konzentrationsprobleme“, „Ablenkbarkeit“, „Ungeduld“ oder „innere Unruhe“ stiessen Interessierte auf ADD-online. Immer mehr meldeten sich auch Eltern mit ADHS-betroffenen Kindern.
  • Das grosse Interesse an Abklärungen und Behandlungen in meiner psychotherapeutischen Praxis und an ADD-online brachte es mit sich, dass sich die Internetseite immer mehr zu einer populärwissenschaftlichen ADHS-Informationsseite entwickelte. Gemeinsam mit meinem ärztlichen Kollegen Martin Winkler, welcher 2001 zu ADD-Online stiess und bis 2010 mitarbeitete, bauten wir das Projekt immer weiter aus.
  • Die ADHS wurde zum Schwerpunkt meiner Praxistätigkeit. Ich habe ungefähr 2’500 Menschen mit Verdacht auf ADHS untersucht und viele von Ihnen auch behandelt.
  • Meine Erfahrungen sowie die beeindruckende Offenheit und Mitarbeit meiner Patientinnen und Patienten (und bei Kindern deren Eltern) ermöglichten es mir,  immer zuverlässigere Abklärungsresultate und wirkungsvollere Therapien zu entwickeln.
  • Zum Glück bin ich 2001 auf die Versuche eines Pharmariesen, mich und mein Internetprojekt für ihre wirtschaftlichen Interessen einzukaufen, nicht eingetreten. Bis heute ist ADHS.ch komplett unabhängig von finanziellen Zuwendungen der Pharmaindustrie.

Mein Traum

  • Hinter ADHS.ch steht ein Traum: Patientinnen und Patienten übernehmen immer mehr Verantwortung für die Lösung ihrer Probleme. Sie informieren sich und gelangen über Print- und Onlinemedien wie ADHS.ch zu Begriffen und Beschreibungen. Das ermöglicht ihnen, ihr Leiden endlich in Worte kleiden können. Das tut gut. Und hat bereits einen gewissen therapeutischen Effekt.
  • Wissen wirkt Ohnmachtsgefühlen entgegen und macht hinsichtlich Abklärung und Behandlung handlungsfähig und kritisch. Ratsuchende treten Fachpersonen gegenüber kompetenter auf, bringen sich aktiver ein.
  • Informierte Patienten sagen „Nein“, wenn ein Nein angesagt ist. Und „Ja“, wenn sie spüren, dass sie am richtigen Ort gelandet sind und die Therapievorschläge sie überzeugen. Ihr Wissen um Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der ADHS, aber auch darum, was ADHS nicht ist, vereinfachte die Behandlung massgeblich.
  • Das habe ich ab 1999 (Start von ADD-Online) und bis heute durchgehend feststellen können. Dies war und ist bis heute der Grund, warum ich neben meiner Tätigkeit in der psychologischen Praxis Stunden für Stunden in das Projekt ADD-Online und später ADHS.ch investiert habe.

Meine Hoffnung

  • Hinter ADHS.ch steht auch eine Hoffnung: Noch viel mehr ADHS-Fachpersonen realisieren, dass Konzentrationsschwächen, Vergesslichkeit, impulsives Verhalten, Unorganisiertheit und andere Probleme, welche mit einer ADHS in Verbindung gebracht werden können, nicht automatisch bedeuten, dass auch eine ADHS vorliegt.
  • Tatsächlich ist es so, dass sehr viele medizinische, psychologische und soziale Probleme mit ADHS-ähnlichen Beschwerden einhergehen. ADHS.ch liefert daher zahlreiche Informationen über mögliche Differenzialdiagnosen. Das soll dazu beitragen, dem Trend, zu schnell, zu oft und vor allem fälschlicherweise eine ADHS-Diagnose gestellt wird, entgegenzuwirken.

Mein neues Projekt

  • Seit Anfang 2016 arbeite ich an meinem neuen Projekt Fotografieren verleiht Flügel.
  • Daneben betreue ich weiterhin diese Website ADHS.ch. Ich verfasse neue Artikel, beantworte Fragen von Ratsuchenden und versuche weiterhin einen Beitrag dazu zu leisten, Interessierten Zugang zu bewährtem und unabhängigem Praxiswissen rund um die ADHS zu ermöglichen.

ADHSpedia

Siehe zu mir auch in ADHSpedia.

Danke

Lektorat

Seit einer halben Ewigkeit darf ich auf die Unterstützung von Christiane Grossmann zählen. Chris hat während vieler Jahre das sehr gut besuchte ADHS-Forum Schweiz geleitet. Sie arbeitet still im Hintergrund von ADHS.ch und ist für das Lektorat zuständig. Ein dickes Dankeschön!

CROSLI

crosli.deEin Danke geht auch an Tanja Moosmann (Crosli – Agentur für Internetmarketing). Seit Februar 2017 unterstützt mich Tanja, ADHS.ch in technischer und formaler Hinsicht zu optimieren.

 

Sie möchten ADHS.ch unterstützen? Dann siehe hier.

Kontakt




Kornelia Juen, ADHS-Coach, Laufenburg (CH)

Mein Name ist Kornelia Juen.
Ich bin KompetenzTrainer® ADHS, Ausbilderin eidgenössischer Fachausweis, MPA Arbeitsmedizin, zertifizierter ADHS-Coach icp, und engagiere mich zum Thema ADHS in der Erwachsenenpädagogik.

Seit über 25 Jahren ist das Thema ADHS und Asperger in meinem Leben präsent und ich lerne den Umgang damit immer weiter. Seit den 80er Jahren bin ich Mitglied bei Elpos, bei ADHS 20+ seit der Gründung und seit mehreren Jahren bei der SFG ADHS. Ebenfalls darf ich mit Thomas Redmann unsere geschätzte und sehr erfahrene Kollegin im Bereich Erwachsenen ADHS, Astrid Wälchli, bei der IG ADS (Vorgänger von ADHS 20+) unterstützen.

Neben den verschiedenen Ausbildungen in medizinischen (MPA, Betriebssanität Niveau III, alle Module des MAS Arbeit und Gesundheit) und pädagogischen Bereichen (SVEB I, Ausbilderin eidg. FA), habe ich die Ausbildung zum Elterntrainer (ETKJ)  und zum KompetenzTrainer® ADHS bei Cordula Neuhaus im Kolleg DAT e.V. abgeschlossen. Im Oktober 2015 konnte ich meine eigene Fachpraxis ADHS eröffnen: www.praxisamlaufenplatz.ch.

Meine Kurse und Workshops bieten alltagstaugliche Strategien für Betroffene und für Eltern ADHS-betroffener Kinder / Jugendlicher an. Beratungen, Vorträge, Workshops und Supervisionen für „Betreuende“ sowie Einzel-Kompetenztrainings runden mein Angebot ab. Die Trainings basieren auf neuropsychotherapeutischen (nach K. Grawe) und verhaltenstherapeutischen (nach F. Kanfer) Grundsätzen. Ich selber nutze regelmässig die Supervision bei Ursula Davatz, Baden und sporadisch bei Cordula Neuhaus, D–Münsingen. Neben Besuchen von nationalen und internationalen Fort- und Weiterbildungen, Kongressen, Tagungen, Teilnahme an Intervisionen, informiere ich mich in den verschiedenen Medien über aktuelle Fortschritte in Forschung und Wissenschaft.

Kornelia Juen
KompetenzTrainer® ADHS, Ausbilderin eidg. FA
Praxis am Laufenplatz
Laufenplatz 148
CH-5080 Laufenburg
www.adhs-juen.ch
kornelia.juen@bluewin.ch
praxis@amlaufenplatz.ch

Flipperkugeln und Störgeräusche | Persönlicher Bericht von Katrin Andrist

Ein persönlicher Erfahrungsbericht über ADHS & Kreativität

Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin Katrin Andrist, Mutter zweier Kinder, Lehrerin und Autorin.

Um es kurz zu machen, das bin ich:

 

Katrin Andrist ohne Therapie, sprich ohne Medikation

Mit bin ich kein anderer Mensch. Ich stehe nicht plötzlich geduldig an der Supermarktkasse, werde lethargisch und antriebslos. Aber die Lunte ist länger und den Energiestecker kann ich auch mal herausziehen am Abend.

Was ADHS ist, darauf muss und möchte ich nicht mehr im Detail eingehen, nur wo es mir im Zusammenhang mit der Kreativität nötig erscheint. Aber genauer darlegen muss ich, was ich unter Kreativität verstehe.

Kreativität ist nicht nur ein Funken

Kreativität ist für mich die Fähigkeit, ungewohnte Gedanken so miteinander zu verknüpfen, dass etwas Neues entsteht.

Kreativ bin ich, wenn ich den ausgetrampelten Pfad verlasse, mir selbst einen Weg durchs Dickicht suche. Dazu muss ich mögliche Durchgänge erkennen, sehen, dass man sich zwischen den beiden Dornenbüschen durchhangeln kann oder dass unter der Laubdecke ein Matschloch ist und ich lieber nicht darauf treten sollte.

Ich verlasse den gewohnten Weg auch auf die Gefahr hin, mich zu exponieren, nicht mit der Masse zu schwimmen. Aber massentauglich bin ich als ADHSler sowieso eher selten, da zu laut, zu schnell, zu ungeduldig zu, zu, zu….

Kreativität ist für mich weiter die Fähigkeit, wenn mir ein Fluss den Weg abschneidet, aus dem Schwemmholz am Ufer eine Brücke zu bauen. Eine kreative Lösung suchen. Schauen was da ist und damit etwas zu machen.

Kreativität zeigt sich nicht nur im künstlerischen Schaffen. Auch der Alltag mit einem ADHS-Kind verlangt neben den klaren Strukturen und Vorgaben dauernd nach kreativen Lösungen. Die Regeln genügend zu adaptieren, damit sie greifen, aber nicht zu viel, um Unruhe zu vermeiden.




Nicht nur mir, sondern vielen ADHSlern ist eine gewisse Abneigung gegen „leere Regeln“ gemeinsam. Unter „leeren Regeln“ verstehe ich Einschränkungen, die für mich nicht nachvollziehbar sind. Die Hauptbegründung lautet jeweils: Weil man es so macht. Dieses Infragestellen gesetzter Regeln und Normen ist die Grundvoraussetzung zum Verlassen des Trampelpfades. Solange ich überzeugt bin, dass das Dickicht gefährlich ist und ich mich nur auf dem Pfad bewegen darf, sehe ich auch nichts Neues.

Und als letzter Punkt ist Kreativität für mich, nicht nur tausend Ideen zu haben, die mir im Kopf explodieren, sondern auch etwas daraus zu machen. Wer tausend Ideen für ein Buch im Kopf hat, der wird nie eines schreiben und so sehr er sich wünscht, Autor zu sein, nie dazu kommen. Irrelevant hingegen ist, ob das Buch dann verlegt wird, das Bild ausgestellt, das Werk bewundert. Nicht für den Künstler, aber für die Kreativität.

Kreativer Prozess

Für mich persönlich gliedert sich ein kreativer Prozess also in:

  1. neugierige Wahrnehmung jenseits von Interpretationsmustern
  2. ungewohnte Verknüpfungen und Lösungen
  3. den ausgetrampelten Pfad verlassen / evt. gegen Regeln verstossen
  4. eine Idee soweit verfolgen, dass sie sich materialisiert

Meine POS-Diagnose

Diese erhielt ich mit 6 Jahren und bin wohl die einzige aus meiner Heilpädagogischen Sonderschule, in der ich die erste bis dritte Klasse verbracht habe, die einen Hochschulabschluss hat. Ich bekam während der ersten Schuljahre Ritalin, bis ich in die öffentliche Schule eingeschult wurde, machte dann als Jugendliche die sogenannte „Phosphat“-Diät. Daneben und dazwischen habe ich so alles Mögliche gemacht, was man so macht, bevor man das schlimme Medikament nimmt.

Von allen Arten von Therapien über Tai Chi bis zu Pulver und Duftölen hangelte ich mich durch. Ich liess mich dann als erwachsene Mutter mit 37 Jahren noch einmal diagnostizieren und nehme seit dieser Zeit Medikamente.

Wenn es um ADHS und Kreativität geht, kenne ich also den Unterschied, mit Medikation und ohne Medikation kreativ tätig zu sein. Und genau darauf möchte ich weiter eingehen. Oft wird Ritalin ja als Kreativitäts-Killer beschrieben. Ein Argument das ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Etwa bis 45° Grad, was nicht viel ist, da es für das ganze Panorama immer noch 360° Grad braucht.




Von der Idee zum Werk

Am Anfang steht die Wahrnehmung. Damit ich etwas Ungewohntes verknüpfen kann, muss ich die Umwelt zuerst wahrnehmen.

Da ich als ADHSler viel reizoffener bin als andere, nehme ich automatisch mehr wahr, bzw. stürzen mehr Eindrücke auf mich ein. Ich nehme gleichzeitig den draussen vorbeirauschenden Verkehr, den übers Papier kratzende Stift, ein Räuspern, die Reflexion des Sonnenlichts auf dem Metallvorsprung am Büchergestell und den muffigen Gestank meiner Laufschuhe, das Gezwitscher des Vogels wahr.




Aber nicht nur die Wahrnehmung dessen, was von aussen auf mich zustürmt ist erschlagend, auch innen stürmen gleichzeitig alle Eindrücke auf mich ein.

Dazu gehört auch, dass tausend Ideen gleichzeitig wichtig sind. Wie ich mich gerade jetzt beim schreiben dieses Textes entscheiden muss, ob ich das Symptompiktogramm so stehen lasse oder vielleicht doch noch ein anders Bild für die überbordende Ideenflut niederschreiben sollte. Wie wär es mit dem Vergleich mit der unkontrolliert rumspickenden Flipper-Kugel? Oder vielleicht den Unterschied zwischen Kugelmikrophon und Richtmikrophon?


W. Beerwerth: Das kreative Chaos


Wühltisch

Der Wühltisch beim Ausverkauf oder doch eher die explodierenden 1-August-Heuler? Oder der Stein, der in den Teich fällt und Wellenkreise zieht, die die Kiesel am Rand überrollen, einen Forsch erschrecken, der sich doch grad eine Fliege schnappen wollte und den Boden aufwühlt, so dass die Sicht trübe wird.  Ach, hat mir nicht heute ein Schüler erzählt, dass Garnelen sich im Wasser auflösen können? Blubbert das dann? Wie eine Badebombe. So Ideen-Geblubber. Luftblasen-Einfälle. Ich glaube, ich habe mich grad im Dickicht verirrt. Können sie mir noch folgen?

Ohne Medikament existieren alle Einfälle gleichzeitig und gleichwertig nebeneinander. Alle haben unbedingt Priorität, alle sind originell, wichtig, gar einzigartig. Den Unterschied der Ideenfindung mit und ohne Medikation sieht man in nebenstehendem Piktogramm.

Ich kann entschieden, welchen Einfall ich verfolge. Ich kann Einfälle ausblenden, die mir nicht passend scheinen und auf einzelne fokussieren, ohne dass sich die anderen zu Wort melden und mich ablenken. Ich bin handlungsfähig. Und zwar ziemlich unangestrengt. Ohne 1000 Post-Its, Mindmaps mit Farben und viele andere Hilfen (gleichzeitig versteht sich, und nie ganz zu Ende angewandt).

Natürlich kann man hier sagen, die Kreativität ist gekillt, weil nicht alle 1000 Ideen, die mir durch den Kopf wirbeln, auch aufs Papier kommen. Aber ein wesentlicher Prozess in der Arbeit von der Idee zu einem Werk ist das Auswählen und Gewichten. Und das Verharren im ungefilterten Brainstorm-Modus lähmt ungemein.

Und Achtung! Hier kommt der Mikrophon-Vergleich: Ein Druckmikrophon in Form einer Kugel nimmt alle Geräusche auf, die es umgeben. Ein Richtmikrophon kann man auf eine gewisse Geräuschquelle richten. Man trifft also eine Auswahl. Nur weil das Druckmikrophon mehr Geräusche aufnimmt, gibt das noch lange nicht die schönere Symphonie.




Ich muss mich also zwingend für eine Richtung entscheiden, die ich verfolgen will. Lande ich in einer Sackgasse, kann ich eine andere wählen. Ich muss mich für eine Himmelsrichtung entschieden, wenn ich den Trampelpfad verlassen will.

Wenn von ADHS-Medikamenten gesprochen wird, wird oft von der Filterfunktion gesprochen, den diese Medikamente ausführen. Sie helfen mir zu Filtern, mich für eine Idee zu entscheiden. Sie helfen mir aber auch davor, mich vor Eindrücken zu schützen. Seien das die Kleider, die ich sonst dauernd den ganzen Tag an der Haut schabend spüre, sei es Kritik von aussen.

Ich kann so unbeirrter meinen Weg fortsetzen und ritze ich mir im Dickicht den Arm an einem Dornengestrüpp auf, so weiss ich trotzdem, dass ich weitergehen will und dass ich mich nicht aufgeritzt habe, weil hinter mir jemand vom Pfad ruft: Siehst du? Geh doch nicht! Ist viel zu gefährlich! Das macht man nicht!

Naturromatisch

Es wird gern behauptet, ADHS würde sich als Diagnose erübrigen, wenn die Umwelt, die Gesellschaft anders wären. Gewisse Experten postulieren in einer naturromantischen Art, dass einzig ein Aufenthalt auf einer Alp mit viel frischer Luft die Symptome zum Verschwinden bringen könnte. Ich finde das fast anrührend, wäre es nicht so gefährlich. Natürlich beeinflusst die Umwelt die Symptomatik. Genauso wie ein cholerischer Patient mit erhöhtem Blutdruck keinen Chef haben sollte, der ihn enorm unter Druck setzt.

Aber auf der Alp hat er immer noch erhöhten Blutdruck und Stress kommt nicht nur von aussen. Ein ADHSler auf der Alp ist zwar weniger den äusseren Ablenkungen ausgesetzt, die innere Unruhe besteht aber weiter. Unterstützende Massnahmen, die meistens besonders in den ersten drei Wochen wirken, sollten nicht mit einer umfassenden Therapie verwechselt werden. Generell bin ich skeptisch bei einfachen Lösungen auf komplexe Probleme.

Sich mit meinem kreativen Werk oder auch mit diesem Artikel hier einer gewissen Kritik auszusetzen ist einfacher, wenn ich die Reaktionen, die Eindrücke, die auf mich zu kommen, sortieren kann.

Natürlich könnte ich es auch einfach lassen, diesen Artikel zu schreiben. Sollte man vielleicht nicht, so persönlich. Wobei…

Nein. Kann ich nicht. Ich pass mich ja nicht so gern an.




Eine Idee soweit zu verfolgen, dass sie sich materialisiert, kann sehr mühsam sein.  Bei einem Gedicht nicht so sehr. Bei einem Piktogramm inzwischen auch nicht, da ich meine Bildsprache bereits gefunden habe. Bei einem Roman ist ein langer Atem unabdingbar. Ein Gedicht ist ein Sprint, ein Roman ein Marathon. Auf kurzer Strecke verirre ich mich weniger, da reicht ein Funke, eine Initialzündung und eine kleine Flamme und das Resultat ist da.

Auf langer Strecke muss ich auch gegen mich selbst kämpfen und wenn mir da dauernd ungefiltert die Einwände anderer und meine eigenen Zweifel und Ideen dazwischenfunken, wird es sehr anstrengend. Dann sind 40% meiner Energie davon absorbiert, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren.  Und es wird fast unmöglich, etwas zu Ende zu führen. All diese Zweifel gehören natürlich dazu, die Frage ist nur das Ausmass. Lähmen sie eine Woche, einen Monat oder für immer?

Ideen umsetzen

Ich kenne so viele, die gute Ideen haben, aber an der Umsetzung scheitern. Ich bezeichnete mich selbst auch immer als „Ideenpinkler“ und bin froh, inzwischen nicht nur Ideen zu pinkeln, sondern auch etwas daraus entstehen lassen zu können. Etwas grösseres als eine Karikatur, ein Sprachspiel oder eine Szene.

Denn nach dem Ideenwurf kommt die Überarbeitung, der Feinschliff und das ist nicht immer gross befriedigend, beinhaltet nötige Routinearbeit.

Natürlich könnte ich auch ohne Medikamente kreativ sein. Natürlich bin ich auch ohne Medikamente kreativ, genauso wie ich es mit bin. Sie machen mich nicht zu einem anderen Menschen. Wie ich auch ohne Medikament auch im Supermarkt einkaufen konnte. Weil ich die Lage der Produkte, die ich brauchte, auswendig gelernt habe. Ich sah sie in dem Farben-, Geräusch- und Geruchsdurcheinander nie.

Ohne Medikamente kann ich auch überleben. Sie geben mir keine Superkräfte. Ich schreibe nicht plötzlich Bestseller und mache eine steile Karriere. Aber sie erleichtern mir die Arbeit. Insbesondere die kreative Arbeit.

Dieser Artikel erschien erstmals in „elpost“ Nr. 61, Frühling 2017.


Katrin Andrist

ist Autorin des Romans „Kinderspiele„, erschienen 2016 im Verlag Muskat media, Romanshorn, 2016. ISBN: 978-3-216926-02-7; 243 Seiten, Hardcover, 29.50CHF/24€.
Dieses fadengerade geschriebene und mit schlanken und schönen Wortbildern gespickte Buch bedarf ziemlich starker Nerven. Vor allem dann, wenn es fertig gelesen ist. Also definitiv nichts für Kinder! Ich bin offenbar nicht der Einzige, welcher diesen Roman in einem Zug gelesen hat. Was mir schon lange nicht mehr passiert ist. PR


 

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Kreativitätskiller WhatsApp & Instagram | Risiko oder Chance?


Bildschirmmedien wie etwa Instagram können die Kreativität bestens fördern.
Tun sie aber meistens nicht. Wieso erfahren Sie hier!


Bildschirmmedien:  Kreativitätskiller Nr. 1!

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Gestützt auf meine Erfahrungen während der langen Jahre meiner Praxistätigkeit, sowie unter Berücksichtigung der Forschungsliteratur, steht es für mich ausser Zweifel: Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kann ein hoher Konsum von Bildschirmmedien wie YouTube oder Instagram zu einer Verkümmerung der Kreativität führen.

Merke: Man kann nicht kreativ Bildschirmmedien konsumieren!

Wer sich stundenlang YouTube-Videos oder TV-Serien reinzieht, konsumiert völlig passiv. Bild, Ton und eine meistens sehr simple Story werden dem Gehirn in einem Guss serviert. Man muss sich beim Konsum dieser Medien selbst nichts mehr vorstellen.

Beim Lesen hingegen verhält es sich komplett anders: Der Sinn des Gelesenen erschliesst sich einem nur, wenn man sich das, was man gerade liest, auch innerlich vorstellt. Wenn das Gehirn also aktiv ist und wenn im Kopf Bilder zum Gelesenen zu einem Film verschmelzen.

Für viele mag das eine Selbstverständlichkeit sein. Für immer mehr Schülerinnen und Schüler ist es das leider nicht. Jene mit einem zu hohem Bildschirmmedienkonsum „sehen“ einfach nichts (oder immer weniger), wenn sie versuchen, zu lesen. Sie haben es schlicht und einfach nicht ausreichend lernen können, sich selbst Sachen auszudenken und sich diese vor dem inneren Auge auszumalen.

Auch der Video- oder TV-Konsum erfolgt auch das Gamen mit einer Spielkonsole oder dem Smartphone erfolgt fast ausschliesslich reaktiv. Selbst wenn das Game den Anschein macht, dass der Spieler „frei“ ist und selbst entscheiden kann, ob er den Gegner auf diese oder jene Weise vernichten will, handelt es sich in Wirklichkeit um sehr beschränkte Reaktionsoptionen, welche vom Programmierer des Spieles im Voraus festgelegt wurden.

Gamen kann – wenn es denn unbedingt sein muss – für eine oder zwei Stunden pro Woche okay sein. Was aber, wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit stunden-, tage- und wochenlang nur passiv konsumieren und/oder nur auf externe Reize reagieren?

Zu Letzterem gehört übrigens auch das möglichst schnelle Antworten auf Benachrichtigungen von WhatsApp und anderen Messengern. Die Online-Zeit von Schweizer Jugendlichen beträgt zurzeit gemäss Angaben der Befragten täglich über 3h (James-Studie 2016).

 

Stundenlanger Medienkonsum macht Menschen jeden Altes mental und körperlich schlaff. Und er führt mittelfristig zu einer Dysregulation des motivationalen Systems. Dieses wird gestört, indem die Kinder und Jugendliche beim Gamen, TV-Serien sehen oder etwa beim blitzschnellen hin und her Chatten lernen, sich durch den Konsum dieser Medien sofort, ohne Aufwand und ohne Anstrengung, Befriedigung zu beschaffen.

Und das ohne wirklich etwas dafür zu tun. Und fast wie beim Kiffen, über welches man sofort und ohne Anstrengung zu einem guten Gefühl kommen kann.

Die mit einem schnell rückmeldenden und sehr befriedigend erlebten Medienkonsum  verbundene stundenlange Überflutung des Belohnungssystems mit dem Neurotransmitter Dopamin führt mittelfristig zu einer zunehmend grossen Intoleranz vieler Konsumenten gegenüber reizarmen, subjektiv langweiligen oder sinnlos erscheinenden Tätigkeiten.

Auch wenn der Vergleich nicht ganz korrekt ist, verhält es sich beim übermässigen Bildschirmmedienkonsum in gewisser Weise ähnlich wie bei der Diabetes:

Merke: Beim anhaltenden Konsum von zu viel Zucker versagt über kurz oder lang irgendwann die Bauchspeicheldrüse. Beim multimedialen Dauerkick ist es das normalerweise funktionierende motivationale System, welches früher oder später verkümmert.

Auswirkungen sind unter anderem, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen nicht mehr in der Lage sind, im Familien- und Schulalltag etwas zu tun, was ihnen keinen Spass bereitet und damit nicht sofort zu der gewohnten und sofortigen Dopaminfreisetzung und dem damit verbundenen superguten Bauchgefühl führt. Ohne Stimulation und „Kicks“ sind viele zunehmend ausserstande, Hausarbeiten zu erledigen oder sich für eine Prüfung vorzubereiten.

Kinder und Jugendliche mit einer unbehandelten ADHS (und jene mit einer nur unbefriedigend gut verlaufenden Behandlung) sind ganz speziell gefährdet, sich zu Online-Junkies zu entwickeln. Und zwar, weil ihr Dopaminsystem – wie oben dargelegt – bereits syndrombedingt dereguliert ist und sie bzw. ihr Gehirn immer nach der Suche nach (ablenkenden) Kicks und Stimulation sind.

Das hohe Tempo, welches mit dem Bildschirmmedienkonsum einhergeht, ist für ADHS-betroffene Kinder und Jugendliche auch deswegen kontraproduktiv, da sie ja bereits syndrombedingt zu schnell ticken. Ihr Gehirn lernt also durch den Gebrauch von schnellen Medien und Games, noch schneller zu reagieren. Für sie wird es immer schwieriger, sich in Ruhe einer Sache hinzugeben und eines nach dem anderen zu machen.

Merke: Man kann nicht „nicht“  lernen und je mehr etwas Spass macht, um so leichter wird es erlernt.

Fördern Messenger-Dienste wie WhatsApp die Kreativität?

Meine Hoffnung, dass sich bei Kindern und Jugendlichen in der Social-Media-Kommunikation Kreativität entfalten könnte, wurde bisher enttäuscht. Ich habe immer wieder Chat-Protokolle lesen können und musste feststellen, das Denken, Sprache und kommunikatives Handeln selbst von sehr intelligenten Kindern auf ein erschreckend tiefes Niveau absinken können.

Als Ursache vermute ich unter anderem die (zu) hochkomprimierte Form der Dialoge, die schnell ins Negative kippende Dynamik in den Chat-Gruppen sowie den impliziten Erwartungsdruck der Follower. Die Messenger-Dialoge werden auch durch den Chatjargon und den Einsatz von immer zahreicher zu Verfügung stehenden Emojis undifferenzierter und oberflächlicher. Und dies, obwohl Emojis eine Kurznachricht ja durchaus mit Gefühlen aufladen können.




Und Instagram?

Und wie steht es mit Instagram und vergleichbaren Online-Diensten zum Teilen von Fotografien (und zum Kommunizieren)? FördernInstagram & Co. diese Dienste kreatives Handeln?

Ich habe auf Instagram und ähnlichen Plattformen zahlreiche tolle Fotos gesehen. Die meisten dieser guten Fotografien stammten allerdings von professionellen oder semi-professionellen Fotografen, welche Instagram und Co. als Werbeplattform verwenden.

Aber auch zahlreiche der Instagram Fotos meiner ehemaligen Patienten oder den Teilnehmern im Atelier fotoLux halte ich für wirklich gelungen.

  • Augenscheinlich ist für mich aber auch, dass diese Originalität guter Insta-Fotos wahrscheinlich mehr auf Zufällen als auf Können beruht.
  • Reflexive, bewusste Fotografie ist heute out. Erarbeitet wird da nichts mehr. Soll auch nicht, denn „Instagram“ steht  ja wortwörtlich für die spontane (digitale) Sofortbildfotografie.
  • Auffallend zudem, wie ähnlichh der grafische Aufbau und der Look vieler Selfies auf Instagram sind.

Sofort- & Schnell-Kultur und Identitätsentwicklung

Gut, halten wir uns immer vor Augen, dass ja völlig offen ist, was Kreativität eigentlich bedeutet. Ich bin der Letzte, welcher Instagram-Usern Kreativität pauschal absprechen will. Wahrscheinlich begründet die digitale Instant-Fotografie eine neue Foto-Kultur. Immerhin wirken spontane Insta-Fotos häufig sehr authentisch.

Das Unverfälschte, Naive und Unschuldige in vielen dieser Fotos geht meinem Empfinden nach mit einer faszinierenden Magie einher. Es entsteht eine neue Kultur, die ich zwar noch nicht verstehe, welche aber mich aber interessiert und herausfordert.

 

Trotzdem: Meinen Beobachtungen nach ist es so, dass die fotografische Kultur auf Instagram und Co., welche sich primär auf digitale Sofort-Bilder stützt, zu einer für die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ungesunden Beschleunigung und der Masse wegen zu einer inflationären Entwicklung führen kann.

Die Halbwertzeit dieser Fotos ist erschreckend niedrig. Bei Snapchat, einem kostenlosen Instant-Messaging-Dienst, ist es möglich, Fotos zu publizieren, die nur eine bestimmte Anzahl von Sekunden sichtbar sind und sich dann von selbst löschen.

Warum aber soll die Instant- und damit Sofort- & Schnell-Kultur von Instagram & Co. zu einer Beeinträchtigung der Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen führen, werden Sie sich vielleicht fragen. Und was spricht gegen eine kurze Halbwertszeit von Fotos?

Fotografien – kollektives und individuelles Gedächtnis

Halten Sie sich vor Augen, dass Fotografien dazu dienen (oder lange dazu dienten), sich ein Bild von der Welt machen zu können. Fotos haben eine hohe Definitionsmacht. Sie bestimmen zum Beispiel, wie wir uns die Niagarafälle vorzustellen haben. Selbst wenn wir diese gar nie besucht haben. Sie definieren auch unsere Erinnerungen an die Vergangenheit. Zum Beispiel an den Morteratschgletscher, dessen Gletscherzunge vor 20 Jahren noch viel weiter reichte als heute.

Fotografien sind aber nicht nur Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Sie dienen auch dazu, sich ein Bild von sich selbst und seiner eigenen Geschichte machen zu können. So waren Bilder aus der eigenen Kindheit (wie etwa Klassenfotos aus der Grundschule oder Fotos von bereits verstorbenen Angehörigen) lange Zeit Erinnerungsträger mit identitätsstiftenden Effekten.


„Ja, genau so war ich als Baby“. Oder: „Das waren noch Zeiten, als ich lange Haare trug!“ Oder: „Das ist meine Nonna. Die hatte immer Zeit für mich!“


Damit eine Fotografie sich in unserem Gedächtnis Biografie- und damit Identitätsstiftend verankern kann, müssen wir die Gelegenheit, das Bild zu verschiedenen Zeitpunkten und über einen längen Zeitraum immer wieder zurückholen können.

Erst wenn wir uns das Foto wieder und wieder anschauen und dadurch auch die Gelegenheit haben, die mit dem Bild assoziierten Affekte zu aktualisieren, steigt die Zahl der für die Erinnerung zuständigen Neuronen und und die Stärke der jeweiligen Synapsen.

Mit Zurückholen von Foto-basierten Erinnerungen und dem so wichtigen Nachempfinden ist aber bald Schluss. In Schuhschachteln oder Alben aufbewahrte Fotografie-Abzüge (und die mit ihnen verbundenen Erinnerungen-konservierende Effekte) fallen seit dem Aufkommen der digitalen Fotografie, und erst Recht mit dem Aufblühen der digitalen Insta-Foto-Kultur, fast komplett weg. Extrem kommt dies bei Snapchat zu Ausdruck: Wenn die Fotos und damit die Erinnerung sich selbst automatisch zerstören, entfällt die Möglichkeit gänzlich, Erinnerungen aufzufrischen.

 

Fotobücher, also die heutigen Fotoalben, sind eine gute Lösung. Fact ist aber, dass nur in sehr wenigen Familien Erinnerungsfotos in Fotobüchern festgehalten werden. Und dies trotz der enorm gewachsenen Anzahl an Fotos, welche täglich gemacht werden. Bilder gucken auf dem iPad geht ja auch, denken sich viele. Die Frage ist einfach, wie lange noch.

Auch die in iOS 10 (= aktuelle Version des iPhone-Betriebssystems) neu eingeführte Foto-Funktion „Andenken“, bei welcher man sich „Das Beste der letzten drei Monate“ in einem animierten Film kurz, mittel oder lang sowie in verschiedenen Stilrichtungen (Sentimental, Sanft, Chill, Heiter usw.) vorführen lassen kann, zeigt deutlich, was wir heute unter Andenken und Vergangenheit zu verstehen haben. Nach drei Monaten ist Schluss.

Aber selbst für den Fall, dass die Fotos eine Weile auf dem Smartphone oder im PC abgespeichert werden, sind sie über kurz oder lang dem Verfall preisgegeben: Wer bitte macht sich denn heute die Mühe, die Bild-Dateien auf dem Computer oder einer externen Harddisk zu sichern?

Und wie schnell gehen Handys (und die darin gespeicherten Fotos) bei Jugendlichen kaputt!  Alte Schuhschachteln voller Fotos kann man jahrelang vergessen. Verloren gehen sie trotzdem nicht. Passwörter zu Online-Speichern hingegen schon. Und weiss in 25 Jahren der Enkel noch, wo sein Opa seine Fotos speicherte?

Datenschutz und Datensicherung sind heute selbst für viele intelligente Jugendliche absolut keine Themen. Das Sichern von digitalen Fotos ist aber auch für viele Erwachsene bedeutungslos. „Zu kompliziert“ höre ich jeweils, wenn es in Gesprächen zu diesem Thema kommt.

Auch eine automatische Ablage von Fotos aus dem Smartphone in der Foto-Cloud sowie deren automatische chronologische Sortierung in einer Timeline (Zeitlinie) ändert an deren Kurzlebigkeit nur wenig. Wie leicht können Zugangsdaten zur den Online-Speicherdiensten vor DropBox oder iCloud vergessen gehen?

Was, wenn Eltern sich scheiden wollen und ein Elternteil im Streit oder aus Wut alle Fotodateien löscht? Und was, wenn mit dem Tod eines Menschen auch die Passwörter für den Online-Speicher für immer weg sind?

Sekunden reichen nicht

Damit Bilder im Gedächtnis verankert und zu identitätsstiftenden Erinnerungen werden können, müssen sie

  • einen möglichst hohen emotionalen Gehalt bzw. eine hohe persönliche (und emotionale) Bedeutung aufweisen und zudem
  • aufgefrischt, also immer einmal wieder und lang genug betrachtet werden können.

Eine persönliche emotionale Bedeutung haben sicher auch einige Instagram Fotos. Aber was nützt es, wenn die Fotos der Bilderüberflutung wegen gar nicht, nur ein-, zweimal und dazu nur ganz kurz angeschaut werden können? Digitale Instant-Fotografie heisst Massen-Fotografie, in welcher das einzelne Bild zum Nichts degradiert wird.

Und mit ihm die Erinnerung an das Ereignis und dessen affektiven Kontext. Das kollektive und persönliche Sich-wiedererkennen in „alten“ Fotografien wird über kurz oder lang verschwinden. Und damit ein Teil dessen, was wir heute unter Identität verstehen.



Wollen wir, dass Jugendliche eine geschichtsbefreite Instant-Identität entwickeln? Eine Identität, welche primär auf Illusionen und Selbsttäuschungen beruht („Ich habe beim Gamen oder beim Serien schauen echt etwas erlebt!“)?

  • Eine Identität, deren Quelle sich auf das Hier und Jetzt beschränkt?
  • Eine Identität, welche sich primär auf nur kurz anhaltende gute Gefühle (zum Beispiel nach dem Kaufen) beschränkt? Und nicht darauf, dass man sich etwas erarbeitet hat und sich dadurch weiterentwickelt?
  • Was wird das für eine Identität, wenn wir bald keine Möglichkeiten mehr haben, via Fotos unsere Erinnerungen an unsere Nonna und den Geschmack ihrer Lasagne aufzufrischen und am Leben zu erhalten?
  • Und was ist das für eine Identität, welche nicht darauf beruht, was wir erarbeitet, sondern gekauft und konsumiert haben?

Wie aber hängen die Schnell-schnell-Kultur und Kreativität zusammen?

Könnte das Verschwinden der Vergangenheit als Teil unserer neuen Identität dereinst nicht vielleicht sogar mit einer Befreiung von „Altlasten“ einhergehen und die Kreativität heutiger Jugendlicher so richtig befeuern? Müssen wir uns gar verabschieden von der Vorstellung, dass Kreativität verknüpft ist mit harter Arbeit, dem schöpferischen Erschaffen von echt Neuem und zeitlos Schönen?

Ich habe auf diese Fragen keine abschliessende Antwort. Meine Beobachtungen in der psychologischen Arbeit mit sehr vielen Jugendlichen mit ADHS zeigen mir aber deutlich, dass mit zunehmendem Konsumverhalten und dem Erstarken der Instant-Kultur (und ihrem je konkreten Einfluss auf die Individuen) die Kompetenz des Sich-etwas-erarbeiten-könnens drastisch abnimmt. Befriedigung muss jetzt sofort erfolgen.

Per Touch oder via Knopfdruck. Mit Drogen oder einem Smartphone funktioniert das. Aber nicht mit kreativem Schaffen! Folge ist, dass allfällig vorhandenes kreatives Potential brach liegen bleibt. Und ich vermute, dass dies auch bei Kindern und Jugendlichen ohne ADHS so sein könnte.




Halten wir uns noch einmal vor Augen, dass eine unbehandelte ADHS immer bedeutet, dass den Betroffenen (fast) alles viel zu lange dauert. Sie können syndrombedingt keine Geduld aufbringen.

Merke: Die Insta-Kultur ist bestens geeignet, das Schnell-Schnell-Syndom von ADHS-Betroffenen zu verstärken. Sie kann wie ein Brandbeschleuniger wirken.

Zwar befriedigt „Instant“ die Betroffenen bis zu einem gewissen Punkt. Auch weil sie – wenn es denn schnell genug geht und der Druck hoch genug ist – Erstaunliches leisten können. Dann aber versandet wieder alles. Energie, um etwas weiterzuentwickeln, ist keine mehr da.

Ich sehe das sehr eindrücklich auch im Atelier fotoLux. Und zwar bei denjenigen ADHS-Betroffenen, bei welchen die ADHS-Therapien nicht gut wirken. Instagram und Co. verführen die Betroffenen dann zu noch mehr Knipsen und Liken. Ständiges darauf achten, wie oft die eigenen Selfies geliked werden und wie sich die Anzahl der Follower entwickelt, hebt kurzzeitig den Dopaminumsatz und das Wohnsein, lenkt aber ab und lässt dadurch die wenige Energie, die sie noch haben, noch mehr verpuffen.

In diesem Teufelskreis sind Betroffene syndrombedingt immer weniger belastungs- und leistungsfähig. Das sie in der Folge für schulische Anforderungen immer weniger motiviert erscheinen, ist naheliegend.

 

Kreativitätsgefängnis

Weiter habe ich bei vielen jungen Instagram und Snapchat-Usern feststellen können, dass sie auf diesen virtuellen Plattformen fast immer nur unter Ihresgleichen weilen. Eine echte Chance, etwas für sie total Neues und vielleicht Inspirierendes zu erfahren (wie zum Beispiel bei einem Besuch im Zentrum Paul Klee oder einem Matinee in der Tonhalle Zürich), haben sie in diesen virtuellen und sogenannten „personalisierten“ Welten kaum.

Personalisiert = Filter auf diesen Online-Plattformen. Diese präsentierten den Usern als Neu immer nur das, wofür er/sie sich bereits auf Grundlage ihrer Likes interessieren oder interessieren könnten).

Like-Blasen

Gefangen in „Like-Blasen“ kann der damit verbundenen Filterung wegen, allfällig vorhandenes kreatives Potential verborgen bleiben. Kreativität ist ein bedeutsamer Faktor für die Entwicklung von Individualität und damit Baustein für die Identitätsentwicklung. „Insta“, Snapchat und YouTube können durch ihre personalisierten Welten diese wichtigen Prozesse ausbremsen.

Positives

Natürlich ist nicht alles des Teufels, was mit Computer und Bildschirmmedien zu tun hat. Im Gegenteil! Computerprogramme können sehr kreativ eingesetzt werden. Etwa bei der Bild- oder Videobearbeitung. Oder in der Musik. Schon lange existieren auch sehr kreative Computerspiele wie etwa Schachprogramme oder der bekannten Flugsimulator von Microsoft. Wer also denkt, hier schreibt ein technikfeindlicher Untergangsprophet, irrt.

 

Der Unterschied zum Konsumieren ist, dass die Benutzer (zum Beispiel beim Arbeiten mit Photoshop) eine aktive und eben nicht eine reaktive Rolle innehaben. Dadurch, dass sie fortwährend eigene und echt freie Entscheidungen fällen und ihren eigenen Weg beschreiten (und nicht blind und ohne es zu wissen den vorgegebenen Pfaden des Game-Programmierers folgen müssen), trainieren sie ihre eigene Phantasie.

Merke: Compterprogramme wie Photoshop, Videobearbeitungsprogramme, Schach usw. haben einen entschleunigenden Effekt. Und genau dies benötigen ADHS-Betroffene. Durch die aktive Rolle, das Sich-etwas-erarbeiten lernen sie, eines nach dem andern machen zu können. Ja, sie trainieren exekutive Funktionen!

 

Was tun?

    • Kinder und Jugendliche mit einer ADHS haben oftmals gar keinen Zugang zu ihrem kreativen Potential. Oft fehlt ihnen auch die innere Ruhe, sich auf den Klavierunterricht oder beispielsweise im Jugendtheater einlassen zu können. Versuchen soll man es trotzdem. Wenn nach verschiedenen Anläufen herausgefunden kann, wofür sich Kinder mit einer ADHS wirklich interessieren, ist schon ein grosser Schritt getan.
    • ADHS-betroffene Kinder und Jugendliche mit künstlerischen Begabungen und/oder einer hohen Intelligenz sollten in der Freizeit oder falls erforderlich im Rahmen einer multimodalen ADHS-Therapie in den Genuss therapeutisch-pädaogischer Fördermassnahmen kommen, welche an ihren Ressourcen ansetzen. Aus Erfahrung weiss ich, dass von diesen Massnahmen auch Kinder und Jugendliche mit Störungen aus dem autistischen Spektrum profitieren können.
    • Kreativitätsfördernde Massnahmen können eine ADHS-Basistherapie nicht ersetzen. Vielmehr ist es so, dass ein Minimum an intakten Exekutivfunktionen erforderlich ist, um von den Fördermassnahmen profitieren zu können. Wie Begabtenförderung mit ADHS-Betroffenen funktionieren kann, welche auf die medikamentöse Basistherapie nicht oder nur unbefriedigend ansprechen und ausgeprägte ADHS-Symptomatik aufweisen, weiss ich selbst noch nicht genau.
    • Kinder und Jugendliche sollen von den Eltern und den Lehrpersonen an den kreativen Umgang mit Computern, Kommunikations- und Bildschirmmedien herangeführt werden. Motto: Weniger ist mehr. Haben Sie als Eltern bitte keine Hemmungen, auch Verbote auszusprechen.
    • Reaktivieren Sie Fotoalben oder lassen Sie sich von Ihren Bildern Fotobücher herstellen. Sie tragen damit bei, das kollektive Familiengedächtnis zu erhalten und den Kindern zu ermöglichen, Erinnerungen an ihre eigene Geschichte aufzufrischen.
    • Bei ADHS-betroffenen Jugendlichen, welche suchtartig Bildschirmmedien konsumieren, ist davon auszugehen, dass die ADHS-Basistherapie nicht oder nicht genügend wirksam ist. Diese sollte dann durch die zuständige Fachperson überprüft und optimiert werden. Das problematische Konsumverhalten legt sich dann normalerweise. In sehr schwierigen Fällen könnte – Einsicht, Motivation und Einwilligung der Betroffenen vorausgesetzt – zur Einstellung der neuen Medikamente und zwecks Bildschirmmedien-Entzugsbehandlung eine stationäre Behandlung in Betracht gezogen werden.

      Lesen Sie hier weiter, wenn diese Informationen für Sie hilfreich waren.





Siehe auch:

 


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Katja Iseli, Psychologin, Muttenz (CH) | Coaching & Beratung

iseliMein Name ist Katja Iseli.

Als promovierte Psychologin biete ich Coachings, Beratung und Tagungen im Bereich AD(H)S und ASS (mit Schwerpunkt Asperger) an.

Das Thema AD(H)S begleitet mich seit Beginn meiner Berufstätigkeit. Sowohl im kaufmännischen Bereich (HR), als auch bei meiner Tätigkeit in einer Jugendberatungsstelle, wie auch während meiner Beratungstätigkeit auf der öffentlichen Berufsberatung, begegnete mir immer wieder diese Thematik. Dies führt dazu, dass ich mich diesbezüglich weiterbildete und auch von der IV für Coachings angefragt wurde. Mittlerweile arbeite ich im Auftrag von Unternehmen, Versicherungen sowie Privatpersonen als Coach.

Für einen kompetenten Umgang mit AD(H)S erachte ich es als wichtig, die dahinterstehende Dynamik zu verstehen. Neben den damit verbundenen Herausforderungen empfinde ich es als zentral, die positiven Seiten von AD(H)S zu sehen. Das Leben mit AD(H)S ist nicht immer einfach, aber stets spannend und vielseitig. Mehr Infos über meine Haltung sowie meine Angebote finden sich auf meiner Homepage (www.competentium.ch).

Ich freue mich darauf, Ihnen mein Fachwissen aus den Bereichen Personalwesen, Notfallpsychologie sowie Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung zur Verfügung zu stellen. Mein Angebot richtet sich an Betroffene, Angehörige aber auch an  Arbeitgeber.

Dr. phil. Katja Iseli
Hofackerstrasse 71
CH-4132 Muttenz
079 249 18 28
iseli@competentium.ch
www.competentium.ch

 

Kein Blabla: Meine Geschichte mit ADHS von A – Z (fast)

Kein Blabla

Hey, ich heisse Lorena. Mit einem Tagebuch habe ich angefangen, meine ADHS-Geschichte aufzuschreiben. Daraus wurde ein halbes Buch. ADHS von A – Z. Ohne Blabla. Auch mein Bruder hat etwas geschrieben. Und die Therapeutin meines Bruders. Und ich schreibe auch über meine Ma, die auch ADHS hat. Wir sind eine ziemlich verrückte Familie.

Ein Vorwort schreiben ist mühsam für mich. Ich mag kein Blabla. Am liebsten habe ich es, wenn ich alles Beigemüse weglassen kann. Dem Lehrer gefällt das nicht. Er schrieb einmal, mein Text sei fadengerade.

Super. Er meinte es negativ. Für mich war es ein Kompliment. Hat er nicht begriffen.

Die Kapitel

Schaut Euch die Kapitel an, falls Euch meine Geschichte interessiert!

Soll ich euch etwas ablenken?

Traumhaft gute ADHS-Schulen – oder Privatschulen

Lorena meldet sich zurück. Mit einem Traum.

Meine ADHS-gerechte Schule (oder Privatschulen)

Also eigentlich ist es gar kein Traum. Es geht um eine traumhaft gute Schule für Schüler/-innen mit einer ADHS. Es betrifft auch Privatschulen. Manchmal stelle ich mir einfach vor, was ich alles ändern würde, wenn ich die Schulleiterin wäre. Und wenn es Schülerinnen wie mich mit ADHS in dieser Schule hat.

Konkret

    • Schulbeginn um 9.00. Oder um 10:00.
    • Die Schulstunden würden maximal 30 Minuten dauern.
    • Im Unterricht wird nur das wirklich Wichtige gelernt. Alles Gefüllsel und alles Beigemüse soll wegbleiben.
    • Keine Doppelstunden mehr.
    • Keine Wochenpläne mehr. Oder nur für Schüler, die damit umgehen können. Für uns ADHS-Schüler/-innen ist das einfach nichts. Wir brauchen 1:1 Unterricht. Und Aufgaben, die wir von heute auf morgen erledigen müssen. Und die dann auch kontrolliert werden.
    • Wir brauchen strenge, aber gerechte Lehrerinnen und Lehrer.
    • Mindestens ein Lehrer oder eine Lehrerin sollte auch ADHS haben (besser wären zwei, nämlich ein Mann und eine Frau). So hätten wir eine oder zwei Personen, die uns helfen, wenn andere nicht verstehen, wie wir ticken. Diese Vertrauenslehrer sollten nicht im Ort oder im gleichen Stadtteil wohnen (wegen dem Geschwätz).




  • Zwischen jeder Unterrichtsstunde sollte etwas mit viel Bewegung erfolgen. Ich würde zum Beispiel 1 x pro Schultag auch 20 Minuten helfen, das Schulhaus zu putzen. Oder Kurzspaziergänge. Oder 20 Minuten Musik hören. Oder Yoga-Übungen machen. Oder mit Hanteln trainieren.
  • Von jedem Schulzimmer aus müsste eine Rutschbahn direkt ins Schwimmbad führen.
  • Alle Arbeitsblätter der Kinder werden im Internet gespeichert. So können meine Eltern sie ausdrucken, wenn wir unsere Sachen vergessen.
  • Hausaufgaben und anstehende Prüfungstermine sollten ebenfalls im Internet abrufbar sein.

Und weiter geht es!

  • In Prüfungen hat jeder so viel Zeit, wie er braucht.
  • Schüler/-innen mit ADHS sollten immer vorne sitzen dürfen, ohne das die anderen Kinder blöd tun.
  • Schüler/-innen mit ADHS sollten Kopfhörer tragen dürfen, so dass die Stimme der Lehrperson, welche über ein kleines Mikrofon und einen Sender übertragen wird, direkt ins Ohr und dann in den Kopf des Schülers geht.
  • Bei Stillarbeiten dürfen Kinder mit dem Kopfhörer Musik hören.
  • Handyverbot an der ganzen Schule. So können sich Kinder mit doofen Fotos nicht gegenseitig plagen.
  • Noten ja. Aber nicht querbeet. Benotet werden sollen die Bemühungen der Schüler und nicht das Resultat. Letztes ist total ungerecht, weil jeder Schüler und jede Schülerin andere Begabungen und andere Schwächen mit sich bringt.
  • Benotungen sollte es nicht für Fehler, sondern für die konkreten Fortschritte geben, welche die Schüler/-innen machen. Dass Kinder für Fehler oder für Nichtkönnen mit Noten bestraft werden, ist ungerecht und unlogisch.
  • Lehrpersonen sollten ADHS-Kinder blitzschnell belohnen, wenn sie sich positiv verhalten haben oder wenn etwas besser lief, als erwartet.

So, nun mache ich mal einen Punkt. Wenn Ihr weitere Ideen habt, wie für Kinder mit einer ADHS eine traumhaft gute Schule ausschauen könnte, meldet Euch hier (gilt auch für Erwachsene).


Siehe auch die anderen Lorena-Geschichten


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