ADHS-Selbsthilfegruppe

Mit grossem Interesse habe ich die Informationen über ADHS auf Ihrer Website  gelesen.  Es kam mir vor, als sei meine Lebensgeschichte niedergeschrieben, so treffend stimmen die Formulierungen mit meinem Alltag überein. Meine Problematiken in verschiedener Hinsicht sind im Alltag sehr hinderlich. Ich mache seit mehreren Jahren Psychotherapie (die auch Veränderungen bewirkt) und bin bei einem Psychiater für die Medikation in Behandlung. Seit 1, 5 Jahren erhalte ich Elvanse, nach div. Versuchen und Dosierungen mit Concerta u.a. mit Nebenwirkungen. Elvanse ist das erste Präparat, das Teilwirkung zeigt, aber irgendwie finden wir die „stimmige Dosierung“ nicht… (ADHS Abklärung am UNI-Spital Zürich war positiv, allerdings nicht zu 100%, es wurden auch andere Diagnosen wie BPS in Betracht gezogen, ich hatte in all den Jahren min. 5 Diagnosen erhalten…) Schlussendlich interessiert mich die Diagnose natürlich, aber viel mehr den Umgang mit den Problemen im Alltag. Dabei würde ein „Krankheitsverständnis“ wesentlich dazu beitragen…

Nach Lesen in div. Foren, Berichten etc. bin ich auf Ihre Seite gelangt. Sie geben auch Coachs, Psychologen an, die auf ADHS spezialisiert sind. Für mich wäre es sehr hilfreich, einmal eine/nPsychotherapeuten/in und Arzt aufzusuchen der/die sich speziell mit ADHS auskennt, um neue Erkenntnisse und Ansätze zu gewinnen und das optimale Präparat in optimaler Dosierung und Wirkung zu finden.

Ich wohne im Baselbiet (…) kennen Sie allenfalls Therapeuten in dieser Region?
Der Zeitpunkt ist wohl nicht zufällig, denn mein 8jähriger Sohn ist mir sehr ähnlich: ein  Träumer, ständig in Bewegung, sitzt stundenlang bei den Hausaufgaben da er visuell und auditiv leicht ablenkbar ist, muss mehrmals ermahnt werden, eine Aufgabe zu erfüllen… durch ihn bin ich überhaupt auf dieses Thema auch im Zusammenhang mit Erwachsenen, aufmerksam geworden…

http://www.adhs.ch/ueber-mich/
Zuerst einmal: Nein, ich kann grundsätzlich keine ADHS-Fachpersonen vermitteln. Diesbezügliche Auskünfte erteilen die Selbsthilfeorganisationen. Oder siehe hier.
Sie machen seit einigen Jahren Psychotherapie, waren zur Abklärung in der UPK Basel und haben einen Psychiater, der Ihnen ADHS-Medikamente verschreibt.
Und trotzdem scheint es für Sie nicht zu stimmen.
Wissen Sie, ich könnte es mir jetzt einfach machen,
  • … und Sie einladen, Ihre Ansprüche zu überprüfen und gegebenenfalls herunterzuschrauben.
  • … und Ihnen zu versichern, dass nichts im Leben – und damit auch keine Diagnosen –  zu 100 % sicher sind.
  • … und Sie darauf hinzuweisen, dass bei der ADHS und mit ihr bei vielen anderen chronischen psychischen und körperlichen Erkrankungen im Anschluss an die Behandlungen eine Residualsymptomatik verbleibt. Gemeint sind (Rest-) Symptome, welche trotz Therapien fortbestehen.
  • …und sie einladen, diese Restbeschwerden als zu sich gehörig zu akzeptieren.
  • … und Ihnen beruhigend zu sagen, dass viele Kinder Träumer-Phasen haben und das sich das höchstwahrscheinlich bald normalisieren wird.

Vielleicht liege ich mit diesen Zeilen ja gar nicht so falsch. Aber ich kenne Sie halt nicht persönlich. Leider ist es so oftmals nicht einfach.

Sie haben fünf oder mehr Diagnosen erhalten. Und BPS (= Borderline-Persönlichkeitsstörung) habe man auch „in Betracht gezogen“.

Und es geht Ihnen immer noch nicht gut: Ihre Probleme hindern Sie im Alltag.

Das ist nicht gut. Überhaupt nicht!

Eigentlich eine Bankrotterklärung unserer Psychiatrie. Was meinen Sie, wieviel Schilderungen dieser Art ich in den letzten zwanzig Jahren erhalten habe? Es sind unzählige. Deswegen erlaube ich mir, auch Ihre Schilderungen sehr ernst zu nehmen. Vielleicht finden Sie ja einmal den „richtigen“ Psychiater oder Psychotherapeuten. Man soll bekanntlich nie die Hoffnung verlieren.



Ein möglicherweise auch für Sie effizienterer Weg könnte eine Kontaktaufnahme mit einer ADHS-Selbsthilfegruppe für Erwachsene darstellen. Sie können davon ausgehen, dass dort keine stundenlange theoretische Diskurse über die ADHS und andere Diagnosen ausgetragen werden. Vielmehr werden konkrete Erfahrungen und alltagstaugliche Strategien zur Bewältigung der je individuellen Alltagsprobleme ausgetauscht.

Das kann manchmal mehr bringen als fünf Jahre Psychotherapie, drei Psychiater und verschiedene Medikamente.

Von Online-Selbsthilfegruppen und damit auch von ADHS-Facebook-Gruppen rate ich vorläufig ab. Ich habe in den letzten Monaten noch einmal einen Anlauf genommen und mich in diversen Foren und FB-Gruppen eingelesen. Die Bilanz ist ernüchternd (aber nicht definitiv). Mein persönlicher Eindruck war, dass die Mehrzahl der Schreibenden nicht an ADHS litten. Und dass die „Ausbeute“ für einen tatsächlich von einer ADHS-Betroffenen mager ist. Gerne lasse ich mich von Insidern eines Besseren belehren (Kontakt).

Ein Wort noch zu Ihrem Sohn: Sollten ihn seine Träumereien nachhaltig daran hindern, dem Schulunterricht zu folgen, wäre eine Abklärung angezeigt. Sollte auch bei ihm eine ADHS vorliegen, sollte mit einer Therapie nicht zu lange zugewartet werden.


Lesen Sie hier weiter, wenn meine Stellungnahme für Sie hilfreich war.


Ist dieser Beitrag lesenswert? Ja oder nein?

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.