Ritalin: Die Wirkdauer lässt deutlich nach. Was tun?

Mein Sohn ist 10 Jahre alt, hat ein ADHS mit vorwiegend einem Aufmerksamkeitsdefizit und nimmt seit einem Jahr Ritalin. Die optimale Dosis lag anfangs bei 10mg-5mg-0mg (Mo/Mi/Ab). Sowohl von der Konzentrationsfähigkeit, wie auch im Verhalten und in der Arbeitsplanung war der Effekt extrem.  Er war sozusagen kaum wieder zu erkennen.

Die Dosis wurde vor den Sommerferien auf 10mg-10mg-0mg erhöht, da die Wirkung nicht mehr so offensichtlich war. Nun fällt uns auf, dass v.a. die Wirkdauer klar kürzer geworden ist. Ich würde diese auf maximal 2-3h schätzen, dann wird mein Sohn wieder sehr desorganisiert. Man muss ihn 4-5x ansprechen, bis er reagiert etc.  

Woran kann es liegen: Ist es der Wirkstoff oder das kurzwirksame Präparat? Wäre es ratsam auf ein langwirksames Präparat zu wechseln? Braucht es vorher nochmals Tests? Wann ist es angebracht, auf einen anderen Wirkstoff zu wechseln?


http://www.adhs.ch/ueber-mich/Ich sage wie immer ganz ehrlich, was ich denke:

Anfragen dieser Art erhalte ich fast jede Woche. Ich kann nicht wirklich verstehen, wieso mir Fragen nach der Wahl des Medikamentes und der Dosierung gestellt werden und nicht dem behandelnden Arzt.

Der Arzt, welcher Ihrem Sohn das Rezept ausstellte, ist zuständig und verantwortlich für die Therapie. Er entscheidet, was es braucht und was nicht.

Dabei sind die behandelnden Ärzte natürlich darauf angewiesen, dass die Eltern ihnen auch regelmässig berichten, wie es mit dem Kind daheim und in der Schule läuft. Besonders bei allfälligen Problemen ist das wichtig. Hören die Ärzte nichts über ihren jungen Patienten, gehen sie davon aus, dass alles in Ordnung ist.

Mein Rat: Sprechen Sie mit dem Arzt Ihres Sohnes!

Ganz allgemein und nicht auf Ihren Sohn bezogen, kann man festhalten, dass Dosisanpassungen die Regel sind: Die schulischen Anforderungen an die Exekutivfunktionen steigen. Das kann dazu führen, dass der Arzt die Dosis geringfügig erhöht. Oder dass auf ein Retard-Präparat wie Concerta umgestellt wird.

Und: Eine Wirkdauer von zwei bis drei Stunden ist bei Ritalin so aussergewöhnlich nicht.

Sollte nach einer allfälligen Anpassung der Dosierung bzw. nach einem Wechsel des Medikamentes es wieder dazu kommen, dass die Wirkung nachlässt, müsste die Therapie grundsätzlich neu überdacht werden.




Ich kenne einige junge ADHS-Patienten, bei welchen die behandelnden Ärzte das Medikament alle drei, vier Monate wechseln mussten. Quasi im Turnus wurden dann drei verschiedene ADHS-Medikamente eingesetzt. So konnte dem Gewöhnungseffekt wirkungsvoll entgegengewirkt werden. Und den Kindern ging es gut.

Sollte die Wahl des Arztes auf das Medikament Concerta fallen, ist zu beachten, dass es auch unter diesem Medikament zu Gewöhnungseffekten kommen kann.

Und nochmals: Sprechen Sie mit dem Arzt!


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Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi




2 Antworten auf „Ritalin: Die Wirkdauer lässt deutlich nach. Was tun?“

  1. Kommentar zu M.F.
    Ich würde mit so einer Angelegenheit auch nicht einfach nur den Kinderarzt konsultieren, sondern einen Kinder- und Jugendpsychiater. Das ist der/ die richtige Facharzt/-ärztin.
    …Oder was spricht dagegen? Natürlich sind Pädiater nicht die Spezialisten und wissen oft nicht ganz genaustens bescheid. Dafür sind ja eben Fachärzte da!

  2. Zu Ihrem Blog Eintrag über Ritalin:
    Ich verstehe es, wenn Eltern in ihrer Verzweiflung bei Ihnen nachfragen wegen der Dosierung / Wirkung und Medikamenten Umstellung. Für Sie schwierig zum beurteilen, weil Sie das Kind /die Geschichte nicht kennen. Aber für Betroffene ist es wichtig, an eine kompetente Fachperson zu gelangen, welche etwas vom Thema versteht!
    Oft haben Pädiater wenig Verständnis oder Ahnung und sind nur die “ Rezeptausteller“, aber nicht die Ansprechperson bei ADHS. Ich habe in der Klinik mit diversen Pädiatern Kontakt und ich habe mich mal etwas umgehört zum Thema ADHS und Medikation. Meine Erfahrung zeigt, dass ca 80 % der Pädiater wenig Ahnung haben von ADHS und auch die Medikation in Frage stellen. Dazu kommt, dass ein Pädiater das Kind einmal im Jahr für ca. 15 Min. sieht und sich so nicht wirklich ein objektives Bild machen kann. Oft geht vielleicht ein langer Leidensweg voraus und man hat das Vertrauen in den Arzt etwas verloren. Ich verstehe es, wenn Eltern diese Fragen an Sie stellen! Ich verstehe aber auch, wenn Sie darauf nicht antworten können.

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