Ein Teufelskreis, aus dem Alex ohne Hilfe nicht mehr heraus kommt!

Guten Tag Herr Rossi! Mein Sohn Alex , 13.11.00, leidet seit zwei Jahren unter Epilepsie. Im August 2017 hat er seine Ausbildung als Fachmann Betreuung Kinder begonnen. Leider hatte er trotz Medikamenten öfters Absenzen. Nun hat eine Umstellung auf ein anderes Medikament begonnen. Seither leidet er an Schlafstörungen, welche sich natürlich sehr schlecht auf die Arbeit auswirkt. Seit längerer Zeit zeigt er depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Da dies nun ständig schlimmer wird und dadurch auch seine Ausbildung gefährdet wird, brauchen wir nun dringend Hilfe. Durch seine Ängste, dass er Absenzen haben könnte, provoziert er genau das. Es ist ein Teufelskreis aus dem er ohne Hilfe nicht mehr raus kommt. Zudem wurde vor 10 Jahren eine ADHS diagnostiziert, weshalb ich denke, dass er bei Ihnen am richtigen Ort wäre. Psychotherapie lehnt er aber grundsätzlich noch ab, doch langsam scheint er durch den ständigen Schlafmangel offener zu werden. Ich hoffe sehr auf einen baldigen Termin, um die Situation entschärfen zu können. Hoffnungsvolle Grüsse L. P.


http://www.adhs.ch/ueber-mich/Einen Sprechstundentermin kann ich Ihnen nicht offerieren, da ich seit bald zwei Jahren keine Psychotherapie-Praxis mehr führe.

Wichtig ist, dass Sie den Arzt  informieren, dass Alex auf das neue Epilepsie-Medikament nicht gut reagiert. Die Hilfe müsste also in erster Linie von jener ärztlichen Fachperson kommen, welche für die Behandlung Ihres Sohnes verantwortlich ist.

Weiss der Arzt von Alex um die ADHS, um die Schlafstörungen und um seine anderen aktuellen Beschwerden? Wenn nicht, sollten Sie ihn – selbstverständlich nach Rücksprache und im Einverständnis von Alex – auch darüber informieren.

Ob die 2007 gestellte ADHS-Diagnose noch relevant ist, ist nicht ganz auszuschliessen. Primär scheinen aber die Ängste von Alex und seine depressiven Symptome im Vordergrund zu stehen.




Wahrscheinlich wird der Arzt Alex eine Psychotherapie empfehlen. Und eventuell vorgängig auch nochmals eine aktuelle Beurteilung wegen der früher gestellten ADHS-Diagnose. Letzteres macht aber nur dann Sinn, wenn der Arzt Beschwerden und Symptome feststellt, welche auf ein mögliches Fortbestehen der ADHS hinweisen.

Alex sollte wissen, dass Ängste vor bestimmten Orten, Objekten oder körperlichen Zuständen (zu welchen auch Epilepsie-bedingte Absenzen zählen!) heute bestens erforscht sind. Ängste dieser Art haben eine gute Prognose. Die Mehrzahl der davon betroffenen Patienten spricht auf die Angst-Therapie gut an. Zur Anwendung kommt in den meisten Fällen die so genannte „Kognitive Verhaltenstherapie“. Mehr dazu finden Sie hier.



Dass Alex nicht gerade hocherfreut reagiert, wenn das Stichwort „Psychiater“ oder „Psychotherapie“ fällt, kann ich übrigens gut nachvollziehen. Das war einer der Gründe, warum ich seit Anfang 2016 in meinem neuen Projekt arbeite. Dieses ermöglicht mir einen therapie-freien und dennoch therapeutisch wirksamen Zugang zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu finden. Eine Psychotherapie kann eine Mitarbeit in meinem Projekt indes nicht ersetzten.


Informationen zu ADHS-Fachpersonen finden Sie hier.


Lesen Sie da weiter, wenn diese Informationen für Sie hilfreich waren.


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Er wurde erstellt am 01.11.2017.
© Piero Rossi




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