Schlechte Erziehung und Übermutterung | Und jetzt Fremdplazierung?

Seit nun bald zwei Jahren sollte unser Sohn ins Berufsleben starten, aber es gelingt nur teilweise. Erst ist bald 18 Jahre alt und hat letztes Jahr nach einem 4-monatigen Klinikaufenthalt die Diagnose ADHS bekommen. Uns wurde gesagt, er trotze wie ein Kleinkind und er brauche Begrenzung und Bestrafung. Er leidet auch unter Angststörungen und depressiven Anteilen. Die Einweisung hat uns als Familie traumatisiert. Und mich mit Selbstvorwürfen versehen.

Man hat mir schlechte Erziehung und Übermutterung vorgeworfen  und mich gefragt, ob ich überhaupt loslassen könne. Uns wurde vorgeschlagen, ihn wegzugeben. Zur meiner Entlastung hiess es. Das konnte ich nicht,  da er schon beim Eintritt in die Klinik Angst hatte, dass er nicht mehr nach Hause darf. Hat uns nicht wirklich weitergebracht.

Er arbeitet bei einem befreundeten Bauern etwa viermal die Woche mit Hoch und Tiefs. Er fühlt sich nun dort so wohl, so dass es schwierig wird, ihn da rauszunehmen. Aber es ist halt keine Dauerlösung. IV mit Arbeitsintegration ist bewilligt, aber wir wissen nicht wie das anstellen. Alle anderen Versuche scheiterten durch seine Angststörungen, da er schon von Klein an Angst vor Neuem hat und auch die Kindergarten und Schulzeit sehr schwierig war.

Seit seiner Entlassung haben wir Unterstützung der Psychiatriespitex gehabt. Und nun hatten wir noch eine Abklärung im Autismusspektum.  Was aber nichts ergeben hat. Ausser dem Vorschlag der Fremdplatzierung zu meiner Entlastung.

Meine Frage: Macht es Sinn diese Jugendlichen fremd zu platzieren oder gibt es wirklich keine andere Hilfe, um unserem Sohn da rauszuhelfen, damit er ein selbstständiges Leben führen kann? Mit freundlichen Grüssen R. N.


http://www.adhs.ch/ueber-mich/Schlechte Erziehung, Übermutterung …. ? Wenn es doch nur so einfach wäre!

Nein, dass ist natürlich totaler Unsinn. Kein ernstes psychisches Problem (und dazu zählt auch eine ADHS) wird durch Verwöhnung, durch inkonsequentes Verhalten der Mütter oder durch ein Nicht-loslassen-können einer Mutter verursacht.

Psychische Probleme haben sehr viel komplexere Ursachen. Und zwar so komplex, dass oftmals selbst Fachpersonen die Ursachen einer psychischen Erkrankung nicht herausfinden. Leider stehen nicht alle dazu und bemühen als Ausrede alte Vorurteile. Wie jene der überfürsorglichen Mutter, die sowieso immer an allem Schuld ist. Traurig, aber leider wahr.

Verständlich also, dass Sie nach diesen Vorwürfen Schuldgefühle entwickelt haben. Um diese leichter überwinden zu können, hilft Ihnen vielleicht ein Austausch mit anderen Müttern mit ADHS-betroffenen Kindern und Jugendlichen (siehe hier: ELPOS).

Ob es Sinn macht, Ihren Sohn in einer Institution unterzubringen, kann ich nicht beurteilen. Dazu müsste ich ihn kennen und untersucht haben.

Weil aber offenbar eine Arbeitsintergration der IV bewilligt ist, könnten Sie und Ihr Sohn die ganze Angelegenheit noch einmal mit der bei der IV für Ihren Sohn zuständigen Fachperson besprechen.




Dies vor allem auch deswegen, weil Sie geschrieben haben, dass Sie gar nicht wissen, wie Sie bezüglich Arbeitsintegration vorzugehen haben. Normalerweise managt das nämlich die zuständige IV-Fachperson.

Eine IV-Berufsausbildung kann auch in einer von der IV geführten Einrichtung erfolgen. Dort arbeiten und wohnen die Auszubildenden. Das kann eine gute Sache sein!

Was die psychiatrische Diagnose und allfällige Therapien anbetrifft, steht es Ihnen und Ihrem Sohn frei, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Das muss nicht, kann aber durchaus zu mehr Klarheit verhelfen.

Lesen Sie hier weiter, wenn meine Antwort für Sie hilfreich war.


 

Danke für diese Infos!

 

 

Diese Seite wurde am 15.05.2017 letztmals aktualisiert.
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