Mache ich mir zu viele Sorgen? Abwarten bis etwas Gröberes geschieht?

Bin Mutter eines erwachsenen Sohnes mit ADS. Er wohnt alleine. Zustand der Wohnung ist grenzwertig. (Sicht einer Pflegefachfrau). Helfe ich, ist es bald wieder Status quo.

Arbeit verlor er schon 2x. Holt sich keine Hilfe, da er keinen Bedarf sieht. Nimmt kein Ritalin. Z.z. arbeitslos, plant Kanada Aufenthalt als Aupair. Zu dem Zweck lernt er Auitofahren. Trotz fast täglichem Üben seit 9 Monaten reüssiert er nicht. Mache ich mir zu viele Sorgen? Ist es richtig, abzuwarten bis etwas Gröberes geschieht? Ich kann ihn so schlecht loslassen, fühle mich andererseits auch überfordert. Bin ja auch nicht mehr die richtige Person. Danke für Ihre Antwort.  G. A.


http://www.adhs.ch/ueber-mich/
Nein, ich denke nicht, dass Sie sich zu viele Sorgen machen. Jede normale Mutter würde das in Ihrer Situation tun. Ich denke gerade auch Eltern, welche machtlos zum Zusehen verurteilt sind, wie ihre erwachsenen Kinder dem Alkohol oder anderen Drogen verfallen.

Leider nützen Ihnen die Sorgen nicht viel. Manchmal schaden sie auch: Zum Beispiel dann, wenn einen die Sorgen „auffressen“.

Fact ist, dass Ihr Sohn volljährig ist. Er ist verantwortlich für sein Leben. Auch wenn Gröberes passiert oder er es gar zerstört. Und natürlich auch bezüglich allfälliger medizinischer Behandlungen.

Zum grossen Glück ist es bei Ihrem Sohn ja nicht so, dass er kurz vor dem Ende steht. Er schmiedet Zukunftspläne und scheint auch etwas dafür zu tun.

Ja, versuchen Sie, noch etwas mehr loszulassen. Es ist ja nicht so, dass Sie mit dem Loslassen „weg vom Fenster“ sind. Wenn Ihr Sohn Sie braucht, sind sie da. Auch wenn dies vielleicht erst in zwei, drei Jahren der Fall ist. Aber natürlich nicht, um seine Wohnung in Ordnung zu bringen.


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Falls sich die psychische Verfassung Ihres Sohnes ernsthaft verschlimmern sollte, dürfen Sie seinen Hausarzt informieren. Es liegt dann in dessen Verantwortung, allfällig erforderliche Massnahmen einzuleiten.

Manchmal ist es so, dass nicht nur Patienten, sondern auch Angehörige psychologischer Unterstützung bedürfen. Haben Sie also keine Hemmungen, sich Hilfe zu holen. Eine Liste von Fachpersonen, welche auch Angehörige beraten, finden Sie hier.

Lesen Sie hier weiter, wenn meine Antwort für Sie hilfreich war.


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Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi




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