Persönliche Buchempfehlungen für Erwachsene mit ADHS

Erwachsene mit ADHS: Persönliche Buchempfehlungen

…sind bekanntlich immer so eine Sache für sich. So verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich ist auch unser Empfinden darüber, was ein gutes Buch ausmacht und was nicht.

Für mich persönlich ist entscheidend, ob die Autorinnen und Autoren wirklich wissen, worüber sie schreiben. Leider ist das nicht immer der Fall. Meine Empfehlungen beruhen also nicht nur auf den Inhalten an sich, sondern vor allem auch auf der Glaubwürdigkeit der Autorinnen und Autoren. Einige kenne ich, andere nicht. Beim Lesen Letzterer merkte ich aufgrund meiner eigenen, jahrelangen Erfahrungen mit ADHS-Beroffenen schnell, ob echtes Wissen und Verständnis dahinterstecken oder nicht. Meine Beurteilung von Ratgeberbücher für Laien beruht aber auch auf unzähligen Rückmeldungen, die ich während vieler Jahre von meinen erwachsenen ADHS-Patenten erhielt. Los gehts!

Sari Solden

Das Buch „Die Chaosprinzessin: Frauen zwischen Talent und Misserfolg“ (3. Auflage 2001) der Autorin Sari Solden ist das ADHS-Buch für Frauen schlechthin. Es gibt kein Besseres! Das Buch ist ähnlich chaotisch, wie auch die Autorin selbst. ADHS pur. Auch Männer mit ADHS vom unaufmerksamen Typus lieben dieses Buch. Leider ist es vergriffen. Es ist aber Gebraucht hier immer noch erhältlich. Tatsache ist, dass viele Oldies auf dem ADHS-Buchmark bis heute eine Referenz darstellen. Dazu gehört auf jeden Fall auch dieses Buch. Es sprüht nur so vom echten Leben und Leiden von Frauen mit ADHS. Und wirkt trotzdem aufbauend und ermutigend. 

Die Chaosprinzessin: Frauen zwischen Talent und Misserfolg
Preis: --


Cordula Neuhaus

Mit ihrem Buch „Lass mich, doch verlass mich nicht: ADHS und Partnerschaft“ legt uns die bekannte Autorin und ADHS-Spezialistin Cordula Neuhaus ein Buch über die ADHS bei Erwachsenen vor. Mehr über die Autorin kann man hier nachlesen. Dieses Buch ist gut geeignet sowohl für Laien, als auch für Professionals.


Doris Ryffel-Rawak

Das Buch „ADHS bei Frauen – den Gefühlen ausgeliefert“ der Psychiaterin Doris Ryffel, erschienen 2009, gilt unter betroffenen Frauen und vielen Fachpersonen ebenfalls als Referenz.  Die Autorin beschreibt die Geschichte von 16 Frauen. Einfühlsam und kompetent. Das Buch ist sehr gut lesbar. Und es hat Tiefgang. Kein Wunder: Doris Ryffel gehört zu den Pionierinnen der Therapie von erwachsenen ADHS-Betroffenen im deutschsprachigen Raum. Sie weiss, wovon sie schreibt. Das spürt man aus jeder Zeile. Ihr Buch richtet sich an Laien, wird aber auch von Fachpersonen sehr geschätzt.

ADHS bei Erwachsenen. Betroffene berichten aus ihrem Leben“ und „Wir fühlen uns anders! Wie betroffene Erwachsene mit ADS/ADHS sich selbst und ihre Partnerschaft erleben“ sind zwei weitere und empfehlenswerte Bücher über die ADHS bei Erwachsenen. Auch sie richten sich an Laien sind bestens lesbar. Und auch in diesen Büchern ist die Nähe der Autorin zu ihren Patientinnen und Patienten aus fast jeder Zeile heraus spürbar. 

 


Eduard Hallowell / John Ratey

Zwanghaft zerstreut: oder Die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein“ ist bereits 1999 in deutscher Übersetzung erschienen. Es ist das erste deutschsprachige populärwissenschaftliche Buch, welches benennt, dass auch bei Erwachsenen eine ADHS vorliegen kann. Hallowell ist Psychiater und schreibt, dass er selbst von ADHS betroffen ist. Sein Buch ist ein Mix aus Fallvignetten und theoretischen Exkursen. Es liest sich süffig. Viele erwachsene ADHS-Betroffene haben mir gesagt, dies sei das erste Buch in ihrem Leben, welches sie vollständig gelesen haben. Als ich dieses Buch 1999 zum ersten Mal las, dachte ich: „Typischer Ami-Kitsch-Ratgeber“ und „Der übertreibt doch!“ Bald aber realisierte ich, dass dieses Buch zum Besten gehört, was es über die ADHS bei Erwachsenen zu lesen gibt. Und das bis heute. Auch wenn ich nicht bei allen Fallvorstellungen zu den gleichen Schlussfolgerungen wie Hallowell gelangt bin, Es hat sich aus diagnostischen Gründen bewährt, Patienten mit Verdacht auf ADHS zu empfehlen, genau dieses Buch zu lesen. Menschen ohne ADHS empfinden dieses Buch nämlich eher als langweilig oder uninteressant. Die vielen Wiederholungen stören sie. Anders ADHS-Betroffene: Selbst jene, welche es bisher nie schafften, ein Buch zu Ende zu lesen, sind von den Fallvignetten und Hallowells Erläuterungen berührt. Sie schätzen seinen Schreibstil. Endlich, so hörte ich immer wieder, liefere ihnen dieses Buch Worte, welche beschreiben, was sie fühlen. Langer Rede kurzer Sinn: Um „Zwanghaft zerstreut“ führt kein Weg herum, wenn man verstehen will, was ADHS ist. Um es nicht zu vergessen: Coautor John Ratey ist der Verfasser des bekannten und sehr lesenswerten Buches „Das Schattensyndrom: Neurobiologie und leichte Formen psychischer Störungen„. Er geht dabei auf die milden Formen psychischer Störungen wie der ADHS oder autistischer Störungen ein. Das Buch richtet sich nicht nur an Fachpersonen. 

 


Thom Hartmann

Fact ist, dass Hartmanns Buch „Eine andere Art, die Welt zu sehen: Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ ebenfalls  den ADHS-Oldies gehört. 2009 erschien es bereits in der 12. Auflage. Es gibt Bücher (nicht nur über die ADHS), bei welchen es schwer in Worte zu fassen ist, wieso man sie als gut empfindet. Dazu gehört für mich auch Hartmanns ADHS-Beststeller. Es hat ein „gewisses Etwas“ und wirkt auch mich sehr authentisch und glaubhaft. Der Autor, wohl auch selbst von ADHS betroffen, gehört zu jenen, welche auch die positiven Seiten der ADHS aufzeigen. Es kann sich lohnen, auch bei diesem Buch in die Kundenbewertungen bei Amazon reinzuschauen. Ich empfehle dieses Buch, auch wenn ich nicht alle Positionen des Autors teile. 


Christine Beerwerth

Suche dir Menschen, die dir guttun: Coaching für Erwachsene mit ADS“ ist geschrieben von einer Frau, welche ADHS-Betroffene coacht. Gewiss, auch dieses Buch ist nicht perfekt. Trotzdem gehört es für viele Betroffene und auch für mich zu jenen ADHS-Büchern, welche ganz vorne im Bücherregal stehen. Es enthält zahlreiche praktische Tipps, welche auch von ADHS-Betroffenen umgesetzt werden können. Das hört sich selbstverständlich an, ist es aber nicht. Die Ratschläge vieler Ratgeber für erwachsene Menschen mit einer ADHS funktionieren nur bei Menschen ohne ADHS. Es fehlt ihnen an Spezifik oder sind aus anderen Gründen untauglich (Beispiel). Beerwerts Buch gehört sicher nicht zu dieser Kategorie.