Erziehungsstil bei ADHS: Reden ist Silber, Handeln ist Gold | Erziehungsratgeber


Kinder mit ADHS erziehen? Na viel Spass! 
Welcher Erziehungsstil sich am besten bewährt hat, erfahren Sie hier.
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Piero Rossi (2010)

Im Normalfall …

http://www.adhs.ch/ueber-mich/Es ist schon erstaunlich: Währendem einige Kinder sich prima entwickeln, ohne dass die Eltern bewusst erzieherisch auf das Kind einwirken müssen, stellen andere Kinder (manchmal sogar die Geschwister) die Eltern vor grösste erzieherische Herausforderungen. Ein wirksamer Erziehungsstil ist gefragt.

Ein Grossteil aller Kinder übernimmt die Regeln des Zusammenlebens und der Schule mehr oder weniger automatisch: Ein anerkennendes Lächeln der Mutter oder der Lehrkraft verstärkt und belohnt das Verhalten des Kindes, worauf die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöht wird. Andererseits reichen kritische nonverbale Gesten oftmals aus, um einem Kind zu zeigen, dass sein Verhalten nicht okay ist, worauf es das unerwünschte Verhalten normalerweise unterlässt.

Leider ist es so, dass nicht alle Kinder ihr Verhalten mehr oder weniger automatisch danach ausrichten können, was Eltern und Lehrkräften lieb und recht ist. Das gilt insbesondere für Kinder mit einer ADHS. Im Extremfall sprechen diese Kinder weder auf Belohnungen noch auf Bestrafungen an. Wir sprechen dann vom Wasserpistolen-Effekt. Gemeint ist damit, dass fast alle erzieherischen Massnahmen beim Kind wie Wasser abperlen. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich dann dementsprechend hilflos und reagieren aus Gefühlen der Ohnmacht heraus nicht selten ungeduldig und manchmal auch aggressiv. Die folgenden Ausführungen betreffen den erzieherischen Umgang mit erziehungsresistenten Kindern, welche an „erzieherischen Lernstörungen“ leiden.

Handlungs- anstatt einsichtsorientierter Erziehungsstil

Der einsichtsorientierte Erziehungsstil ist definitiv passé. Ewige Diskussionen und einfach nur reden, reden und nochmals reden und an die Einsicht eines Kinder zu appellieren sind out: Ein oder zwei Mal die Dinge klarstellen und zu Handlungen auffordern sind o.k. Dann aber sollte nicht mehr geredet, sondern gehandelt werden (handlungsorientierter Erziehungsstil). Dazu sind folgende Voraussetzungen erforderlich:

Voraussetzung Nr. 1: Wird die ADHS behandelt?

Grundsätzlich muss sichergestellt sein, dass beim ADHS-Kind die Voraussetzungen dafür gegeben sind, so dass es aus Belohnungen und Bestrafungen und den damit verbundenen positiven und negativen Erfahrungen überhaupt lernen kann. Bei Kindern mit einer ADHS ist das alles andere als selbstverständlich! Bei jenen Kindern, welche aus ihren Erfahrungen nicht lernen können, verpuffen auch die allerbesten Erziehungsmassnahmen im Nu. Wichtig ist es daher, dass beim betreffenden Kind die grundlegenden Aufmerksamkeits- und Selbststeuerungsfunktionen therapeutisch genügend stabilisiert werden konnten. Dazu sind in vielen Fällen Medikamente erforderlich. Falls es trotz Therapie mit Medikamenten immer noch nicht stimmt, muss durch eine Fachperson überprüft werden, ob die Diagnose vollständig ist (bestehen neben einer ADHS evtl.auch Wahrnehmungsstörungen oder Teilleistungsstörungen?) und ob die mit den Medikamenten gegebenen therapeutischen Möglichkeiten wirklich ausgeschöpft wurden. Immerhin: Eine optimal eingestellte medikamentöse Therapie ist für den familiären und schulischen Lernerfolg eines Kindes das A und O. Oder liegen andere Belastungsfaktoren vor, welche das Kind ausbremsen und erziehungsresistent erscheinen lassen?

Voraussetzung Nr. 2: Kinder mit ADHS verstehen (will es nicht oder kann es nicht?)

Wenn ein ADHS-Kind sich nicht richtig verhält, liegt es nicht immer daran, dass es nicht will oder dass es einfach trotzen, dominieren und unbewusst Macht über andere erlangen möchte. Gerade bei Kindern mit einer ADHS kann es wegen den syndrombedingten Impulskontroll- oder Aufmerksamkeitsschwächen sehr gut sein, dass sie nicht können, selbst wenn sie wollen. Ein Kind für etwas bestrafen, wofür es nichts kann, ist unmenschlich. Bei diesen Kindern muss man sich also bei Verhaltensproblemen immer die Frage stellen: „Will es nicht oder kann es nicht?“. Aufgabe der Erzieher/-innen (Eltern, Lehrkräfte) ist es, den Kindern wie auch immer einen Weg vorzubereiten und quasi ein Lernterrain zu eröffnen, um ihnen damit zu ermöglichen, aus ihren Erziehungserfahrungen lernen können. Nur dann nämlich lernen diese Kinder, sich anders zu verhalten. Appelle, sich zusammenzureissen und „es endlich doch mal einzusehen“, reichen bei Kindern mit einer ADHS nie und nimmer.



Voraussetzung Nr. 3: Belohnen / Verstärken

Erziehung von Kindern mit einer ADHS funktioniert am besten durch konkrete Einflussnahme auf erwünschtes Verhalten durch Förderung (Belohnen) des positiven Verhaltens (positives Verstärken). Beispiel: „Wenn du es schaffst, dass Deine Hausaufgaben in fünfzehn Minuten erledigt sind, lade ich dich auf ein Eis ein“. Also: Nicht drohen, dem Kind etwas, was es gern hat, wegzunehmen, wenn es nicht das tut, was es soll, sondern eine kurzfristig erreichbare Belohnung in Aussicht stellen.

Voraussetzung Nr. 4: Die Bemühungen belohnen, nicht erst das erreichte Ziel

Entscheidend dabei ist, dass nicht primär das Erreichen eines Zieles belohnt wird (zum Beispiel eine gute Schulnote), sondern die einzelnen und konkreten Verhaltensschritte, welche dazu geeignet sind, das anvisierte Ziel zu erreichen. Beispiele: Das Kind fragt bei den Eltern nach, wenn es bei den Hausaufgaben etwas nicht versteht. Oder: Das Kind prüft die erledigten Hausaufgaben, bevor die Schulunterlagen wieder im Schulrucksack verstaut werden. Diese Verhaltensweisen sollen gelobt werden.

Voraussetzung Nr. 5: Bildschmirmmedienkonsum im Griff?

Die Zeiten ändern sich – auch wenn es unserer Generation nicht immer passt. Dinge bei Kindern und Jugendlichen durchzusetzen ist heute ungleich schwieriger als noch vor zehn Jahren. Die Einflüsse der Bildschirmmedien und der Gleichaltrigen sind gewaltig. Konsequenz: Andere Erziehungskräfte im Auge behalten (was genau schauen sich die Kinder am TV an und vor allem wie lange? Womit gamen sie? Welche DVDs tauschen sie mit Kollegen aus? Welche YouTube-Videoclips schauen Sie sich an?). Und ganz wichtig, welche Freunde haben sie? Kenne ich sie, kenne ich deren Eltern, deren Zuhause?

 

 Voraussetzung Nr. 6: Ruhe bewahren

Auch wenn sich Kinder heftig daneben benehmen: Ruhe bewahren. Wenn Eltern dann selbst die Nerven verlieren, sinkt die Chance, dass das Kind lernen kann, wie es sich richtig verhalten soll, rapide gegen Null.

Voraussetzung Nr. 7: Klare Erwartungen formulieren

Kinder müssen kindgerecht vermittelt bekommen, was die Eltern für Erwartungen an sie haben. Kindgerecht heisst aus entwicklungspsychologischer Sicht, dass berücksichtigt wird, dass das Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungssystem sowie die Merkfähigkeit bei Kindern nicht denjenigen von Erwachsenen entsprechen. Das gilt im Speziellen für Kinder mit einer ADHS. Die Botschaften und Aufträge müssen plakativ und einfach gehalten werden. Eltern müssen sich immer vergewissern, ob die Kinder auch wirklich verstanden haben, was man von ihnen erwartet. Merkkarten im Format A6 eignen sich dazu besonders gut, da sie nicht zu gross sind und auf der Rückseite Bonuspunkte vermerkt werden können, falls das Kind den Auftrag erfolgreich ausgeführt hat.

Voraussetzung Nr. 8: Regeln

Kinder brauchen kindgerechte Regeln, welche berücksichtigen, dass ihre Selbststeuerungskompetenzen, also die Fähigkeit, sich selbst zu managen, noch nicht denjenigen von Jugendlichen oder Erwachsenen entspricht.

Beispiel: Kein Kind hat eine so hoch entwickelte Selbstkontrolle, dass es immer das tut, was es tun sollte (zum Beispiel selbständig nach 30 Minuten den TV ausschalten). Dies von einem Kind zu erwarten führt unweigerlich ins Desaster. Bei Kindern mit einer ADHS ist das noch ausgeprägter: Appelle an die Eigenverantwortung stellen oftmals auch bei Fünfzehnjährigen noch eine Überforderung dar. Beim TV-Konsum etwa ist und bleibt es in der Verantwortung der Eltern, die Dauer zu limitieren.

Voraussetzung Nr. 9: Loben

Loben und strafen Sie Verhaltensweisen und nicht das Kind an sich. Beispiel: Bei Komplimenten immer möglichst präzise beschreiben und hervorheben, welche konkrete Verhaltensweise das Kind gut (oder schon besser als beim letzten Mal) gemacht hat. Bei unerwünschtem Verhalten soll dem Kind wiederholt gesagt und gezeigt werden, welches konkrete Verhalten nicht in Ordnung war. Dem Kind muss, selbst wenn es viele Anläufe braucht, immer wieder in Ruhe gezeigt werden, wie es sich richtig verhalten muss. Bei theoretischen Vorträgen über richtiges Verhalten hören Kinder mit einer ADHS nicht zu. Übrigens: Vor allem Belohnungen (aber auch Strafen), wirken am besten, wenn sie originell, phantasievoll und überraschend daherkommen.




Führungsinstrument: Hausregeln

Hausregeln stellen ein wichtiges Instrument dar, um innerhalb der Familie Verhaltensweisen, welche von den Kindern nicht automatisch übernommen werden, zu regeln. Sie sind das A & O im neuen Erziehungsstil. Hausregeln entsprechen einem Pflichtenheft an einer Arbeitsstelle. Dieses Führungsinstrument regelt, wer welche Aufgaben, Rechte und Pflichten hat, wer wann was macht und wer, wann und welche Informationsbring- und Holpflichten hat. Bezüglich vieler alltäglicher Gegebenheiten, welche zu Auseinandersetzungen führen, sollte nicht erst im täglichen Vollzug (das ist zu spät und führt meistens zu Streit), sondern bereits vorher, also in der Planungsphase, Klarheit geschaffen werden. Wer erst im Konfliktfall über die Spielregeln verhandelt, hat von vornherein verloren.

Bestandteile wirksamer Hausregeln

Griffige und schlanke Hausregeln setzen sich aus drei Elementen zusammen, welche sich auf maximal einer A4-Seite festhalten lassen:

  • Konkrete Regeln
  • Bussenverzeichnis
  • Ämtli-Plan (welche Aufgaben im Haushalt hat das Kind)

Grundsätzliches zu Hausregeln

Hausregeln müssen so aufgebaut sein, dass sie die 1:1-Kontrollfunktion der Mutter (und des Vaters) reduzieren. Genau das ist ja der Sinn von Hausregeln. Es ist wie im Strassenverkehr: Bei Geschwindigkeitsübertretungen müssen wir nicht erst lange mit dem Polizeibeamten diskutieren. Wir wissen, dass wir eine Regel übertreten haben und nun zur Kasse gebeten werden. Der Polizeibeamte vollzieht einen schon im Voraus feststehenden Akt der Bestrafung (Busszettel). Dies macht das Handling sehr viel einfacher. Stellen Sie sich nur vor, der Polizeibeamte müsste mit jedem Verkehrssünder stundenlange Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Strafe führen. Ohne klare und verbindliche Regeln lassen sich viele Eltern in viel zu lange Diskussionen hineinziehen. Hausregeln müssen also so gestaltet werden, dass durch sie die Kontrollfunktion der Mutter reduziert wird und sie aus der unseligen Rolle der Polizistin wenigstens ein Stück weit befreit wird. Regelwerke, welche darauf hinauslaufen, dass die Mutter das Verhalten des Kindes noch mehr kontrollieren muss, sind definitiv kontraproduktiv und damit untauglich.

 

Hausregeln ermöglichen den Blick aufs Positive

Klare Regeln und Sanktionen bieten den Eltern die grosse Chance, den Kindern und Jugendlichen mehr positive Feedbacks zu geben und generell mehr Raum für positive Interaktionen entstehen zu lassen. Die Eltern verfügen dank griffigen Hausregeln über mehr Aufmerksamkeitsenergie für das erwünschte positive Verhalten eines Kindes (selbst dann, wenn es sich erst in kleinen Ansätzen zeigt).

Hausregeln fördern die Selbstverantwortung des Kindes

Hausregeln müssen geeignet sein, die Selbstverantwortung des Kindes zu fördern. Das ein wichtiger Punkt im neuen Erziehungsstil. Sie müssen inhaltlich so strukturiert sein, dass das Kind fast zwingend Erfolgserlebnisse machen muss. So erfährt es automatisch, dass es sich lohnt, sich an gemeinsam getroffene Vereinbarung zu halten. Konkret: Eltern erarbeiten sich niederschwellige Zwischenziele, so dass es dem Kind gelingen muss, Erfolg zu haben. Hiervon hängt der Erfolg nahezu aller Erziehungsmassnahmen ab. Im weitesten Sinne soll mit diesen Führungsinstrumenten (Hausregeln, Bussenverzeichnis und Ämtli-Plan) erreicht werden, dass die Auftretenswahrscheinlichkeit des positiven Verhaltens gefördert wird und dass mehr Raum für Positives entsteht.

Hausregeln müssen umsetzbar sein

Hausregeln müssen einfach umsetz- und kontrollierbar sein. Immer daran denken, dass das Einhalten der Regeln überprüft und das Nichteinhalten bei Bedarf sanktioniert werden muss. Ziel von Hausregeln ist es ja nicht, dass man innerhalb einer Familie wegen der Umsetzung oder Einhaltung von neuen Regeln noch mehr Ärger hat als zuvor. Die Regeln sollen möglichst sachlich sein, ähnlich wie im Strassenverkehr, wo man ja nicht wirklich sauer auf den Polizisten ist, bloss weil er einem in extrem ungerechter Manier eine Busse aufgebrummt hat. Wenn, dann sind wir sauer auf die doofe Geschwindigkeitsregelung, aber nicht auf die Polizeibeamten. Deswegen auch der Bussenkatalog, welcher konkret definierte Übertretungen bezeichnet und angibt, welche Strafe es bei welchem Verhalten absetzt (zum Beispiel bei verbalen Angriffen, bei Handgreiflichkeiten, bei Entwenden von Eigentum anderer Familienmitglieder).

Punktepläne und Belohnungssysteme?

Immer wieder hören wir von Eltern, dass sie eine Weile und meistens ohne anhaltenden Erfolg versucht haben, mit Punkteplänen auf das Verhalten eines Kindes mit einer ADHS einzuwirken. Punktepläne funktionieren schon, nur müssen sie sparsam dosiert, pfiffig aufgemacht, konsequent durchgeführt und rechtzeitig beendet werden. Meistens bedarf es dazu der therapeutischen Unterstützung durch eine Fachperson.

Hausregeln in der Praxis

In einem ersten wichtigen Schritt müssen sich die Eltern grundsätzlich klar werden, was sie eigentlich erwarten. Was ist ihnen im familiären Zusammenleben wirklich wichtig? Welche Verhaltensweisen wollen sie auf gar keinen Fall mehr erleben? Motto: Weniger ist mehr. Also ein schlankes und griffiges Regelwerk erschaffen. Entscheidend ist, dass sich Vater und Mutter auf eine gemeinsame Unité du doctrine beziehungsweise Basis der Regeln einigen. Konkret heisst das, dass die Ausarbeitung von Hausregeln zwischen Vater und Mutter erfolgt (die Kinder werden erst später miteinbezogen). Die Regierung bestimmt, wo es langgeht. Selbstverständlich sind Hausregeln nur dann wirksam, wenn auch Väter an deren Erarbeitung und Durchsetzung aktiv mitwirken. Und: Eltern müssen nicht in allen Punkten einig sein, um gemeinsam für die Hausregeln einzustehen (zwischen den Eltern gilt grundsätzlich das Kollegialitätsprinzip). In einem nächsten Schritt können dann die Familiengesetze dem Kinder-Parlament zur Diskussion vorgelegt werden, bevor sie verabschiedet werden und für eine im Voraus definierte Zeit (zum Beispiel für drei Monate) in Kraft treten.

Das konkrete Umsetzen von Hausregeln

Hausregeln wirken besser, wenn man sie zusammen mit dem Kind einübt. Beispiel: Die Regel „Montag, Mittwoch und Samstag Duschen und Haare waschen“ könnte dem Kind vermittelt werden, indem der Vater eine Weile lange mit dem Sohn an diesen Tagen zusammen duscht (ideal auch für Aufklärungsgespräche Vater-Sohn).

Wenn immer möglich sollte auf technische Hilfsmittel zurückgegriffen werden (zum Beispiel bei den TV- oder PC-Zeitgrenzen). Beispiel: Zu verlangen, dass ein Kind die TV-Zeit selbständig auf eine Stunde pro Tag beschränkt, bringt nur Ärger, da die Mutter das dann jeden Tag kontrollieren muss und dadurch noch mehr in eine negativ besetzte Rolle gerät. Besser sind da technische Hilfsmittel, welche die Benutzung der Bildschirmmedien automatisch limitieren (moderne Systeme lassen sich von den Kindern nicht knacken). Positive und negative Konsequenzen müssen schnell erfolgen, wenn sie das Verhalten des Kindes beeinflussen sollen. Schlechtes Beispiel: „Wenn es einen Monat lang geklappt hat, gibt’s einen Kinobesuch.“ Das kann nicht funktionieren.




Einige Regeln müssen zwecks Umsetzhilfe visualisiert werden. Beispiel: „Duschtuch aufhängen und Waschlappen ausdrücken“. Das hört sich gut an. Papier ist geduldig. Für Worte aus dem Mund der Eltern sind Kinder / Jugendliche leider nicht eben sehr empfänglich, da die meisten Eltern ihre Kinder viel häufiger dann ansprechen, wenn sie etwas nicht gut gemacht haben. Hinter allem und jedem hören die Kinder dann nur noch ein Geschimpfe. Läuft es mal gut, atmen die Eltern auf und lehnen sich zurück, anstatt ihre Aufmerksamkeit auf das positive Verhalten des Kindes zu richten. Die Regel „Duschtuch aufhängen und Waschlappen ausdrücken“ muss daher ergänzt werden durch eine Visualisierung. So könnte zur Erinnerung im Badezimmer ein Foto eines ausgedrückten Lappens und eines ordentlich aufgehängten Duschtuches aufgenommen, auf ein A5-Blatt ausgedruckt, dann laminiert und schliesslich im Badezimmer aufgehängt werden. Oder: „Direkt nach dem Heimkommen Jacken aufhängen, Schuhe hinstellen…“. Das alleine wird nicht klappen (zur Erinnerung: Von einem einsichtsorientierten Erziehungsstil sollte Abschied genommen werden). Unterstützt werden kann diese Regel, indem eine Weile lang an dem Ort, wo die Jacke hingehängt und die Schuhe hingestellt werden sollen, blinkende LED-Lämpchen aus dem Fahrradzubehör angebracht werden. Kinder mit einer ADHS richten ihre Aufmerksamkeit so viel besser auf die der Mutter so wichtige Stelle.

Erziehungskurse

Wer ein Mofa lenken will, benötigt einen Führerschein, muss also Lernen und eine Prüfung bestehen. Die Fähigkeit zum Erziehen der Kinder hingegen scheint eine angeborene Eigenschaft zu sein, welche nicht erlernt werden muss. Wenigstens für Väter und Mütter mit schwierigen Kindern wäre es ein Segen, bestünde die Möglichkeit, Erziehungskurse zu absolvieren. Leider werden diese nur vereinzelt und meistens ohne Qualitätssicherung angeboten.

Professionelle Erziehungsberatung

Es ist kein Zeichen des Versagens, wenn sich Eltern durch eine professionelle Erziehungsberatungsstelle unterstützen lassen. Viele Eltern profitieren von den Tipps und Ratschlägen der Erziehungsberater/-innen. Und lernen einen wirksamen Erziehungsstil.

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Er wurde letztmals aktualisiert am 11.10.2017.
© Piero Rossi