Wie aussagekräftig sind die Resultate eines IQ Tests bei einem Kind mit ADS / ADHS?

Wie aussagekräftig  sind die Resultate eines IQ Tests bei einem Kind mit ADS? Bei unserem Sohn wurde ein IQ von 90 errechnet. Ihm wurde ein ADS mit Autismus-Spektrums-Störungen diagnostiziert. Seine räumliche Orientierung eingeschränkt. Besten Dank und freundliche Grüsse I. B.


http://www.adhs.ch/ueber-mich/Für IQ-Tests haben wir nur Normen für Gesunde. Nicht aber für Kinder mit Merkfähigkeits-, Konzentrations- oder Wahrnehmungsstörungen.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die von einem  Kind mit ADHS oder anderen kognitiven Entwicklungsstörungen erbrachten Testleistungen negativ beeinflusst sind durch syndromtypische kognitive (oder auch motivationale) Defizite.

Bei der ADHS sind das vor allem Arbeitsgedächtnisstörungen. Oder ein zu flüchtiges und impulsives Antwort- und Lösungsverhalten. Bei Kindern mit Störungen aus dem autistischen Spektrum ist es noch etwas komplizierter, weil neben den syndromtypischen nonverbalen Wahrnehmungsstörungen auch kommunikative Aspekte das Testresultat negativ beeinflussen können.

Werden die Test-Leistungen dieser Kinder verglichen mit jenen der Gesamtstichprobe, führt das zu falschen Ergebnissen. Schliesslich kann man eine ADHS oder ASS vor einem Beginn eines IQ-Tests nicht einfach ausschalten.




Leider berücksichtigen die meisten Schulpsychologen diesen Hintergrund nicht. Und übertragen die Resultate 1:1 auf das Kind.

Das ist ein grosses Problem. Weil ein IQ unter 100, der auch  den Lehrpersonen bekannt ist, in den meisten Fällen ganz automatisch dazu führt, dass  das Kind „abgeschrieben“ und nicht mehr voll gefordert wird.  Oder im noch schlimmeren Fall, dass es – etwa bei einem bevorstehenden Oberstufenübertritt – zu falschen Promotionsentscheidungen kommt.

Auf das Resultat eines IQ-Tests eines Kindes mit ADHS kann man sich dann mehr oder weniger verlassen, wenn …

  1. … Testung und Auswertung durch einen qualifizierten Psychologen erfolgen.
  2. … Testung und Auswertung genau nach Test- und Auswerteanweisungen durchgeführt wurden.
  3. … das Kind schon eine Weile mit ADHS medikamentös behandelt wird und das Medikament gut eingestellt ist.
  4. … die Testung in einem Zeitfenster erfolgte, in welchem die ADHS-Medikamente mit Sicherheit wirken.
  5. … keine Teilleistungs- und Wahrnehmungsstörungen vorliegen.
  6. … die Fehlerverteilung angemessen ist. Also nicht etwa viele (Flüchtigkeits-) Fehler bei den einfachen und wenige Fehler bei den schwierigeren Aufgaben.
  7.  …das Testprofil ausgeglichen ist.

Grundsätzlich macht bei Kindern mit ADHS oder ASS eine Intelligenztestung nur dann Sinn, wenn im Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung auch alle anderen relevanten kognitiven Funktionen sorgfältig geprüft werden.  Nur dann sind einigermassen zuverlässige Aussagen über das intellektuelle Potentials eines Kindes mit ADHS oder ASS möglich.


Lesen Sie hier weiter, wenn meine Stellungnahme für Sie hilfreich war.


Danke für diese Infos!

 

 

Diese Seite wurde am 02.06.2017 letztmals aktualisiert.
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© 1999 – 2017 Piero Rossi


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